U-Bahnhöfe in Berlin

Elisabeth Liebing Elisabeth Liebing
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Wer in Berlin wohnt, wird die folgenden Bilder sofort erkennen und mit dem Gesehenen sicherlich ganz spezielle Gefühle verknüpfen. U-Bahn-fahren, das bedeutet für die meisten Stress, seltsame Gerüche, komische Menschen, aber auch eine schnelle Verbindung im Stadtnetz. Gleichzeitig bringt uns die U-Bahn nahezu im Minutentakt näher ans Ziel. Dennoch laufen wir an den urbanen Architekturplätzen einfach vorbei und beachten sie kaum, weil sie zur Gewohnheit geworden sind. 

Tagtäglich werden 1,3 Millionen Menschen durch das Berliner U-Bahn-Netz geschleust. Bereits im Jahr 1902 wurde zwischen den Haltestellen Warschauer Straße und Zoologischer Garten die erste U-Bahnlinie Deutschlands eingeweiht. Heute fasst das Berliner U-Bahnnetz 173 Bahnhöfe. 

Die Fotografin Annika Feuss hält U-Bahn-Momente und architektonische Gegenstände fest. Sie schuf die Serie Unter Berlin, fing die urbanen und dreckigen Plätze mit ihrer Kamera ein und fokussierte sich gänzlich auf die pure Gestalt der U-Bahn-Schächte. Schmutz, Müll, Graffitis und andere Elemente werden in der Postproduktion beseitigt, um die Formen und Farben in ihrer ganzen Strenge wirken zu lassen. Annika Feuss dokumentiert dadurch einen zu Unrecht kaum beachteten Architekturtypus, der über hundert Jahre deutsche Architekturgeschichte repräsentiert. Meistens geschieht es nachts, dass Annika Freuss das schlummernde Potenzial erkennt und das Gesehene dann an die Oberfläche bringt, um dem Alltäglichen und dem Trubelhaften zeitlose Stille und Ästhetik einzuhauchen.

Deutsche Oper

Kaum zu glauben ist, dass die U-Bahnstation der Deutschen Oper bereits vor über hundert Jahren, genauer gesagt am 14.05.1906, eröffnet wurde. Die Station trug einst den Namen Bismarckstraße. Innerhalb dieser vielen Jahrzehnte hat sich einiges getan. Gestaltet wurde der viergleisige Bahnhof von dem Architekten Alfred Grenander. Prägnant war bei dem Entwurf die Planung der Oberlichter, die den U-Bahnschacht mit natürlichem Tageslicht versorgen. Die Wände wurden von kleinteiligen, grauen Fliesen geziert. Während des zweiten Weltkrieges erlitt der U-Bahnhof kaum Schäden. Der U-Bahnhof hatte bis dato bereits zweimal seinen Namen geändert. Am 24. September 1961, zwei Tage nach der Fertigstellung, der im Krieg völlig ausgebrannten Oper, erhielt die Station den heutigen Namen Deutsche Oper. Im Jahr 1983 ließen die Berliner Verkehrsbetriebe den Bahnhof unter weniger denkmalschutzgerechten Aspekten modernisieren. Die einstigen grauen Fliesen wurden entfernt und gegen gelbe und weiße ausgetauscht. Zudem ließ die BVG die Decke abhängen und installierte eine neue Beleuchtungsanlage. Nach einem Brand während der Love Parade, bei der einige Personen verletzt wurden, erlitt die Station große Schäden. Die BVG besann sich, stellte den ursprünglichen Zustand wieder her und errichtete einen zusätzlichen zweiten Rettungsweg.

Westhafen – Bahnhof der Menschenrechte

Wer an dieser U-Bahn Station steht, kann sich die Wartezeit damit vertreiben, indem er die vielen Versalien aneinanderreiht und den Text liest. Weißer Grund und schwarze Schrift, werden durch eine Bordüre begrenzt, die sowohl oben als auch unten verläuft. 

