Häuser aus Sichtbeton

Elisabeth Liebing Elisabeth Liebing
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Obwohl der Trend der Sichtbetonphase nun schon einige Jahre anhält, spaltet dieses Material nach wie vor die Meinungen. So gibt es zwei Fraktionen: Die einen verbinden damit pure Eleganz, die anderen sehen in der Oberfläche lediglich ein noch unfertiges Stadium des Baus. 

Bereits im Jahr 1955 baute der berühmte Architekt Le Corbusier die imposante Kapelle von Notre-Dame-du-Haut in Ronchamp. Diese besticht durch die ausladende Dachform und den scheinbar schwingenden Korpus und ist ein bedeutendes Zeichen der Moderne. Heute zählt der japanische Architekt Tadao Ando zu einem Meister des Betons und verblüfft durch den vielseitigen Einsatz des Materials. 

Technisches Details:

Generell spricht man von Sichtbeton, wenn der Beton nicht verputzt oder verblendet wird und die unbehandelte Oberfläche eine gestalterische Funktion erfüllt.

Sichtbeton wird in vier Klassen eingeordnet. Hierbei unterscheidet man innerhalb der Gruppe zwischen Sichtbeton mit hohen gestalterischen Anforderungen bis hin zu Sichtbeton mit geringen Anforderungen. 

Neben dem eigentlichen Material spielt die Schalung eine bedeutende Rolle bei der eigentlichen Gestaltung. Die Schalung ist die Gussform, in die der noch flüssige Beton gegossen wird. Nach dem Aushärten des Betons wird sie im Regelfall entfernt. Die Schalung ist das entsprechende Negativ zum Betonbauteil. Die Textur kann je nach unterschiedlicher Schalung eine völlig andere Oberflächenbeschaffenheit aufweisen. Auch der Farbton kann unterschiedlich sein, das ist abhängig vom jeweiligen Mischungsverhältnis. Ein erhöhter Anteil an Weißzement sorgt für ein sehr helles Ergebnis, wohingegen Portlandschieferzement eine dunkle Oberfläche erzeugt. Aber auch farbiger Sichtbeton ist möglich unter der Beimischung spezieller Pigmente.

Wir möchten euch heute einen kleinen Einblick in die Gestaltung mit Sichtbeton liefern und euch den Baustoff ein wenig näher bringen. 

Einfamilienhaus

Bei diesem Einfamilienhaus wurde eine Industrieschalung verwendet, die der Sichtbetonfläche eine nahezu glänzende Oberfläche verleiht. Zusammen mit den Ganzglasfenstern, die bündig zur Fassade sind, ergibt sich eine ambivalente Hülle, welche dem Gebäude einen gewollt unnahbaren Ausdruck verleiht. Die kubische Form greift das Thema stilvoll auf. Die Öffnungen spielen in dem Entwurf eine entscheidende Rolle, da sie die Fassade beleben. Tagsüber wird darin die Umgebung gespiegelt. Nachts hingegen, bei Kunstlicht, sind die Öffnungen als konsequente Raumabdrücke der inneren Struktur ablesbar.

Beton im Innenraum

Sichtbeton im Innenraum der eigenen vier Wände ist nach wie vor unkonventionell und für die absoluten Liebhaber bestimmt. Hier taucht er in einer abgemilderten Form auf: Der Sichtbeton wurde an den Wänden und Decken verwendet und weist eine gleichmäßige Struktur auf. Der bodentiefe Wandschrank mit den strahlend weißen Oberflächen schafft Ruhe und Ordnung zu dem starken Beton. Belebt wird der Raum durch einen pinken Vorhang, der für einen spannenden und passenden Kontrast sorgt. 

Schalhaut und Fugen des Sichtbetons

Sichtbeton ist ungemein vielseitig. Dennoch ist er auch sensibel und stellt nach jedem Öffnen der Schalung eine Überraschung dar. 

