Bauen mit Holz im Innen- und Außenraum

Elisabeth Liebing Elisabeth Liebing
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Holz ist ein wunderbares natürliches Material, das einem kaum gestalterische und konstruktive Grenzen aufzeigt. Tausende Sorten versprechen unterschiedlichste Anwendungsbereiche, die diverse Designs entstehen lassen können. Kein Material ist wohl so dankbar und lässt so viele Fehler zu. 

Wir machen heute mit euch einen kleinen Streifzug durch die verschiedensten Anwendungsbereiche von Holz und zeigen euch in welchen ungewöhnlichen Zonen Holz der beste Begleiter sein kann. 

Holz im Außenbereich

rustikale Häuser von Mayer & Selders Arquitectura
Mayer & Selders Arquitectura

Quinta H | Öko-Renovierung | Madeira

Mayer & Selders Arquitectura

Bauen mit Holz bedeutet nicht, dass das gesamte Gebäude aus dem natürlichen Werkstoff sein muss. Es können auch Akzente gesetzt werden, indem man nur einen Teil verschönert. Bei diesem konkreten Beispiel wurde bei der Renovierung eines alten Steinhauses auf Madeira die Erweiterung des ersten Geschosses mit einer Holzverkleidung versehen. Ziel war es, bei der Renovierung möglichst ökologische Baumaterialien zu verwenden. Das bestehende Haus wurde hierbei nur minimal verändert und für die Erweiterung wurden nachhaltige Materialien verwendet. 

Moderne Holzfassaden und vier unterschiedliche Varianten

Atelierhaus in Würzburg: skandinavischer Garten von Wolfgang Fischer Architektur
Wolfgang Fischer Architektur

Atelierhaus in Würzburg

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In den meisten Fällen denkt man bei einem Holzhaus an einen rustikalen Bau, weniger an ein modernes Gebäude. Hier zeigen wir das Gegenteil: ein wunderbares Atelierhaus, das im Inneren Wohnen und Arbeiten miteinander verbindet. 

Der Trend entwickelt sich immer stärker zu Holzfassaden, die durchaus eine moderne Gestalt an den Tag legen. Generell versteht man unter Holzfassadensystemen Gebäude, die mit Profilen und Platten aus Vollholz versehen sind. Die Holzblockfassade zählt zu der einzigen Gestaltungsform, die eine tragende Eigenschaft hat.  

Man kann vereinfacht in vier Sparten kategorisieren, die üblich für schmückende Holzfassaden sind:

Waagerechte Profile: Diese Form zählt zu einer der ältesten Varianten und ist in Deutschland vielerorts vertreten. Die Holzlatten werden horizontal angebracht. Diese Art geht auf die Blockbauweise zurück. Hier werden Baumstämme waagerecht aufeinander gestapelt und mit groben Werkzeugen wie einer Axt bearbeitet. 

Senkrechte Profile: Grundlage dieser Konstruktion stellen zunächst Bodenbretter dar, die mit einem gewissen Abstand aufgenagelt werden. Die dabei entstehenden Fugen werden durch eine zweite Lage, die sogenannten Deckbretter, überdeckt. Senkrechte Profile strecken das Haus optisch in die Höhe. Zu beachten ist bei dieser Konstruktionsweise ein Mindestabstand von 30 Zentimetern zum Erdreich, der das Fassadenkleid vor Spritzwasser und Schmutz schützt. Des Weiteren sollten die unteren Brettränder schräg zugeschnitten werden. So kann weniger Feuchtigkeit in die Fugen kriechen.

Schindeln: Diese Form der Fassadengestaltung findet sich besonders gerne in holzreichen und gebirgigen Regionen. Sie werden durch aufwendige Handarbeiten hergestellt. 

