Passivhäuser

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Seit 2005 plant Rainer Graf Passivhäuser – und das aus Überzeugung. Homify hat ein Interview mit dem Architekten geführt. Wieso sich die Investition lohnt und warum Umweltschutz bei Vielen nicht der Haupt-Beweggrund für ein Passivhaus ist:

Welcher Kunde entscheidet sich für ein Passivhaus?

​Architekturbüro Rainer Graf:  Häuser von Jessica Labbadia - homify
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​Architekturbüro Rainer Graf

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Es gibt verschiedene Arten von Kunden. Die ersten sind Bauherren, die ein Passivhaus aus Überzeugung wählen, da sie schon Erfahrungen mit dem Passivkonzept sammeln konnten. Die zweite Kundengruppe wird durch unsere Architektursprache angesprochen. Hier steht der ästhetische Aspekt im Vordergrund. Erst an dritter Stellte steht bei den Kunden das Thema Umweltschutz.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Vorurteile gegenüber Passivhäusern?

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Dass das Haus nicht richtig warm wird. Das liegt rein an der Planung der Heizanlage: In Regionen, die etwas weniger Sonneneinstrahlung haben, oder in denen es tendenziell kälter ist, muss das Heizkonzept stimmen. Das heißt, man sollte nicht nur über die Lüftungsanlage heizen sondern auch über zusätzliche Instanzen wie Fussbodenheizung. Die Heizlast darf nicht mehr als 10 Watt betragen. Durch die Zusatzgeräte können Häuser auch bei Bedarf mit 24 Grad geheizt werden. Ein weiteres Vorurteil: Die Fensterlüftung – natürlich kann man Passivhäuser lüften. Allerdings gibt es keinen Bedarf, da das Haus permanent mit Frischluft versorgt wird.

Heizen mit Erdwärme ist in der Regel günstiger als die klassische Gasheizung. Bleiben trotzdem viele Kunden lieber beim alten Standard?

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Das ist pauschalisiert schwer zu beantworten. Man sollte erstmals die Gebäudehülle so gut wie möglich isolieren und abdichten. Daraus lässt sich dann der Energiebedarf eines Gebäudes ermitteln. Ein klassisches Passivhaus verbraucht so wenig Energie, dass die Anschaffungskosten einer Erdwärmeanlage sich nicht amortisieren würden. Das heißt, man muss jeden Einzelfall individuell betrachten und danach entscheiden ob eine Zentralheizung, eine Wärmepumpe, oder sonstige Methoden in Betracht gezogen werden.

Der Neubau eines Passivhauses ist ca. 5-15% teurer als ein konventionell gebautes Haus. Lohnt sich diese Investition?

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Man muss das Gesamtpaket betrachten und nicht die einmaligen Investionskosten für das Haus. Ein Passivhaus ist nicht wesentlich teurer als ein konventionell gebautes Haus. Die Mehrkosten betragen im Schnitt 15.000€ für ein Passivhaus. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) erteilt zinsvergünstigte Darlehen für Passivhäuser. Somit muss der Bauherr einen Blick auf die alleinige Finanzierung seines Haus werfen, da Zins und Tilgung auch eine wesentliche Rollen spielen. Hinzu kommen die niedrigeren Unterhaltskosten. In erster Linie würde ich jedem empfehlen, so niedrig wie möglich mit den Unterhaltskosten anzufangen. Wenn ein Bauherr jetzt 400€ Betriebskosten im Jahr hat und diese sich verdoppeln, ist er bei 800€. Stellen Sie sich jetzt mal vor ein Bauherr zahlt schon 800€ und langt dann bei 1600€ an – auf lange Sicht geht das ins Geld.

Wie viel CO2 pro Jahr spart ein Passivhaus im Vergleich zu einem konventionellen Haus ein?

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Natürlich hat jedes Haus einen anderen Energiebedarf. Was nicht berücksichtigt wird, ist der CO2 Vebrauch bei der Erstellung eines Hauses. Ein Massivhaus ist Energie-intensiver beim Bauen als z.B. Holzbauweise. Der Unterschied im CO2-Verbraucht fließt noch nicht in die Energiebilanz mit ein. Das Potential zur Einsparung ist wesentlich größer.

Länder wie Schweden, Norwegen und Deutschland sind Vorreiter in Sachen Umweltschutz und -politik. Wie würden Sie die Nachfrage an Passivhäusern im Ausland beurteilen?

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Deutschland, Österreich, und die Schweiz sind führend im Passivhaus, allerdings ziehen andere Länder nach. Die EU fordert ab 2019 Null-Energie-Gebäude, dass heißt die Häuser erzeugen so viel erneuerbare Energien wie sie verbrauchen – durch diese politische Entscheidung wird es in Zukunft keinen Weg mehr am Passivhaus vorbei geben!

Ist das Passivhaus ein Modell für die Zukunft?

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Das Passivhauskonzept existiert nun schon mehr als 20 Jahre. Kein Baustandard wurde wissenschaftlich detaillierter untersucht als das Passivhaus. Wir sind heute schon ein ganzes Stück weiter. Mittlerweile gibt es Plusenergiehäuser, die mehr Energie pro Jahr erzeugen als sie verbrauchen. Das Passivhaus ist somit die Basis für bessere Konzepte der Zukunft – anders wird es nicht funktionieren.

Wie sieht Ihre Prognose aus?

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Eine große Frage ist natürlich, wie lange es wir uns noch leisten können, Rohstoffe zu verschwenden wie wir es aktuell tun. Alleine die Umweltschäden die durch z.B. Fracking (hydraulisches Aufbrechen) entstehen sind enorm. Dazu hat sich natürlich der ganze Markt in den letzten Jahren sehr stark entwickelt. Vor zehn Jahren war es schwieriger, gute Produkte wie Fenster für Passivhäuser zu finden. Heute gibt es viele Hersteller, die gute Produkte produzieren. Das Passivhauskonzept hat zu dieser Entwicklung wesentlich beigetragen.

Ein Passivhaus hat strenge Standards zu erfüllen. Das einziges Minus was Sie haben ist in Ihren Energiekosten. Sonst steht am Ende überall ein Plus. Ein Passivhaus ist ein Komforthaus. Überall finden Sie ein Mehr an Qualität von der dauerhaften Frischluftzufuhr, es gibt kein Zuggefühl im Haus und die verwendeten Materialen sind hochwertiger.

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