Empty-Nest-Syndrom: das Kind ist weg, das Zimmer bleibt

Catherina Bernaschina Catherina Bernaschina
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Wenn der Nachwuchs einmal ausgezogen ist, fallen so manche Eltern in ein tiefes Loch. Empty-Nest-Syndrom nennt man den Zustand, wenn sich die größte Lebensaufgabe der Eltern – das eigene Kind – von einem Tag auf den anderen von ihnen verabschiedet. Plötzlich wissen sie nicht mehr wohin mit ihren Gefühlen, mit der vielen Zeit und dem zurückgebliebenen Zimmer. Eigentlich hätte man nun endlich mehr Zeit für den Ehepartner, doch gerade in dieser Abnabelungsphase soll die Scheidungsrate besonders hoch sein. Nirgends offenbart sich die Leere mehr, als im leerstehenden Kinderzimmer. Wir möchten betroffenen Eltern mit ein paar bewährten Ratschlägen zur Seite stehen. Unsere Tipps sollen helfen, die gefühlsmäßige und räumliche Leere in ihrem neuen Leben wieder etwas aufzufüllen.

Leeres-Nest-Syndrom: was ist das?

Der englische Begriff Empty Nest Syndrom (ENS) steht für ein Phänomen, das bei Eltern einsetzt, wenn ihre Kinder das Zuhause verlassen und „flügge“ werden. Es ist kein klinischer Zustand, sondern viel mehr ein Gefühl von Trauer und Einsamkeit der Eltern oder Betreuer, nachdem die Kinder ausgezogen sind. Da es zum Erwachsenwerden gehört, dass junge Leute ihr Elternhaus aufgrund ihres Alters oder zwecks Ausbildung verlassen, werden die Symptome des ENS oft nicht erkannt. Nicht einmal von den Betroffenen selbst. Im schlimmsten Fall kann dieser Gefühlszustand in einer Depression enden. Manche Eltern verlieren ihren Lebenssinn komplett, wenn die Kinder das „Nest“ verlassen. Frauen sind in der Regel häufiger vom ENS betroffen, da sie sich stärker in der Rolle der Kindererziehung wiederfinden.

Zuerst Gefühle zulassen, dann neustarten

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Ein paar generelle Ratschläge für betroffene Eltern: Akzeptiert den Zeitpunkt des Auszugs. Vergleicht den von eurem Kind angesteuerten Zeitplan nicht mit eurer Jugend und euren eigenen Erfahrungen. Konzentriert euch lieber darauf, wie ihr euer Kind bei diesem wichtigen Schritt aktiv unterstützen könnt. Wenn der Nachwuchs auszieht, heißt das nicht, dass der Kontakt abbricht. Ihr könnt eurem Sohn oder eurer Tochter trotz geographischer Distanz weiterhin nahe sein. Dazu gehört, dass ihr euch regelmäßig gegenseitig besucht, anruft, E-Mails schreibt oder textet. Falls ihr merkt, dass euch das „leere Nest“ und der plötzliche Lebenswandel zu stark zu schaffen machen, sucht die Unterstützung von Freunden und Familie. Teilt eure Gefühle und kontaktiert ungeniert euren Vertrauensarzt, wenn ihr euch depressiv fühlt. Es ist leichter gesagt als getan, aber bleibt positiv. Vergesst nicht, wie oft ihr insgeheim davon geträumt habt, mehr Zeit für eure persönlichen Interessen und für euren Partner zu haben. Nun habt ihr sie.

Ausmisten mit Vorsicht

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Wenn ihr mit euren Emotionen im Reinen seid, geht es ans Ausmisten. Was euer Kind zurückgelassen hat, gehört nicht direkt auf den Müll. Ihr könnt jedoch so einiges an angesammelten Dingen schon einmal vorsortieren. Geht mit dem nötigen Respekt und Taktgefühl an die Sache heran, denn in den Schränken, Schubladen sowie unter dem Bett könnten weitaus bizarrere Gegenstände zum Vorscheinkommen, als ein paar vergessene T-Shirts, Konzertkarten oder alte Schulhefte. Es gibt so einiges in einem Jugendzimmer, was nicht für die Augen und Ohren der Eltern bestimmt ist (und die Eltern vielleicht selbst gar nicht wissen wollen). Am besten gibt ihr eurem Spross eine Vorwarnung durch, bevor ihr euch ans Ausmisten seiner zurückgelassenen Privatgegenstände macht. Nicht nur wegen der peinlichen Überraschungen: was ihr selbst als Abfall bewertet, könnte für euer Kind vielleicht einen sentimentalen Wert haben.

