Die leichte Drehung im Verhältnis zum langen Baukörper der Reihenhäuser und seine polygonale Form verleihen dem turmartigen monolithischen Wohnhaus eine ausgeprägte Selbstständigkeit, welche die Beziehung zu den zwei benachbarten Gebäuden auf der anderen Strassenseite begünstigt. Es entsteht eine dorfähnliche Situation, ein erweiterter Strassenraum, zu dem sich die Hauseingänge orientieren. Das kommunale Baugesetz hatte ein Attikageschoss erlaubt, jedoch mit grossen Einschränkungen. Da zu erwarten war, dass die Dachterrasse innerhalb der Bauparzelle die besten aussenräumlichen Qualitäten zu leisten vermag, konnte nicht auf deren Einbezug via Attikaaufbau verzichtet werden. Unüblicherweise wurde daher zuerst anhand von Volumenstudien eine zufriedenstellende plastische Lösung mit Attikaaufbau gesucht und erst danach eine innere Organisation entwickelt. Die viereckige Grundform löst sich im Attikageschoss auf, zwei Volumen besetzen dort die jeweils entgegengesetzten Ecken. Dadurch erhält die Form eine maximale vertikale Wirkung und auf allen Seiten das gleiche plastische Grundthema. Die Geschosse sind mittels raumhaltiger Zwischenwände, welche sämtliche Nebennutzungen inklusive der Treppenläufe aufnehmen, viergeteilt. Raum und Raumbegrenzung sind dual wie Figur und Grund. Die dienenden Raumschichten definieren die bedienten, fliessend verbundenen Haupträume, welche sich jeweils auf einer der beiden Aussenseiten strukturell nach aussen öffnen, und zwar pro Geschoss alternierend. Dieses Prinzip wird im ganzen Haus verfolgt und führt zu einer kohärenten, in Sichtbeton gegossenen monolithischen Gesamtstruktur. Den Bewohnern steht eine Vielzahl von scheinbar gleichen Zimmern zur Verfügung. Anhand von Ausrichtung, Besonnung und Erschliessungsdispositiv wird den Räumen beziehungsweise Raumgruppen ihre spezifische Nutzung zuteil. Das Raumerlebnis im Innern wird bestimmt durch die diagonalen Sichtbezüge und die unmittelbare Präsenz des Aussenraumes über die raumgrossen, rahmenlosen Glasscheiben. Die Industrieschalung verleiht der Sichtbetonfläche eine nahezu glänzende Oberfläche. Zusammen mit den fassadenbündigen Ganzglasfenstern ergibt sich eine entmaterialisierte, ambivalente Oberfläche, welche dem Gebäude einen gewollt unnahbaren Ausdruck verleiht. Tagsüber wird dieser Effekt durch die Spiegelung der Umgebung in den Fenstern verstärkt. Nachts hingegen, bei Kunstlicht, sind die Öffnungen als konsequente Raumabdrücke der inneren Struktur ablesbar.

Credits: Lucas Peters
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