Pro und Contra: Ist ein Fertighaus das richtige für mich?

Stefanie Loske Stefanie Loske
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Das neue Haus fertig kaufen oder selber bauen? Wenn das passende Grundstück gefunden ist, soll auch schnell das neue Haus darauf gebaut werden. Nun stellt sich oft die Frage, ob das gewünschte Haus lieber ein Massiv- oder ein Fertighaus sein soll. Das Fertighaus gibt es in Deutschland seit rund 80 Jahren und eine generelle Antwort auf die Frage, welcher Baustil nun der bessere ist gibt es nicht. Doch bevor man sich für die Anschaffung eines Fertighauses entscheidet, sollten alle Vor- und Nachteile gründlich analysiert werden. Lange mussten Fertighäuser gegen ihr schlechtes Image ankämpfen und wurden oft als „Wohncontainer“ oder „Pappschachteln“ bezeichnet. Oftmals werden von den Verfechtern der Massiv- oder Fertighäuser subjektive Gründe genannt, die einen Kauf rechtfertigen. Im folgenden Ideenbuch wird versucht, sich objektiv mit den Vor- und Nachteilen von Fertighäusern auseinanderzusetzen.

Bauzeit

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Der herausstechende Vorteil eines Fertighauses gegenüber dem Massivhaus ist in jeden Fall die Schnelligkeit, in der das gesamte Bauvorhaben abgewickelt werden kann. Ein Fertighaus kann einschließlich des gedeckten Dachs, eingebauter Fenster sowie Türen schon innerhalb von maximal drei Tagen aufgestellt sein. Durch den schnellen Aufbau kann zudem kaum Feuchtigkeit in den Bau gelangen.

Kosten

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Durch einen schnellen Aufbau des Fertighauses können dann natürlich erhebliche Kosten gespart werden. Denn Schnelligkeit beim Hausbau bedeutet auch immer geringere Kosten. Ein Hausbau hingegen ist sehr lohnintensiv, da es einen deutlichen Unterschied macht, ob die Handwerker 3 Monate oder nur 3 Tage tätig sind.

Ein Unternehmen ist am Bau beteiligt

Hat man sich für ein Fertighaus entschieden, steht man vor weiteren Entscheidungen. Um das richtige Unternehmen zu finden, sollten bei den verschiedenen Fertighausherstellern alle benötigten Informationen zur Herstellung sowie zur Qualität der angebotenen Fertighäuser eingeholt werden. Hat man sich dann für den gewünschten Anbieter entschieden, kann aus einer breiten Palette von Hausmodellen das individuelle Traumhaus gefunden werden.

Je nach Unternehmen hat der Käufer die Wahl, das Haus entweder schlussfertig zu kaufen oder einige Arbeiten am Haus selbst zu übernehmen und so einen geringeren Kaufpreis zu erzielen. Nicht jeder will nämlich ein Fertighaus schlussfertig kaufen. Bringt man handwerkliches Geschick mit und legt selbst Hand an, kann man zudem noch weitere Kosten sparen. Je nach Budgetvorstellungen, der persönlichen Eigenleistung und den persönlichen Fähigkeiten entscheidet der Käufer selbst, wie umfangreich er sich am Bau seines Hauses beteiligen will.

Musterhaus kann besichtigt werden

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Natürlich ist es wichtig sich Fertighäuser erst einmal anzusehen, bevor man zum Bauherrn wird. Die Häuser von verschieden Architekten können in Fertighausparks in Deutschland und Österreich von innen und außen besichtigt werden. Dort stehen mehrere Musterhäuser zur Verfügung, in denen Verkaufsberater Fragen zum jeweiligen Haustyp beantworten können, um alle Unklarheiten aus dem Weg zu räumen. Diese Fertighausparks sind ideale Anlaufstellen für Bauinteressenten. Viele Fertighausanbieter halten auch Musterhäuser an verschiedenen Standorten zur Besichtigung bereit.

Geringere Gestaltungsmöglichkeiten

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Ein eindeutiger Nachteil eines Fertighauses ist, dass der Verwirklichung individueller Ideen ein relativ geringer Raum geboten ist. Wohnzimmer, Schlafzimmer und alle weiteren Räume sind vorgegeben. Zwar gibt es Fertighausanbieter, die es dem Bauherrn gestatten, im Rahmen von gewissen Vorgaben einen individuellen Hausentwurf zu gestalten, jedoch ist dies teilweise mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Denn die Abweichungen von vorgegebenen Ausstattungs-Standards müssten eventuell teuer bezahlt werden. Mit der Vielfalt des Massivhauses kann das Fertighaus trotz aller Bemühungen nicht mithalten und der Festpreis eines Fertighauses kann auf den zweiten Blick schon weniger schillernd sein, als er zuerst schien.