Flächige Fassaden: Ganz besonders häufig werden Platten in gewerblichen Bauten verwendet. Jedoch steht diese Form der Gestaltung unter Kritik, da durch die große Fläche ein geminderter Feuchtigkeitsausgleich des Holzes stattfinden kann, der zu einem permanenten Quellen und Schwinden des Materials führen kann. Besonders häufig tritt dieser Effekt bei Pressspanplatten auf, da der Verbund von Bindemittel und Holz stark durch die Witterungseinflüsse strapaziert wird. Spezielle Techniken mit UV-Licht und Holzschutzlasuren wirken negativen Außeneinflüssen entgegen und verlangsamen den Alterungsprozess. 

Außergewöhnliche Fassaden aus Holz

Ferienwerkstatt – Tumlingen: moderne Häuser von Jarcke Architekten
Jarcke Architekten

Ferienwerkstatt – Tumlingen

Jarcke Architekten

Wer sich für eine Fassade aus Holz entscheidet, dem bleiben dennoch schier unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten. Auch traditionelle Verarbeitungstechniken finden wieder Anklang. Bei diesem Beispiel wurde die Fassade mit Holzschindeln geschmückt. 

Der Naturbaustoff Holzschindel hat an Aktualität nichts eingebüßt und zeigt beste Schutzmechanismen gegen Wettereinflüsse an Wänden oder Decken. Schindelflächen können bei guter Pflege älter als 100 Jahre werden. Die Verwendbarkeit von Holzschindeln ist nicht nur auf den traditionellen-alpenländlichen Baustil zurückzuführen, sondern findet seinen Gebrauch ebenso in der modernen Architektur. Kreative Verlegetechniken in Kombination mit modernen Baumaterialien, wie zum Beispiel Beton oder Glas, ergeben faszinierende Kontraste, die im Einzelfall dem Gesamtbauwerk erst sein individuelles Gesicht liefern. Neben gestalterischen und qualitativen Vorteilen bieten Holzschindeln zusätzlich einen baubiologischen Schutz. 

Verwendung von Holz im Terrassenbereich

Holz im Bereich der Terrasse zu verwenden, ist eine logische Konsequenz. Denn das natürliche Material findet hier bestens Verwendung und fügt sich glänzend ein. Es gibt eine unendlich große Auswahl unterschiedlicher Hölzer, die sich für den Außenbereich eignen. Um euch einen Überblick zu verschaffen, haben wir die beliebtesten zusammengefasst. 

Kiefernholz: Das heimische Nadelgehölz Kiefer findet besonders viel Anklang in deutschen Haushalten und Außenräumen, da es durch eine umweltverträgliche Tiefenimprägnierung gegen alle Witterungseinflüsse widerstandsfähig und lange haltbar ist. Der natürliche Schutz liegt im sogenannten Kernholz, denn hier verfügt das Holz über mehr Harz, sodass Schädlinge das Material meiden. Kiefer ist vergleichsweise günstig und kostet pro Quadratmeter etwa 30 Euro. 

Bangkirai: Der Exot unter den beliebten Hölzern kommt aus Asien. Etwa 20 bis 25 unterschiedliche Baumsorten dürfen unter dem Namen Bangkirai-Holz geführt werden. Das Hartholz hat durch die ätherischen Öle einen natürlichen Schutz, der vor Pilz- und Schimmelbefall bewahrt. Die Optik des Tropenholzes ist breit gefächert und reicht von hellbraun bis rötlich. Beim Kauf sollte man unbedingt auf das FSC-Siegel achten. Dies ist ein Zeichen für nachhaltige Forstwirtschaft und sozial gerechte Herkunft. Für das hochwertige Holz muss man ein wenig tiefer in die Tasche greifen, der Quadratmeter kostet ca. 70 Euro. Im Übrigen ist darauf zu achten, dass man sich von einem Fachhändler seines Vertrauens beraten lässt, da es in den letzten Jahren vermehrt zu Verwechslungen des Holzes kam. 

Bambus: Bambushölzer sorgen für ein ganz spezielles Flair. Größter Vorteil ist der ökologische Faktor. Denn die Pflanze gehört zu einer schnell nachwachsenden Art und erfüllt so eine positive Ökobilanz. Der honiggelbe Farbton entsteht durch ein spezielles Dämpfungsverfahren. Der Quadratmeter kostet ca. 40-60 Euro.

