Interior-Designerin Conni Kotte im Interview

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Interior-Designerin Conni Kotte ist dafür bekannt, besonders individuelle Lebensräume zu kreieren, die stets die Persönlichkeit der Bewohner widerspiegeln. So mixt sie gerne moderne Möbel mit ausgewählten Vintage-Accessoires oder zweckentfremdet Materialien ihres typischen Ursprungs. Egal, ob sie sich nun privaten Wohnungen oder Designhotels wie dem Hamburger 25hours widmet, immer geht Conni Kotte auf die Bedürfnisse ihrer Auftraggeber ein. Weil sie früher außerdem als Ausstatterin beim Film gearbeitet hat, weiß sie, wie man Räume bestmöglich inszeniert und verrät im Interview, mit welchen Tricks man sogar in kleinen Wohnungen große Effekte erzielen kann. Die Interior-Designerin über ihren Job, gewisse Parallelen zum Film und, warum sie sich selbst als Trüffelschwein bezeichnet.

​Frau Kotte, bei ihren Projekten gehen Sie immer sehr stark auf Ihren jeweiligen Auftraggeber ein. Inwiefern lernen Sie die Menschen, für die Sie arbeiten vorher kennen?

Sidetable - still life: ausgefallene Wohnzimmer von Conni Kotte Interior
Conni Kotte Interior

Sidetable – still life

Conni Kotte Interior

Es gibt natürlich solche und solche Kunden. Für mich persönlich sind ebenjene Kunden eine Inspiration, die mir nicht nur einen Auftrag erteilen und das Budget vorgeben, sondern sich vielmehr mit einbringen möchten. Ich kann natürlich auch einen Raum inszenieren, wie er sich in meinem inneren, visuellen Kino darstellt. Aber es geht ja nicht darum, meinen Raum zu inszenieren, sondern dies eben für andere Menschen oder eine andere Firma zu tun – genau das ist die Herausforderung. 

Wenn ein Raum speziell und besonders ist, hat das auch immer etwas mit dem Gegenüber zu tun

Mein Team und ich machen ja im Prinzip nichts anderes als in eine Zauberkiste zu greifen und Sachen hochzuhalten. Wir erstellen erstmal die Vision, egal welche Aufgabenstellung sie hat und dann gucken wir, was uns dazu dienlich ist. Also entweder kaufen wir das oder bauen das und zeigen einfach mal andere Sachen als üblich – aber das hat immer auch mit dem Geschmack des Gegenübers zu tun. Ich kann nur so gut arbeiten, wie der Auftraggeber es zulässt.

Was gefällt Ihnen persönlich besser: Wenn der Auftraggeber konkrete Vorstellungen hat oder nur grobe Richtlinien vorgegeben sind?

Kutscherhaus / Diningroom: ausgefallene Wohnzimmer von Conni Kotte Interior
Conni Kotte Interior

Kutscherhaus / Diningroom

Conni Kotte Interior

Was die Visualisierung betrifft, gibt es ja so viele Antworten. Ich schreie nur dann laut auf, wenn man Dinge zusammenbringen will, die sich gegenseitig nicht gut tun. Dann fange ich an, dafür bzw. dagegen zu kämpfen! Dann sage ich auch offen, dass es nicht passt – aber erkläre auch warum. Ich supporte eigentlich viel. Darin sehe ich auch meine Aufgabe: Meine Kunden zu unterstützen. Wenn jemand trotzdem wieder darauf zurückkommt, dann soll es so sein! Mir ist es einfach wichtig, dass Kunden, sobald ein Projekt zu Ende ist, niemals denken: “Ach, hätte ich doch nur!” . Alles in allem gibt es kein Bauprojekt, bei dem man keine Kompromisse eingehen muss – ganz unabhängig vom Geld. Aber ich finde, wenn jemand nach fünf Jahren durch einen Raum geht, der von mir umgestaltet wurde, dann muss er auch dann noch sagen können: “Wie geil ist diese Lampe?!’.  Das Ergebnis meiner Arbeit muss bei dem Kunden einfach einen Herzsprung machen! Und das kann auch bedeuten, dass man wieder alles über den Haufen werfen muss… Denn manchmal bekomme ich plötzlich eine Idee und da wäre es eine Sünde, wenn ich diese nicht äußern würde! Der Kunde kann dann ja immer noch sagen, dass er lieber bei der vorherigen Idee bleibt.