Schall ist schlechter als im Massivhaus

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Bei einem Massivhaus wirken sich die schweren Materialien, die zum Bau des Hauses genutzt werden positiv auf den Schallschutz aus. Das ist besonders wichtig für Familien mit Kindern. Zudem sorgen massive Steinwände für eine sehr gute Wärmespeicherung und einen optimalen Brandschutz. Ein Fertighaus hingegen bietet wegen seiner dünnen Wände nicht immer ein schallschutzsicheres Wohnen. Durch die thermisch geschlossene Außenhülle kann die Wärme zwar nicht nach außen hin entweichen, jedoch ist dadurch auch ein eigenständiger Luftaustausch nicht möglich und somit herrscht ein trockenes Raumklima. Da Ausnahmen die Regel bestätigen, gibt es mittlerweile jedoch auch viele moderne Fertighäuser, die sogar bessere Werte für die Schall- und Wärmedämmung aufweisen können, als bei einem Massivhaus.

Geringere Lebensdauer

In den Köpfen vieler Menschen besteht immer noch der Gedanke, dass ein günstigeres Fertighaus auch gleich schlechter bedeutet und mit einer geringeren Lebensdauer verbunden ist. Werden weniger hochwertige Materialien genutzt, um ein Fertighaus zu bauen, mag dies auch durchaus stimmen.

Auf einer stabilen Holzrahmenkonstruktion werden die Wände, Decken und das komplette Dämmmaterial befestigt. Von einer stabilen Außenwand umgeben, ist die Art des Baus nicht nur sehr stabil, sondern bei guter Verarbeitung und Montage auch sehr langlebig. Denn Fertighäuser sind nicht immer wegen mangelnder Qualität kostengünstiger als Massivhäuser, sondern vor allem wegen hoher Stückzahlen und geringerem Zeitaufwand bei Aufbau. Heute erreichen Fertighäuser durch moderne Technik bei der Herstellung und dem Zusammenbau eine Haltbarkeit von im Schnitt etwa 60 bis 90 Jahren, Massivhäuser etwa von 100 Jahren.

Das Material von Fertighäusern ist auch deshalb so langlebig, wegen der geringeren Aufbauzeit als bei einem Massivhaus, bei dem die Materialien schon einmal tagelang auf der Baustelle liegen können. Dies kann der Materialqualität schaden. Das Material für das Fertighaus ist wegen des kurzen Zusammenbaus praktisch keinen Umwelteinflüssen ausgesetzt.

Wiederverkaufswert gering

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Der Wiederverkaufswert von Fertighäusern entpuppt sich oftmals als ungünstiger als bei Massivhäusern. Da ein Unterschied in der Lebensdauer von Massiv- und Fertighäusern besteht, spiegelt sich das natürlich auch im Wiederverkaufswert wieder. Ein Haus das eventuell einige Jahrzehnte weniger Lebensdauer verspricht, wird einen geringen Verkaufswert einbringen, als ein Massivhaus mit einer Lebensdauer von 100 Jahren und mehr.

Die Entscheidung für oder gegen ein Fertighaus ist also eine sehr individuelle und da man in seinem Leben im Normalfall nur ein Haus baut, sollte man sich bei der Entscheidung sicher sein und sie sich nicht allzu leicht machen. Wer ein Haus günstig und vor allem schnell sowie ohne Einbringung individueller architektonischer Elemente kaufen will, der wird mit dem Kauf eines Fertighauses nicht verkehrt liegen. Will man jedoch viel individuell gestalten und ausgefallene Wünsche in die Tat umsetzen, wird man eher zum Bau eines Massivhauses tendieren.

Mittlerweile nimmt der Anteil der Häuser in Fertigbauweise seit immer mehr zu. Vier von fünf Fertigbauunternehmen erwarten, dass die Marktsituation stabil bleibt und ein Grund dafür ist zweifellos, dass Fertighäuser ihr schlechtes Image immer mehr ablegen konnten. 2011 kam bei einer Studie sogar heraus, dass für jeden Fünften ein Hausbau als Fertighaus in Frage kommen würde.

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