Gemeinsam planen

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Entscheidet gemeinsam und vereint als Familie, was aus dem freiwerdenden Zimmer eurer Tochter bzw. eures Sohns werden soll. Euer Kind zieht zwar aus, sein Zimmer bleibt für ihn auf emotionale Weise dennoch seins. Seid daher einfühlsam und rücksichtsvoll und zieht euer Kind in alle das Zimmer betreffenden Entscheidungen mit ein. Gibt es jüngere Geschwister, die eventuell in das Zimmer einziehen möchten? Oder der Vater möchte darin sein Musikzimmer einrichten? Vielleicht hat euer Nachwuchs selbst eine klare Idee davon, wie er sein Zimmer umgestalten will. Setzt euch am besten gemeinsam an einen Tisch und schreibt alle Anliegen und Ideen nieder. Auf einem Blatt Papier lassen sich die Gedanken viel besser ordnen und alle Begehren werden ex aequo berücksichtigt. Wenn alle an einem Strang ziehen, werdet ihr Eltern sowie eure Kinder die Empty-Nest-Phase einfacher überstehen.

Das Nest warmhalten

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Euer Kind verlässt zwar sein Elternnest. Es wird aber hin und wieder vielleicht bei euch übernachten wollen, wenn es auf Besucht kommt. Deshalb sorgt ihr am besten dafür, dass es auch weiterhin eine Schlafmöglichkeit bei euch hat. Es spielt eigentlich keine Rolle, in was ihr sein Zimmer verwandelt – sei es ein schickes neues Home Office oder ein fantastischer Fitnessraum: Ein Bett oder Bettsofa sollte auf jeden Fall darin Platz finden. Euer Nachwuchs und andere Übernachtungsgäste werden es euch danken. Falls euer Kind für ein Austauschjahr weg war, wird es mit vielen neuen Errungenschaften und Souvenirs in den Koffern zurückkehren, für die ihr ebenfalls Stauraum einplanen solltet. Füllt also seine Kleiderschränke nicht voreilig mit euren persönlichen Gegenständen. Euer Kind wird so oder so etwas zurücklassen, sei es auch nur, um sein „Territorium“ zu markieren bzw. um sein ehemaliges Nest vorläufig doch noch ein bisschen warmzuhalten.

Bitte keine Abstellkammer

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Lasst das unbewohnte Kinderzimmer nicht zur Abstellkammer verkommen. Ein leerer Raum ist sehr verlockend, um „provisorisch“ etwas zu deponieren. Leider wird der provisorische Aufbewahrungsraum für das Familiengerümpel oft zur unansehnlichen Dauerlösung. Widersteht also der Versuchung von Beginn weg und sucht für euren Hausramsch einen geeigneteren Platz. Der alte Hometrainer, die kaputte Radioanlage, der künstliche Weihnachtsbaum und mit Plunder gefüllte Kartonkisten gehören bestimmt nicht in das ehemalige Kinderzimmer. Nutzt den freistehenden Raum auf produktivere Art. Wie wäre es mit einem Yoga- oder Nähzimmer für die Mutter? Oder doch lieber eine Familienbibliothek oder gar eine Hausbar? Bei allem Tatendrang, denkt daran, ein Plätzchen für euer ausgeflogenes Küken bereitzuhalten. Euer Kind wird sicher nichts gegen ein ausziehbares Bettsofa oder eine Matratze als Schlafplatz haben. Schließlich hat es sein Nest aus freien Stücken verlassen und wird es euch gönnen, dass ihr die entstandene Leere positiv und kreativ auszufüllen wisst.

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