Schalung: 

Die Textur der Schalung bestimmt die Beschaffenheit der Sichtbetonoberfläche. Je nachdem wie das sogenannte Saugverhalten des Betons ist (saugend/nicht saugend) hat die Beschaffenheit Auswirkungen auf die Helligkeit. Sehr helle und glatte Oberflächen lassen sich nur mit nicht-saugenden Schalhauttypen herstellen. Desto öfter die Schalungen verwendet werden, desto mehr nimmt die Saugfähigkeit der Schalung ab und wird demnach tendenziell für immer heller werdende Betonoberflächen genutzt.

Fugen der Sichtbetonfläche: 

Bereits bei der Planung wird die Verteilung der Fugen im Schalmusterplan festgelegt, auch die horizontalen und vertikalen Arbeitsabschnitte für das Betonieren ergeben sich daraus. Um eine zusätzliche optische Betonung oder Strukturierung der Fläche zu erhalten, sind auch Scheinfugen möglich.

Wenn ihr mehr über das Haus erfahren wollt, könnt ihr in dem Ideenbuch Haus am Hang in Wyhlen weiterlesen.

Beton im Innenraum und die Bearbeitung der Oberfläche

Hier haben wir ein weiteres Beispiel für die Verwendung von Sichtbeton im Innenraum. Dieser wirkt wesentlich grobporiger und auch dunkler. Dies ist kein Beispiel minderer Qualität, sondern zeigt lediglich die Wandelbarkeit des Baustoffes. In Kombination mit unbehandeltem Holz und Edelstahl kommt man dem industriellen Stil sehr nahe. Eine besondere Wirkung kann erzielt werden, wenn die fertige Betonoberfläche nachträglich noch bearbeitet wird. Der Sichtbeton kann auf unterschiedlichste Weisen auch im Nachhinein noch verändert werden, zum Beispiel durch das Auswaschen der obersten Feinmörtelschicht, Sandstrahlen oder Flammstrahlen, manuelles oder maschinelles Nachbearbeiten der Betonoberfläche sowie Schleifen und Polieren. Bei bearbeiteten Betonflächen kommen die Zementsteine und Gesteinskörnung gemeinsam zur Geltung. Besonderes Augenmerk sollte auf die Auswahl von Form, Gesteinsfarbe und Körnung gelegt werden, da diese Faktoren einscheidend für die Farb- und Strukturwirkung sind.

Mehrgenerationenhaus mit Sichtbeton

Auch die Kombination unterschiedlicher Fassaden ist möglich. Hier hat das in den 1980er-Jahren erbaute Einfamilienhaus ein Klinkermauerwerk und eine dunkel lasierter Holzschalung. Nach dem Eigentümerwechsel sollte das Gebäude zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut und erweitert werden. Die Nähe und Ausrichtung zu dem unmittelbar an das Grundstück grenzende Naturschutzgebiet wurden hierbei aufgegriffen. Gemeinsam mit den Bauherren wurde die Idee entwickelt, den zu ergänzenden Bauteil mit einem modernen Materialkontrast zu gestalten, dem eine puristische Eigenständigkeit innewohnt. So entstand das Vorhaben, drei Sichtbetonkuben an das Gebäude anzufügen, die bei aller Eigenständigkeit skulptural und materiell mit dem Klinkergebäude harmonieren. 

Wirkung von mehreren Materialien

Gestalterisch hat das Architekturbüro sorgfältig darauf geachtet, dass die wohnliche Qualität trotz der Verwendung von Sichtbeton nicht gemindert wurde. Man entschied sich dafür, im Außenbereich warme Materialien zu verwenden, die zusätzlich zum Klinker ein warmes Pendant zum kalten Sichtbeton darstellen. Die Terrassen wurden mit einem Holzbelag aus Thermo-Esche versehen, die das Trio der vorhandenen Baustoffe weiterführt. Im Inneren des Hauses, als Reflektion der Fassade, wurde ein Fliesenbelag eingebaut, der wiederum mit Elementen aus Eichenholz kontrastiert. 

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