Ein ganz besonderes Haus

Elisabeth Liebing Elisabeth Liebing
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Wer schon mal in Stuttgart war und sich für Architektur interessiert, der kommt an der Weißenhofsiedlung auf dem Killesberg nicht vorbei. Dieses Wohnhausareal wurde im Jahr 1927 innerhalb weniger Monate von weltberühmten Architekten entworfen. Sie sollte ein Musterexemplar für zukünftiges Bauen darstellen. Ein Grundstück blieb frei und wurde 2014  von dem Architekturbüro Werner Sobek bebaut. Ein ganz anderer Stil, aber mit der gleichen Intention wie vor über 80 Jahren, der die Architektur revolutionieren soll. Es entstand das erste Aktivhaus, das nun exakt unter die Lupe genommen wird, um für eine zukünftige saubere Welt zu sorgen. 

Was bedeutet Aktivhaus?

Das Prinzip ruht auf drei elementaren Forderungen, die an den Bau der Zukunft gestellt werden. 

1. Die Gebäude erzeugen mehr Energie als sie selbst verbrauchen und produzieren diese aus regenerativen Erzeugnissen.

2. Die Häuser kommunizieren mit anderen Speichern, Verbrauchern, Energieerzeugern. Das Ziel ist energetisch autark zu sein. 

3. Sie reagieren sensibel und aktiv auf sich verändernde Parameter im Innen- bzw. im Außenraum und setzen diese selbstständig um.

Probephase

B10:  Terrasse von WERNER SOBEK

Für die Dauer von drei Jahren steht am Bruckmannweg 10 in Stuttgart das erste Aktivhaus der Welt, das kurz B10 genannt wird. Das Forschungsprojekt soll mithilfe seines innovativen Energiekonzepts und der selbstlernenden Gebäudesteuerung das doppelte des eigentlichen Energiebedarfs erzeugen. Selbstverständlich wird die Energie aus regenerativen Quellen gewonnen.  

Der Architekt Werner Sobek hat den Begriff Aktivhaus geprägt und dieser ist in ganz Europa markenrechtlich geschützt. 

Elektromobilität und Architektur

B10: moderne Wohnzimmer von WERNER SOBEK

Bedienen wir uns an einem Klischee: Was darf in einem Aktivhaus, das in der Autostadt Stuttgart steht, natürlich nicht fehlen? Ein Auto. 

Bei diesem Smart handelt es sich selbstverständlich um ein Elektroauto. Betankt wird das Fahrzeug mit der überschüssigen Energie, die das Haus produziert. Diese reicht nicht nur für ein Auto, sondern auch für ein zweites und zusätzlich versorgt der gewonnene Überschuss das unter Denkmalschutz stehende Haus, das der Architekt Le Corbusier entworfen hat.

Schaufenster Elektromobilität

B10:  Terrasse von WERNER SOBEK

Das Projekt B10 gehört zu dem von der Bundesregierung geförderten Forschungsprojekt Schaufenster Elektromobilität. Die Verbindung liegt nahe, weil ein umweltbewusstes Leben nicht nur das Wohnen, sondern auch das Leben beeinflusst und das inkludiert auch die Mobilität eines Menschens. Ein ganzheitliches Umdenken wird in diesem Projekt gefordert.

Das Aktivhaus ist in dem forschenden Rahmen an ein virtuelles Kraftwerk angebunden. Dieses soll die Verwendung von Elektromobilität von Pendlern in Studien erproben. 

Messen, kontrollieren und auswerten

B10:  Terrasse von WERNER SOBEK

Die Forschung an dem Aktivhaus verläuft in enger Kooperation mit der Universität Stuttgart. Im Verlauf der Beobachtung werden der Energieverbrauch, die Erzeugung sowie weitere hochrelevante Faktoren permanent gemessen und im Anschluss von der Universität wissenschaftlich ausgewertet. 

Wenn ihr Interesse habt, das Aktivhaus zu besichtigen, gibt es die Möglichkeit, sich in der ersten Nutzungsphase über die angewandte Bautechnik und das Energiekonzept direkt in dem Haus zu informieren. Auf die Probe gestellt wird das Haus in der zweiten Phase, in der sich zwei Studenten glücklich schätzen und in das Aktivhaus einziehen.

Entwurf und Gestalt

B10: moderne Schlafzimmer von WERNER SOBEK

Die Gestalt des Hauses erfährt eine einfache und funktionale Struktur. Der längliche Kubus wird unterbrochen durch große Öffnungen, die den Außenraum stark in das innenarchitektonische Konzept einbeziehen. Im Inneren wird das geradlinige Konzept konsequent fortgeführt und präsentiert sich modern. 

Ende der Forschungsphase

B10: moderne Esszimmer von WERNER SOBEK

Nach der dreijährigen Forschungsphase ist geplant, das Haus gänzlich zurückzubauen und an einem anderen Ort wieder aufzubauen oder es zu 100 % rezyklieren. Der Stadt Stuttgart wird nach dem Abbau das Grundstück wieder zurückgegeben. 

Wie gefällt euch der Entwurf des Hauses? Hinterlasst uns einen Kommentar!
VIO 302 - Terrasse:  Terrasse von FingerHaus GmbH

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