Lärche: Diese Art zählt zu einem der härtesten Nadelhölzern. Prägnant ist die Farbgebung des Lärchenholzes. Wird das Holz nicht behandelt, ergraut es mit der Zeit und präsentiert sich von einer eher untypischen Kolorierung. Natürlich kann man dem Grauschleier auch entgegenwirken und das natürliche Material regelmäßig einem Anstrich unterziehen, sodass der gewohnte, warme hellbraune Holzton mit der schönen Maserung zu erkennen ist. Gerade für Einsteiger bietet dieses Holz viele Vorteile, da es besonders robust und für etwa 40 Euro pro Quadratmeter relativ erschwinglich ist.

Eiche: Das bekannteste und wohl auch teuerste Gehölz ist die Eiche, die zu den Königen unter den Hölzern zählt. Eiche verfügt über die besten Eigenschaften und kommt auch ohne Imprägnierung aus. Die Färbung des Holzes kann einen grünlichen Schimmer aufweisen, der prägnant für das Holz ist. Der Preis pro Quadratmeter beträgt in etwa 125 Euro.

Thermoholz: Viele Hölzer können durch eine spezielle Hochtemperaturbehandlung von einigen Vorteilen profitieren, sodass auch Hölzer, die nicht unbedingt für den Außenbereich geeignet sind, auch hierfür verwendet werden können. So wird die Dauerhaftigkeit erhöht, die gegen Pilzbefall und Witterungseinflüsse schützt. Neue Farbtöne können erzeugt werden, die von einem warmen Braunton bis zum Schwarz reichen.

Holz im Badezimmer

Mehrfamilienhaus in Bern:Totalsanierung und Erweiterung: moderne Badezimmer von Quadrat AG
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Hartnäckig hält sich das Vorurteil, dass Holz in Nassbereichen nichts zu suchen hat. Wir wollen heute versuchen, diesen Irrtum aus der Welt zu schaffen. Grundsätzlich muss natürlich gesagt werden, dass der direkte Kontakt mit Wasser über einen längeren Zeitraum natürlich vermieden werden sollte. Kurzfristig einwirkendes Spritzwasser und erhöhte Luftfeuchtigkeit stellen allerdings kein Problem dar. Holz kann sogar Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben, was sich positiv auf ein gesundes Raumklima auswirkt. Tropfende Wände, wie sie bei Fliesen oftmals zu beobachten sind, treten bei Holz nicht auf. Ein weiterer Vorteil ist die antibakterielle Wirkung, die sich nicht nur auf der Oberfläche zeigt, sondern gerade im Kern verborgen ist. 

Reinigung von Holzoberflächen:

Die Säuberung von Wänden, Fußböden und Badewannen von Holz ist denkbar einfach. Hier genügt es, mit einem feuchten Lappen über die Oberflächen zu wischen. Um einen optimalen Schutz zu erlangen, kann das Holz etwa zwei mal pro Jahr mit einem Hartwachsöl eingerieben werden. So wird verhindert, dass eindringendes Wasser das natürliche Material zum Aufquellen bringt. 

Richtig Hinterlüften!

Wenn die Wahl im Badezimmer auf Wände und Decken aus Holz fällt, ist bei der Konstruktion dringend darauf zu achten, dass diese ausreichend hinterlüftet werden, um die Bildung von Kondenswasser zu vermeiden.  

Welche Holzarten eignen sich für das Badezimmer? 

Man spricht hier von ruhigen Hölzern. Diese müssen zwei Eigenschaften erfüllen: Zum einen dürfen sie nicht auf starke Feuchteschwankungen reagieren und zum anderen sollte der Gerbsäureanteil gering sein. Ist dieser nämlich zu hoch, kann es sein, dass das Holz seine Farbe abgibt. So kann es zu unschönen Farbflecken auf Textilien kommen.