​Wie genau kann man sich Ihren Arbeitsablauf vorstellen?

Maisonette Wohnung /  The View: koloniale Wohnzimmer von Conni Kotte Interior
Conni Kotte Interior

Maisonette Wohnung / The View

Conni Kotte Interior

Die Leute kommen auf uns zu, sprechen uns an und dann redet man über Budgetvorstellungen. Da sage ich auch ganz klar, dass es eine bestimmte Untergrenze gibt. Denn ich habe ja ein Team und kann auch nur so gut sein wie mein Team. Der Kunde gibt also ungefähre Vorstellungen ab und wir machen einen Vorschlag für eine Präsentation. Da gibt es alles von einer 3D-Visualisierung bis zu einer kleinen Präsentation, bei der man Pappen mit Stimmungsfotos beklebt – sogenannte Moodboards wie beim Film. Viele Leute können sich das alles ja gar nicht vorstellen, deshalb sollte man bei einer Präsentation nie kleinlich sein! Das ist natürlich ein anderer Kostenrahmen und je besser man etwas vorher plant und je toller die Vorstellungskraft ist, desto schöner wird es später, wenn die Entscheidungen gefällt sind.

​Sie haben ja das 25hours Hotel in Hamburg designt. Wie unterscheidet sich die Arbeit zwischen einem Hotel und einem Wohnhaus?

25hour / Clubroom:  Hotels von Conni Kotte Interior
Conni Kotte Interior

25hour / Clubroom

Conni Kotte Interior

Ehrlich gesagt, gibt es da für mich keinen großen Unterschied. Es gibt ja immer eine Aufgabenstellung – ob da nun private Menschen auf mich zukommen, mir von ihren Bedürfnissen erzählen und dem ungefähren Stil, den sie mögen oder, ob ein Hotel inszeniert werden muss. An diese Basis muss ich mich halten: Wenn jemand beispielsweise einen industriellen Stil mag, kann man ihm ja nicht mit Hollywood-Glamour kommen.

​Wie schaffen Sie die persönliche Note in Ihren verschiedenen Projekten?

The George Hotel / Clubroom:  Hotels von Conni Kotte Interior
Conni Kotte Interior

The George Hotel / Clubroom

Conni Kotte Interior

Wir führen Gespräche. Das sind meistens zwei bis drei Meetings und da ist es auch egal, wo derjenige lebt. Wir schicken dann beispielsweise die Atmosphäre einer Küche per Datei oder zeigen sie dem Kunden in physischer Form und da findet man schnell raus, wo die Leute aufblitzen – da kann man dann in die Tiefe gehen. Ich sage den Leuten auch oft, sie sollen die Augen zu machen und auf ihre Stimmung hören. Man kann ja nur eine bestimmte Emotion empfinden, nicht zehn gleichzeitig.

Woher beziehen Sie selbst Ihre Inspiration?

Kutscherhaus / Livingroom: ausgefallene Wohnzimmer von Conni Kotte Interior
Conni Kotte Interior

Kutscherhaus / Livingroom

Conni Kotte Interior

Heute ist das ja ganz einfach durch das Internet. Aber Kreativität ist etwas, wofür ich mich nicht anstrengen muss. Das ist etwas, was ich einfach habe. Ich bin immer auf Suche! Wenn ich nicht schlafen kann, treibe ich mich auf irgendwelchen Blogs herum. Ich nehme ständig auf, aber das strengt mich nicht an. Manchmal sehe ich etwas und kann es dann später in einer neuen Konstellation anwenden.

Ich schnüffle viel in Secondhandläden

Wo finden Sie die ganzen Schätze?

Zahnarztpraxis / comeandrelax: tropische Wohnzimmer von Conni Kotte Interior
Conni Kotte Interior

Zahnarztpraxis / comeandrelax

Conni Kotte Interior

Ich schnüffle viel in Secondhandläden herum und bin zu 360 Grad offen. Da kann Mode auch eine große Inspiration sein. Und es gefällt mir, Materialien nicht für das zu verwenden, wofür sie gedacht sind. Jetzt habe ich gerade jemanden gefunden, der in London Lederfliesen aus alten Gürteln herstellt. Wenn ich so etwas sehe, bin ich wie ein Saugnapf, da werde ich hyperaktiv!

​Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Design und Funktion?