Im Jahr 2000 wurde der U-Bahnhof nach Plänen von Françoise Schein und Barbara Reiter im Rahmen des Projektes „INSCRIRE – die Menschenrechte schreiben“ komplett umgestaltet. Die Fliesen erinnern an ein Scrabble-Spiel: Jede Fliese hat einen Buchstaben und zusammengefügt ergeben sie Zitate aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. 1992 wurde der U-Bahnhof in Westhafen umbenannt. Im höherliegenden Eingangsbereich wird die Wand von deutschen und französischen Zitaten des Schriftstellers Heinrich Heine geschmückt. Neben dem U-Bahnhof Westhafen wurden auch einzelne Stationen folgender europäischer Städte in einem ähnlichen Schema gestaltet: Brüssel, Lissabon, Paris und Stockholm.

Konstanzer Straße

Das farbliche Design der Konstanzer Straße bedient sich zweier Farben des Stadtwappens der namensgebenden Stadt Konstanz. Die ausgedehnten horizontalen Linien sollen die Geschwindigkeit der U-Bahn symbolisieren. Dieser U-Bahnhof wurde von dem deutschen Architekten Rainer G. Rümmler gestaltet. Der Baubeamte gestaltete eine Vielzahl der U-Bahnhöfe in Berlin. Rümmler war bekannt dafür, dass er beim Bau von U-Bahnhöfen das Einzelbauwerk in den Vordergrund stellte. Der Architekt fokussierte sich bei der Planung oftmals auf das Umfeld oder den Stationsnamen, stellte diesen in den Mittelpunkt und leitete daraus die spätere Gestaltung ab. Man kann sehr gut sehen, dass dies bei seinen ersten Entwürfen noch sehr dezent erfolgte, wie am Bayerischen Platz, wo er die Wände in Anlehnung an die bayerischen Landesfarben mit blauen und weißen Patten verkleiden ließ. Ab dem Jahr 1980 wurden die Entwürfe immer pompöser und wurden von viele Kritikern zerrissen. Viele Menschen bemängelten, dass die eigentliche Funktion des U-Bahnhofes teilweise völlig in den Hintergrund treten würde und die Gestalt mehr einer Theaterkulisse gleichen würde als an einem Verkehrsbau. 

Hansaplatz

Der U-Bahnhof Hansaplatz gehört zur Linie U9 und liegt im Hansaviertel. Eröffnet wurde die Station am 28. August 1961. Der Entwurf des unterirdischen Bahnhofs stammt von Werner Klenke und Bruno Grimmek. Die gesamte Anlage steht unter Denkmalschutz. Anfang 2014 wurde am südlichen Ausgang eine Gedenktafel angebracht, die an die Deportation jüdischer Mitbürger erinnert. Für die Wandverkleidung wurden kleine, quadratische, grau-silber glitzernde Glasfliesen verwendet. Der Schriftzug wurde in einzelnen Lettern direkt auf die Fliesen montiert.

Osloer Straße

Die U-Bahn Station Osloer Straße befindet sich unter der Kreuzung Osloer, Tromsöer, Schweden- und Heinz-Galinski-Straße. In den Jahren 2003 und 2004 wurde die U-Bahn Station Osloer Straße im Ortsteil Gesundbrunnen saniert und erhielt ihr jetziges Gesicht. Die Gestalt der Wand imitiert die norwegische Flagge.

Die ehemals silbernen Metallplatten wurden gegen dunkelblaue Kunststofftafeln, die der Linienfarbe entsprechen, eingetauscht. Der Boden wurde mit Granitfliesen gestaltet und mit einem Blindenleitsystem versehen. Eine nahezu gleiche Sanierung erfolgte daraufhin beim U9-Bahnsteig; hier ließ die BVG die silbernen Metallplatten gegen dunkelrote Platten austauschen. Der Bahnsteig wurde am 30. April 1976 eröffnet und ist bis heute der Endbahnhof der Linie 9. 

   

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