Die folgenden Holzarten eigenen sich bestens:

Ahorn kanadisch, Birke finnisch, Birke kanadisch, Buche, Douglasie, Erle, Esche, Fichte, Kiefer, Kirsche, Lärche,  Pinie, Teak, Walnuss.

Innenausbau mit Holz

minimalistische Häuser von Beriot, Bernardini arquitectos
Beriot, Bernardini arquitectos

Refugio PUERTO DE NAVACERRADA. Madrid

Beriot, Bernardini arquitectos

Was noch vor wenigen Jahren verpönt und altbacken gewirkt hat, ist nun wieder hochmodern und feiert ein Comeback. Die Rede ist von Holzverkleidungen der Wände im Innenbereich. Hier wurde ein Fenster akzentuiert und durch Holzverkleidungen in den gestalterischen Mittelpunkt gerückt. Der Raum wurde nicht gänzlich verkleidet und wirkt so dennoch hell. Durch die prägnante horizontale Ausrichtung des Bodens und der Decke wird der Bereich künstlich in die Länge gezogen. Der warme Honigton schenkt der Zone Gemütlichkeit und lässt skandinavisches Flair einkehren.  

Holz in der Küche

In vielen Gebäuden bildet die Küche den unmittelbaren Mittelpunkt des Wohnens, daher ist es unabdingbar, auf Materialien zurückzugreifen, an denen man lange Freude hat und die für ein wohnliches Raumklima sorgen. Holz bietet sich daher für Küchen besonders gut an. Generell eignen sich alle Holzarten für die Verwendung in der Küche. Besonders beliebt sind jedoch Eiche und Nussbaum, weil sie zu den besonders harten Hölzern zählen, allerdings auch zu den teuersten. Eine Regel besagt, dass man unterschiedliche Hölzer nicht miteinander mischen sollte, da sie einen Raum sonst zu unordentlich und aufwühlend wirken lassen. Wir finden allerdings, dass dieser Leitlinie nicht zuviel Beachtung geschenkt werden sollte und man durchaus Experimente wagen darf. 

Arbeitsplatte

Arbeitsplatten aus Holz? Davon raten wir besser ab, da die Küchenarbeit mit feuchten Lebensmitteln ihre Spuren selbst auf hartem Holz hinterlässt. Da Holz ein natürlicher Werkstoff ist, nimmt es die entstehende Flüssigkeit gerne auf. So kann zum Beispiel Fruchtsäure zu Flecken führen. Bündige Einbauten können nicht passgenau eingesetzt werden, weil das Naturmaterial arbeitet und an Kanten Quellschäden entstehen können. Wer trotzdem nicht darauf verzichten will, sollte zum Arbeiten ein Schneidbrett nutzen und darauf achten, dass Kochfeld und Spüle auf der Arbeitsplatte aufliegen und die Kanten gut versiegelt sind. Der Wasserhahn sollte an der Wand montiert werden. So bildet sich keine Staunässe. 

Verwendung von Holz im Innenraum

Admonter im Falkensteiner Hotel Schladming:  Wände & Boden von Admonter Holzindustrie AG
Admonter Holzindustrie AG

Admonter im Falkensteiner Hotel Schladming

Admonter Holzindustrie AG

Holzdielen gelten als empfindlicher als Fliesen. Sie reagieren auf Wärme, Feuchtigkeit und Licht. Für eine Fußbodenheizung sind sie nur bedingt geeignet. Allerdings haben sie den großen Vorteil, auch ohne externe Wärmequelle, Wärme auszustrahlen, zur Förderung eines gesunden Raumklimas beizutragen und Behaglichkeit zu vermitteln. 

Pflege von Hölzern im Innenraum: Als Schutz eignen sich Öle und Hartwachse. Spezielle Seifen im Wischwasser schützen die Oberfläche bei jeder Reinigung aufs Neue.

Welche Holzsorte gefällt euch am besten? Hinterlasst uns einen Kommentar!
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