homify 360°: Das Treppen-Haus

Claire Dove Claire Dove
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Stellt euch vor, ihr lebt auf einem 2.500 qm großen Grundstück in der Schweiz, könnt davon aber nur 70 qm bebauen. In dieser misslichen Lage befanden sich die Bauherren eines Hauses in Sumiswald. Die Lösung: ein Treppen-Haus!

Die idyllische Gemeinde Sumiswald ist bekannt für ihre lange Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Auf dem Areal, auf dem das neue Gebäude entstehen sollte, stand nach neuesten Erkenntnissen sogar einmal der Stammsitz der Freiherren von Sumiswald. Doch diese geschichtsträchtige Lage brachte nicht nur Vorteile mit sich: Aufgrund einer archäologischen Schutzzone auf dem Grundstück sowie feuerpolizeilichen Bestimmungen und Straßenlärm, der das Bauen in zweiter Reihe zur Straße nötig machte, verringerte sich das bebaubare Areal drastisch. 

Damit dennoch genug Wohnraum für das Bauherrenpaar entstand, wurde eine völlig unkonventionelle Lösung ins Auge gefasst. Mithilfe der erfahrenen Architekten von Translocal Architecture wurde ein mehrstöckiges Haus geplant, welches als Treppe zwischen dem Burgbüel und dem Plateu auf dem Hügel des Grundstücks fungieren sollte. Das Plateu wird nämlich von den Hausbesitzern als Garten und Aussichtspunkt genutzt. So entstand das Treppen-Haus, ein so ungewöhnlicher wie schöner Entwurf, der sich erstaunlich gut in die umliegende Landschaft und Bebauung einpasst.

Ein ungewöhnlicher Anblick

Der Hügel auf dem Grundstück ist von beachtlicher Größe. Auf seiner Kuppe befindet sich der Garten der Hausbesitzer. Wie wir auf dieser Aufnahme besonders gut erkennen können, gliedert sich das moderne Haus in die Natur ein und wirkt fast wie aus dem Berg gewachsen. Dieser Eindruck wird durch die Verwendung von Sichtbeton bei der Fassadengestaltung noch verstärkt. 

Das strenge Bauregelment der Gemeinde sieht eigentlich einen höchstens zweigeschossigen Bau vor, um den Baukontext des Ortes homogen zu halten. Doch der Höhenunterschied zwischen Boden und Hügelkuppe beträgt beeindruckende neun Meter, der sich mit einem solch niedrigen Bau nicht überwinden lässt.

Zum Glück wurde auch für dieses Problem eine Lösung gefunden: Da das Gelände stark ansteigt, wurde ein Großteil des Erdgeschosses eingegraben. Dadurch wird es vom Bauregelment als Untergeschoss angesehen und es konnte die turmartige Struktur entstehen, die wir auf diesem Bild bestaunen dürfen. Das ungewöhnliche Gebäude nutzt so auf einem minimalen Baufeld die maximale Höhe aus und fügt sich dabei erstaunlich harmonisch in das Gesamtbild der Gemeinde ein.

Modern und besonders

Obwohl das Treppen-Haus auf einem historischen Grundstück steht, wurde es selbstbewusst modern gestaltet. Auskragende Fassadenelemente, die Verwendung von Sichtbeton sowie das Fehlen von Dachüberständen sorgen für den puristischen, aktuellen Look. 

Aus dieser Perspektive erkennt man gut den stufenartigen Aufbau des Hauses, der es dem Gebäude ermöglicht, die Höhendifferenz stilvoll zu überwinden.

Das Verbindungsglied

Das Verbindungsglied zwischen Hügel und Haus stellt eine Brücke aus verzinktem Stahlblech dar. Die Brücke erreicht man über das oberste Geschoss des Gebäudes. Schon von der Brücke aus hat man einen wunderbaren Weitblick über das Emmertal, den wohl auch schon die hier ansässigen Freiherren genossen haben werden.

Blick von der Brücke

Wenn man von der Brücke aus auf das Treppen-Haus zugeht, lässt sich seine betont moderne Fassadengestaltung besonders gut wahrnehmen. Die Brücke fügt sich dank ihres Materials fast nahtlos in das Gebäude ein, was ein stimmiges Gesamtbild kreiert. Auch von hier aus hat man einen bezaubernden Ausblick auf die umliegende Landschaft.

Spannende Blickbeziehungen

Auf dieser Aufnahme befinden wir uns im Innenbereich des modernen Einfamilienhauses. Aufgrund des besonderen Grundrisses finden pro Etage nur ein Zimmer plus ein kleiner Nebenraum Platz. Da die einzelnen Räume jedoch extrem offen gestaltet wurden, stellt sich an keinem Ort des Hauses ein Engegefühl ein. Ganz im Gegenteil: Die großzügigen Fensteröffnungen gewähren einen Blick ins Freie und lassen den Innen- mit dem Außenraum verschmelzen. Zudem strömt so viel natürliches Licht herein, welches die minimalistisch gestalteten Räume optimal erhellt. Auch die Ausweitung zur Südseite des Gebäudes hin trägt zu dem großzügigen Wohngefühl bei. 

Gekonnter Materialmix

Auch im Inneren des Hauses wurde auf dezente, weitestgehend unveredelte Materialien gesetzt. Daher finden wir in den puristischen Räumen weiß verputzte Wände sowie einen braunen Bodenanstrich vor. Auch der Sichtbeton der Fassade findet sich in der Deckengestaltung wieder. Demgegenüber steht ein durchgehendes Treppenhaus aus Fichtenholz, welches dem sonst eher kühlen Interieur die nötige Wärme verleiht. 

Im Erdgeschoss befindet sich übrigens das Arbeitszimmer, während die gesamte erste Etage von Zimmer des Sohnes der Familie eingenommen wird. Im Stockwerk darüber siedeln sich Wohnzimmer, Küche und Esszimmer an, die offen als ein Raum gestaltet wurden. Im Dachgeschoss schließlich befindet sich das Elternschlafzimmer. 

Voller Durchblick

Eine Detailaufnahme der Treppe offenbart ihren besonderen Aufbau. Das verwendete Fichtenholz wirkt hell und natürlich. Die freischwebende Treppe hat kein klassisches Geländer, sondern eine hölzerne Konstruktion als Absturzsicherung. Diese wird in Teilen des Gebäudes gleichzeitig als Bibliothek genutzt. Das sieht nicht nur hübsch aus, sondern spart obendrein noch Platz in dem turmartigen Gebäude.

Lufträume

Ein weiterer Grund, warum das moderne Haus so offen und hell wirkt, sind die geschossübergreifenden Lufträume, die nicht nur für spannende Blickbeziehungen sorgen, sondern gleichzeitig ein Höchstmaß an Licht in das Innere des Hauses strömen lassen.

Wie harmonisch sich die gesamte Gestaltung des Innenraums präsentiert, wird auch an den kleinsten Details ersichtlich: So greifen die Fensterrahmen, die ebenfalls aus Fichtenholz sind, das Aussehen der Treppe wieder auf und sorgen so für ein Gesamtbild, bei dem einfach alles zusammenpasst.

Ein Balkon mit fürstlicher Aussicht

Unser Rundgang durch das Schweizer Treppen-Haus nähert sich leider schon wieder dem Ende. Wir verlassen das ungewöhnliche Gebäude mit einem letzten Blick auf den Balkon. Verglaste Schiebetüren führen ins Freie. Von hier aus hat man einen vorzüglichen Blick weit über das Land. So kann man sich selbst ein klein wenig wie ein adeliger Freiherr von anno dazumal fühlen.

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