Graues Einfamilienhaus von Ben van Berkel

Elisabeth Liebing Elisabeth Liebing
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Das niederländische Architekturbüro UNStudio wurde im Jahr 1988 von Ben van Berkel und Caroline Bos gegründet und hat sich auf Architektur und Städtebau spezialisiert. Der Name UNStudio steht für United Network Studio und meint einen Zusammenschluss aus internen und externer Spezialisten aus den Bereichen Architektur, Grafik Design und Konstruktion. Die vielen Facetten des Fachbereichs lassen, wie es das Büro immer wieder beweist, ein stimmiges und funktionierendes Ganzes entstehen.

Im Jahr 2009 eröffnete das erfolgreiche Büro UNStudio auch in Shanghai ein Büro. UNStudio Asien steht im kontinuierlichen Austausch mit UNStudio Amsterdam und beide sind fest miteinander verbunden. Das Büro weist eine Vielzahl internationaler Projekterfahrung auf und hat seine Fähigkeiten kontinuierlich mit internationalen Beratern und Partnern unter Beweis gestellt. Mit bereits über siebzig Projekten in Asien, Europa und Nordamerika hat das Studio eine globale Präsenz und arbeitet stetig an der Erweiterung seiner Standorte. 

Wir möchten euch heute das jüngste Projekt von UNStudio. Das Haus sollte als Experimentierfeld für große Architektur dienen. Da man innovative Ideen und Strategien in einem kleinerem Maßstab einfacher und kostengünstiger umsetzen kann, wurde an dem kleinen Einfamilienhaus für zukünftige Projekte sozusagen geprobt. Entstanden ist ein überaus modernes Haus, das durch seine puristische Formensprache und die Farbenspiele überzeugt.

Gliederung des Gebäudes

 Häuser von UNStudio
UNStudio

Möbius House

UNStudio

Das Haus wurde auf einem etwa vier Hektar großen Grundstück gebaut und befindet sich absolut ländlich gelegen außerhalb der holländischen Hauptstadt Amsterdam. Eingebettet zwischen Hügeln und einem alten und verwilderten Baumbestand schimmert das Gebäude zwischen den Bäumen hervor.

Zentrum des Erdgeschosses ist die Garage. Denn da das Grundstück so weit außerhalb liegt, stellt das Auto einen enorm wichtigen Faktor dar und wurde unmittelbarer Mittelpunkt des Hauses. Das Gebäude gliedert sich in zwei Einheiten, die ihre ganz eigene Bahn verfolgen. Die bauliche Struktur, die auf dem Möbius-Band basiert, erlaubt nahezu stützenfreie Räume, die das barrierefreie Ineinanderfließen der Räume kreiert. Prägnant sind die zwei verwendeten Baumaterialien Glas und Beton. Das Außen kehrt sich nach Innen und umgekehrt, so soll der Effekt des Möbius-Bandes imitiert werden. Die Betonkonstruktion wandelt sich von der Außenfassade zur Möblierung und die Glasfassade wendet sich von der Trennwand zum Innenraum. Die grüne Beschichtung der raumhohen Doppelverglasung filtert das rote Sonnenlicht von draußen und lässt die Grenzen verschwimmen.

Definition: Möbius-Band

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Möbius House

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Ben van Berkel befand das Möbius-Band als die beste Lösung für den Entwurf des Hauses und wollte der Form besonders gleichkommen. Im Möbius-Band wird die Idee der Endlosigkeit von Raum und Zeit grafisch und mathematisch veranschaulicht. Ein Möbius-Band stellt eine zweidimensionale Struktur dar, die nur eine Kante und eine Fläche hat. Sie ist nicht orientierbar, das heißt, man kann nicht zwischen unten und oben oder zwischen innen und außen unterscheiden.

Raumprogramm Idee

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Möbius House

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Da Ben van Berkel das Möbius-Band stark in den Entwurf einbezog, gehen das Raumprogramm und die Erschließung fließend ineinander über. Es gibt keinen Anfang, kein Ende und keinen zentralen Punkt, an dem man sich orientieren soll, da die Räume ineinander greifen sollten. Im Zentrum stehen hier nicht die Räume, denen man sich anpassen muss, sondern die Bewohner des Hauses, denen sich die Räume anpassen. Das Familienleben, die verschiedenen Abläufe des Berufes, das gesellschaftliche Leben und die private Ruhezeit sind innerhalb der Schleifenstruktur miteinander verwoben. Die Dynamik eines aktiven Tages folgt dem Schema, nach dem eine Familie in einem Gebäude zusammen lebt. Neben kommunikativen Räumen gibt es ebenso private Rückzugsorte, die durch die Schleife zu getrennten Wegen führen und wieder zusammenführende Pfade konzipieren.

Die Bewohner im Zentrum

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Möbius House

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Ben van Berkel setzte sich genau mit dem Grundriss des Hauses auseinander und plante alle Eventualitäten mit ein. Neben den klassischen Bedürfnissen eines herkömmlichen Raumprogrammes bezog er den Tagesablauf der Bauherren in den Entwurf mit ein, der einen ausschlaggebenden Einfluss auf die Raumfolge hatte. Die funktionalen Bedürfnisse der Bauherren wurden gemessen und sämtliche Aktivitäten eines genormten Tages wurden bei der Planung berücksichtigt. Das bedeutet: Wann steht der Bauherr auf? Welchen Raum betritt er nach dem Aufstehen zuerst? Folgt die Küche oder das Bad? All diese Punkte wurden akribisch in stetigem Austausch ausgearbeitet und flossen in die Planung ein. So wurden als erste Annäherung die Tagesabläufe der Familie sowie deren Bewegung im Haus innerhalb eines 24-Stunden-Zyklus in ein Diagramm übertragen. Nach der Auswertung dieser lokalen und temporären Aufzeichnungen, bemühte sich Ben van Berkel zusätzlich, die umgebende Landschaft des Hauses auch im Inneren spürbar zu machen. Eine lange und aufwendige Suche nach einer passenden Struktur, die Raum, Zeit, Bewegung und den Ort  zu einem Ganzen verknüpfen sollte begann. Es sollte ein Haus entstehen, das mehr zu bieten hatte als das heute übliche durchschnittliche Einfamilienhaus, in dem nur die Nacht und Teile der Freizeit verbracht werden. 

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