Architektur zwischen heute und morgen – Das Ex-MOF-Gebäude in Ferrara

Annika Freese Annika Freese
Google+
Loading admin actions …

Im März wurde ein Architekturwettbewerb entschieden, in dem es um die neue Nutzung des ehemaligen Mercato Ortofrutticolo – kurz eben Ex-MOF genannt – ging. Das alte Gebäude mit der charakteristischen Turmuhr diente einst als Obst- und Gemüsemarkt. 1936/37 zu diesem Zweck in der typischen Mischung aus Modernität und  Moderne der Mussolini-Jahre errichtet, zog der Großmarkt jedoch in den achtziger Jahren um und das Gebäude  lag seitdem brach. Doch nun soll damit Schluss sein: Die Architektenkammer der Provinz Ferrara wird im Ex-MOF eine neue Bleibe finden und das gesamte Gebäude als urbanes Zentrum nutzbar machen und damit deutlich aufwerten.

Wir stellen hier die Pläne vor, welche die Gewinner des Wettbewerbs – Q.B.Atelier+FèRiMa – für die Sanierung dieses geschichtsträchtigen Gebäudes haben.

accessibilità, flessibilità, valorizzazione

Der Entwurf des jungen Architekturbüros QBatelier und Férima wird dominiert von den drei Konzepten Zugänglichkeit, Flexibilität und In-Wert-Setzen

Die innere Zugänglichkeit soll künftig durch barrierefreie Wege und andere Erschließungselemente wie Rampen und Aufzüge gewährleistet werden. Die äußere Zugänglichkeit wird vor allem durch das öffentliche Nutzungskonzept realisiert – das Gebäude soll für die städtische Bevölkerung nutzbar werden.

Verschiedene Nutzungskonzepte

Die drei verschiedenen Nutzungselemente – die Büros der Architektenkammer, das Urbane Zentrum mit Räumen für Workshops und schließlich eine Bar – sollen mit getrennten Eingängen zugänglich gemacht werden. Auf diese Weise  wird der unterschiedliche Bezugsrahmen verdeutlicht und dennoch durch die Beheimatung in einem Gebäude eine gewisse Zusammengehörigkeit vermittelt. Im Turm soll ein vertikaler Ausstellungsraum entstehen, wo kleinere Messen oder Werkschauen stattfinden können.

Historische Bezüge

Das Gebäude war einst ein Großmarkt für Obst und Gemüse. Der Entwurf für die Sanierung versucht die Substanz des Gebäudes so wenig wie möglich anzutasten und stattdessen funktionale und reversible Lösungen zu finden, die den historischen Wert des Hauses herausarbeiten. Hier sehen wir ein Rendering der Eingangshalle, wo der historische Bezug mit einem großen Wandfresko verdeutlicht wird. 

Bar und Bücher

Das neue Ex-MOF  wird auch ein Literaturcafé beherbergen. Hier ist der Plan, ein integriertes Bücherregal als Tresen zu benutzen und so die Idee eines Lesecafés auch optisch zu unterstützen und gleichzeitig Platz zum Ausstellen und Präsentieren von Büchern und anderen Objekten zu schaffen.

Multifunktionale Halle

Der größte Raum im Eingangsbereich des Ex-MOF – die Halle – soll verschiedenen Nutzungszwecken dienen – einerseits als lichter Eingangsbereich, andereseits als Ort für multimediale Präsentationen und Versammlungen. Zu diesem Zweck ist es notwendig, dem Raum mithilfe seiner Ausstattung eine gewisse Dynamik zu verleihen, die es erlaubt, ihn bedürfnisgerecht zu konfigurieren. Im Entwurf wird diese Idee realisiert durch ein dunkles Volumen auf der Eingangsseite, das sich bei Bedarf komplett schließen lässt und so die notwendigen Lichtverhältnisse schafft.

Ausstellungsraum

Die Halle soll – ebenso wie der Turm – auch für Ausstellungen nutzbar gemacht werden. Hier sehen wir ein weiteres Fresko, das in der Halle entstehen soll und mit dem Tradition und Kultur der Region in den modernisierten Bau integriert werden. Sehr schön zeigt sich in diesem Rendering, wie flexibel die Nutzung der Halle konzipiert ist, was vor allem durch die Wahl sparsamer und wirksamer Einrichtungselemente erreicht wird.

Transparenz in der Bibliothek

Durch die Verwendung von Polycarbonat als Material für die Trennwand zwischen Bibliothek und Büros und dem Gang in der ersten Etage erreicht man optimalen Schallschutz und gleichzeitig eine beeindruckende Transparenz, die Licht hindurchlässt und eine offene und lebendige Atmosphäre schafft.

Flexible Nutzung

Eine besonders innovative Idee innerhalb der Neugestaltung des Ex-MOF ist die flexible Nutzung einer Vielzahl der Räume. Je nach Bedarf sollen beispielsweise Büroräume zu Lesesälen, die Bibliothek zum Meetingzimmer oder die Eingangshalle zum Kino werden können. So möchte man sicherstellen, dass sich eine lebendige Dynamik in dem Haus entwickelt.

Licht im Flur

Die Transparenz der Polycarbonatwand zwischen Büroräumen und Bibliothek hat noch mehr Vorteile: Sie lässt das Tageslicht aus den Räumen bis in den Flur gelangen und trägt so zu verantwortungsvollem Umgang mit Lichtenergie bei.

Neues Urbanes Zentrum

Der Ex-MOF kann nicht losgelöst von seiner historischen, kulturellen und physischen Landschaft betrachtet werden. Die Idee hinter dem Projekt ist ganz klar erkennbar: Das Haus soll wieder zu dem lebendigen Ort gemacht werden, der es füher einmal war. Ein gemischtes Nutzungskonzept mit Ausstellungsräumen, Büros, Bibliothek, Terrassen und auch einladenenden Außenbereichen ist ein sehr vielversprechendes Konzept, um das Projekt mit dieser Intention zum Erfolg zu führen.

VIO 302 - Terrasse:  Terrasse von FingerHaus GmbH

Sie suchen einen Architekten? Schreiben Sie uns! Wir helfen Ihnen gerne.

Nach passenden Wohnideen stöbern