Maisonette Wohnung / Bedroom: moderne Schlafzimmer von Conni Kotte Interior
Conni Kotte Interior

Maisonette Wohnung / Bedroom

Conni Kotte Interior

Design und Funktion sollten nicht voneinander getrennt sein. Es muss nicht alles bis ins letzte Detail Sinn machen, aber ich würde jetzt keine Küche entwerfen, die keinen Sinn hat nur aus rein optischen Gründen. Es gibt ja nicht nur eine Idee, sondern unendlich viele Möglichkeiten, etwas zu kreieren. Dann muss man sich eben so lange Mühe geben, bis die Dinge ihre Ästhetik behalten und trotzdem einen Sinn ergeben.

Inwiefern hat die Arbeit beim Film dabei geholfen?

25hours / Container :  Hotels von Conni Kotte Interior
Conni Kotte Interior

25hours / Container

Conni Kotte Interior

Beim Film gibt es zwei Bestimmer: In erster Linie ist das der Regisseur und zum anderen die Geschichte. Für mich ist aber immer schon die Geschichte der eigentliche Bestimmer gewesen. Die Parallele ist folgende: Lese ich ein Drehbuch, dann sind es die Bilder, die auf den ersten Seiten in mir auftauchen – die kommen nie mehr wieder. Und das ist der geilste Moment: So fresh, so unbedarft. Boom! Da läuft bei mir ein Film ab. Und genauso ist das mit einer Aufgabenstellung. Der Auftraggeber gibt mir Input und sagt zum Beispiel: “Kommen Sie mir bloß nicht mit Rüschen!” oder “Ich möchte es gerne üppig!” und ich realisiere die Dinge dann so, wie ich finde, dass sie gut miteinander harmonieren.

Man kann schlicht eingerichtet sein, wenn man sich mit den Accessoires Mühe gibt

Beim Film lernt man, Dinge aufzuspüren und so lange hartnäckig zu sein, bis man etwas auch wirklich bekommt – und wenn es noch so unrealistisch ist. Da sind mein Team und ich wie Trüffelschweine!

Ich frage meine Kunden dann auch gerne mal, wie es sich anfühlt, wenn sie in einen Raum kommen, welche Stimmung sie dann haben. So finde ich ihre Bedürfnisse heraus. Ich lasse sie ihren eigenen Film machen!

Wie lässt man kleine Räume optisch größer erscheinen?

Es gibt keine generelle Regel. Das ist wie im Fashionbereich: Zu sagen, welche Farbe einer bestimmten Person am Besten steht, ist Kokolores. Das Styling ist vielmehr entscheidend! Ich bin der Meinung, man kann jede Person in jeder Farbe stylen – es kommt eben auf den Kontext an. Es muss auch kein schlechter Stil sein, viel in enge Räume zu, ich sage jetzt mal bewusst, stopfen. Man kann auch einen vollen Raum stilvoll gestalten. Dabei muss man allerdings Geduld haben und lieber jahrelang warten, bis man das Bild der Bilder gefunden hat, anstatt sich einfach irgendetwas an die Wand zu hängen!

Haben Sie konkrete Tipps?

Corner of Silence: koloniale Wohnzimmer von Conni Kotte Interior
Conni Kotte Interior

Corner of Silence

Conni Kotte Interior

Grundsätzlich würde ich immer versuchen, eine homogene Bühne herzustellen, bei der ich dann an einzelnen Eckpfeilern Gas geben würde. Also Boden, Wand, Decke und Fensterrahmen in der gleichen Farbe zu gestalten und dann beispielweise einen High End Couture Stoff auf einen Lampenschirm zu ziehen. Man kann schlicht eingerichtet sein – wenn man sich mit den Accessoires ganz besondere Mühe gibt, kann man Raum in anderes Level heben, öffnet man andere Welten.

Ich habe generell den Ansatz, groß zu denken. Ich bin immer für Größe, egal wie groß der Raum ist. Eine große Lampe würde ich auch in eine 40 Quadratmeter-Wohnung hängen. Grundsätzlich würde ich lieber immer eine Bühne herstellen und die Wand nicht in 25 Farben anmalen.

Vielen Dank für das Interview!

Living the life - Apartment im Herzen Berlins: moderne Wohnzimmer von Conni Kotte Interior
Conni Kotte Interior

Living the life – Apartment im Herzen Berlins

Conni Kotte Interior

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