homify 360°: Kleines Atelier-Haus in den Bergen

Elisabeth Liebing Elisabeth Liebing
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Der Beruf des Künstlers ist ein schwerer. Denn entweder man lebt von Wasser und Brot oder von Wein und Kaviar. Ja gut, das mag ein Klischee sein, aber einfach ist der Beruf sicherlich nicht. Anders ergeht es anscheinend dem Künstler für den das Schweizer Architekturbüro savioz fabrizzi architectes ein Atelier in den Bergen entwerfen durfte. 

Ihr dürft diesmal gespannt sein, denn dieses Haus ist nichts von der Stange und verrät im Handumdrehen, das Können der Architekten. Wer sich weitere Projekte des Architekturbüros ansieht, dem wird deutlich, wie das Büro von der rauen alpinen Schweizer Landschaft beeinflusst wird und natürliche Materialien in den Entwürfen aufgegriffen werden.

Der Wunsch des Bauherren

Der Bauherr wünschte sich ein Atelier, das in unmittelbarer Nähe seines Wohnhauses lagert. Der Neubau sollte in etwa 50 Quadratmeter fassen und dem Künstler Josyane Roduit-Gaudin zum Zeichnen und Modellieren seiner eigens geschaffenen Skulpturen dienen. 

Form und Materialien

Ausschlaggebend für die Gebäudeform, das sich nun lang und schmal über die Wiese erstreckt, waren die schmale Parzelle und die örtlichen Baureglements. Die extravaganten Konturen schufen die Möglichkeit, die Öffnungen in verspielter Weise anzuordnen. Dadurch wird der Blick auf das Tal und die bergige Landschaft fokussiert.  

Neben der Formensprache und dem Design spielten die Materialien eine entscheidende Rolle bei der Planung. Die verwendeten Baustoffe sollten die dominante Kulisse unterstreichen. Die mineralische Umgebung sollte nicht gestört werden durch unnatürliche Werkstoffe. Die Vorgabe besagte, 30% des Baukörpers mit Holz zu verkleiden. Dieser Regel kam das Architekturbüro nach und setzte vorgewitterte Holzlatten bündig ein. Auch der Beton wurde mit Holzbrettern verschalt und so weist dieser eine natürliche Struktur auf. Die beiden Materialien scheinen an vielen Partien einfach zu verschmelzen und bilden ein homogenes Ganzes.

Öffnungen

Gen Tal öffnet sich ein großer Ausschnitt, der einen Außenraum für den Schaffenden darstellt. Hier wurde ein Baukörper aus dem Volumen subtrahiert und die baulichen Konturen blieben bestehen. Der kantige Ausschnitt gleicht der skulpturalen Masse des Berges.

Weitere Anregungen einem Haus in den Bergen findet ihr in dem Ideenbuch: Wohnhaus in den Bergen in Oberbayern

Lage

Betrachten wir das Gebäude von der Rückseite. Aufgrund der steilen Hanglage scheint es an der Wand zu lehnen. Dadurch wird der Eindruck erweckt, dass der schlanke und längliche Baukörper an Stabilität gewinnt. 

Der Zugang zum Atelier erfolgt auf der Stirnseite. Es wurde darauf geachtet, dass die Zugänge entlang des stark geneigten Grundstücks so platziert wurden, dass das Areal topographisch wenig verändert werden musste. Auch das Dach folgt dieser natürlichen Anordnung.  

Terrasse

Die großzügige Terrasse grenzt an den Hauptraum und stellt einen unmittelbaren Bezug zu den Bergen und eine visuelle Beziehung zum eigentlichen Wohnhaus her. Durch den Ausschnitt in der Decke erfährt der Außenraum ein spezielles Ambiente und stellt eine Mischung zwischen Hof und Patio dar. 

Raumprogramm

Das Haus beherbergt mehrere Räume: Den größten sehen wir hier. Dieser erstreckt sich über die gesamte Länge und stellt den Dreh- und Angelpunkt dar. Im Untergeschoss finden sich zwei weitere Räume, die einen Holzschuppen und einen Abstell- und Werkzeugraum inkludieren.

Zur rechten Seite des Raumes lagert ein Waschtisch, der aus Ortbeton gefertigt wurde. Auf der gegenüberliegenden Seite ordnet sich parallel dazu eine Fensterbank an, die eine Verlängerung zur Außenwand darstellt und als Sitzmöglichkeit dient.

Innenraum Konzept

Werfen wir einen Blick in den hinteren Teil des Raumes, der sich zu einem schmaler werdenden Schlauch entwickelt. Ein altertümlicher Holzofen sorgt für Wärme. Viel Wert wurde auf die größtmögliche gestalterische Neutralität im Innenraum gelegt. Die Außenwände wurden von der Innenseite gedämmt, vergipst und anschließend weiß gestrichen. So entstand ein Raum, der Klarheit, Ruhe und Perfektion ausstrahlt, sich zurücknimmt und für keinerlei Ablenkung sorgt. Die Arbeiten des Malers sowie die großzügigen Öffnungen bilden die einzigen punktuellen Farbakzente in der grau-weißen Umgebung. 

Die wichtigsten Informationen im Überblick: 

Bauherr: Josyane und Michel Roduit

Bauauftrag: Künstleratelier, Holzschuppen, Abstellraum  

Planungsbeginn: 2011 

Fertigstellung: 2013 

Bauvolumen: 470 Kubikmeter

Bauingenieur: alpatec sa, martigny

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VIO 302 - Terrasse:  Terrasse von FingerHaus GmbH

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