homify 360°: Glashaus eines Architekten in Dielsdorf

Elisabeth Liebing Elisabeth Liebing
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Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Diese Weisheit trifft ganz besonders dann zu, wenn es sich auch noch um so ein schönes Haus handelt. 

Der Entwurf stammt von dem Architekturbüro L3P Architekten ETH FH SIA AG.

Das Konzept sah es vor, das Wohnhaus elementar zu reduzieren und den nackten Betonrohbau mit einem Glasmantel zu umhüllen. Maßgeblich verantwortlich für den Bau waren nur zwei Personen: der Baumeister für den Betonbau und der Schreiner, der die Möbel und die Fenster anfertigte.

Grundstück

Zu Beginn galt die gerade fünf mal neun Meter große Fläche als unbebaubar, da die wenigen Quadratmeter des Rebhangs für eine klassische Bauweise nicht ausreichten. 

Die Lösung des Architekturbüros war es, nicht nur die oberirdische Fläche zu nutzen, sondern unter dem Erdreich ein Doppelzimmer mit Bad zu schaffen, sodass die maximale bauliche Fläche aus dem Hanggrundstück herausgeholt werden konnte. So entstand ein Haus mit rund 154 Quadratmetern, wobei rund die Hälfte unter der Erde liegt.

Technik

Bestechend ist die Fassade, die aus 58 individuellen Fensterelementen besteht. Kein Format gleicht dem anderen. So ergibt sich eine Fensterfläche, die doppelt so groß ist wie die Bodenfläche. Das Stahlbetontragwerk ist aus schwarz eingefärbtem Sichtbeton. Dieser findet sich im gesamten Haus in den Wänden, Böden und Decken.

Wirkung in der Nacht

In der Nacht wirkt das skulpturale Glashaus wie eine überdimensionierte Laterne, die im Dunkeln leuchtet. Die Konturen werden durch das künstliche Licht klar und schaffen in der benachbarten Umgebung eine spannende Silhouette. 

Eingang

Unkonventionell ist die Erschließung des Gebäudes. Diese erfolgt nämlich unterirdisch über den Zugang des Carports. Neben dem Carport finden sich ein benachbarter Haustechnikraum, ein Keller und ein Doppelzimmer mit Bad. Diese unterirdischen Räume werden durch teils überhohe Raumteile und ein Oberlicht mit Helligkeit versorgt. Betritt man das Gebäude, findet man sich in einem 5.44 Meter hohen Eingangsbereich wieder. 

Die Treppe

Das Treppenhaus überzeugt durch seine offene Gestalt. Oberlichter schaffen Helligkeit und wirken dem massiven Beton entgegen. Für künstliches Licht sorgen klassische Glühbirnen, die auf unterschiedlichen Höhen an den Stromkabeln angebracht wurden. Die Brüstung der Treppe fügt sich stilsicher in den Kontext ein. 

Elementar

Das Bücherregal dient nicht nur als praktische Verstaumöglichkeit für Bücher, sondern ist ebenso Teil der Querversteifung des Tragwerks. Der Boden wurde mit keinem Bodenbelag versehen. Trittschalldämmungen, Unterlagsböden, Gips oder klassische Wandfarbe kamen hier an keiner Stelle zum Einsatz. Nichts wird überschminkt oder verschönert. Alles präsentiert sich in seiner perfekten Basis. 

Wohnen

Wer in diesem Haus Normalität sucht, der wird vergebens suchen. Der gesamte Innenraum wird dominiert von rohen Sichtbetonflächen, deren rauer Charakter den Eindruck erweckt, man würde sich in einem Sicherheitsbau befinden. Absolut kontrastreich gestalten sich dazu die Möbel, denn diese kommen in den grellsten Neonpink zum Einsatz oder wurden extra von Schreinern angefertigt. Mittels Stufen und Podesten wird die Wohnlandschaft gegliedert, sodass eine fortlaufend schlüssige Raumfolge und Unterteilung hervorgerufen wird. 

Die Küche

Das Haus baut sich wie ein Spirale auf. Die Raumvolumen fließen logisch ineinander, ergeben sich schlüssig und folgen den natürlichen Arbeits- und Wohnabläufen. Auf Türen konnte aufgrund der folgerichtigen Gliederung verzichtet werden. 

In der Küche leuchtet das Neonpink in der schlichten Kulisse und feiert ihren gebührenden Auftritt. So extravagant das Haus auch von außen wirken mag, so nimmt es sich im Innenraum nahezu schüchtern zurück und versteckt sich hinter den knalligen Einbauten. 

Offene Gestaltung

Freizügigkeit und Individualität finden in dem Haus ihren Einklang. Spannende Blickbeziehungen werden nicht nur im Inneren geschaffen, sondern ebenso im Außenraum. Die umliegende grüne Natur hat starken Einfluss auf das geradlinige Interieur. Nischen werden ausgenutzt und weichen von konventionellen Räumen ab, sodass man die Kreativität, die in dem Haus innewohnt jederzeit spürt. Die Fenster wurden im Übrigen dem Tragwerk vorgehängt und wachsen wie Trauben an einem Rebstock.

Wohnzimmer und Badezimmer

An das Wohnzimmer schließt der private Teil, der mithilfe einer Wand abgeschirmt wird. Der Waschtisch, der hier zu sehen ist, stellt die Vorstufe des Schlafzimmers dar, das sich im hinteren Teil anschließt. Farblich gesehen, folgt man konsequent einer Linie, die sich im Farbkreis der Magenta- und Lilatöne bewegt. 

Schlafzimmer

Folgt man dem Gang, gelangt man in das Schlafzimmer, in dem wir unseren Rundgang beenden. Dieser Raum besinnt sich auf das Wesentliche. Im Mittelpunkt steht ein Doppelbett, das so ausgerichtet wurde, dass man einen Blick über die grüne Landschaft hat. Mithilfe von bodenlangen Vorhängen kann der Raum abgedunkelt werden und es entsteht das Gefühl von absoluter Privatsphäre. Highlight des Schlafzimmers ist die freistehende schwarze Badewanne. 

Weitere Anregungen zu Badewannen findet ihr in dem Ideenbuch: Freistehende Badewannen

Wichtige Informationen im Überblick:

Architekten: L3P Architekten AG FH SIA

Ort: 8157 Dielsdorf, Schweiz

Fertigstellung: 2014

Fotos: Vito Stallone

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