Dekorationsmythen – was stimmt wirklich?

Sabine Neumann Sabine Neumann
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Wenn es um das Einrichten und Dekorieren der eigenen vier Wände geht, ist grundsätzlich natürlich alles erlaubt, was gefällt. Schließlich sollen und wollen wir uns in unserem Zuhause einfach nur selbst rundum wohlfühlen und damit keinen Einrichtungsexperten beeindrucken. Doch auch wenn unsere Wohnung nicht für den Hochglanzkatalog gestaltet werden soll, hat wohl jeder von uns schon von diversen (vermeintlichen) Regeln gehört, die man angeblich unbedingt beachten soll, wenn es um die Einrichtung eines Hauses geht. Einige dieser Empfehlungen sind allerdings schlicht und einfach längst überholte und veraltete Dekorationsmythen, die schon lange nicht mehr gelten, wenn sie denn jemals tatsächlich gegolten haben. Wir erklären und widerlegen heute sechs dieser falschen Einrichtungslegenden.

1. Dunkle Farben lassen jeden Raum kleiner wirken

ausgefallene Wohnzimmer von Diff.Studio
Diff.Studio

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Es ist ein ungeschriebenes Gesetz im Interior Design, dass helle Farben kleine Räume optisch größer zaubern. Daran wollen wir auch gar nicht rütteln, aber der Umkehrschluss, dass dunkle Farben jedes Zimmer kleiner und beengter erscheinen lassen, stimmt so nicht unbedingt. Tatsächlich sind dunkle Töne wie ein Grau, Schwarz oder Dunkelblau gerade auf dem Vormarsch bei den Einrichtungstrends, sowohl was Möbel und Wohnaccessoires angeht als auch in Sachen Wandfarbe. Kein Wunder: Dunkle Farben zaubern ein sehr elegantes, intimes und geheimnisvolles Ambiente und bilden eine willkommene Abwechslung zu all dem strahlenden Weiß der letzten Jahre. Allerdings sollte man gerade in kleinen Zimmern tatsächlich nicht auf eine dunkle Ton-in-Ton-Optik setzen, sonst wirkt das Ganze schnell zu düster und eng. Stattdessen gilt es, mit Nuancen zu spielen, Kontraste zu setzen und Lichtverhältnisse optimal auszunutzen. Mit unterschiedlichen Texturen und Strukturen kommt Leben in den Raum, mit Spiegeln und großen, freien Fenstern viel Licht herein. Darüber hinaus sollte man darauf achten, dass sich die dunkelsten Teile des Zimmers direkt am Fenster befinden beziehungsweise durch verschiedene Lichtquellen beleuchtet werden. Als eleganter Gegenpol zu dunklem Grau und Blau eignen sich übrigens wunderbar Edelmetalle wie Gold, Silber oder Kupfer.

2. Kein Mustermix

 Haushalt von DESDEDIEGO DECORACIÓN
DESDEDIEGO DECORACIÓN

HARLEQUIN FABRICS

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Langezeit war es verpönt und galt als unmöglich, verschiedene Muster miteinander zu kombinieren. Zum Glück ist diese langweilige Einstellung Schnee von gestern und gehört zu den Dekorationsmythen, die wir hier aufdecken wollen. Heute wissen wir nämlich, dass Streifen zu Karos und Punkte zu Rauten wunderbar aussehen können. Wir mixen munter zackige Chevronprints und verspielte Blüten, Quer- und Längsbalken, Kreise und Dreiecke, Animal Print und Polka Dots – und erzielen so eine eindrucksvolle, individuelle Wirkung und eine persönliche Handschrift in unseren vier Wänden. Allerdings gibt es beim munteren Mischen auch einige Spielregeln, damit das Gesamtergebnis auch wirklich stimmig und harmonisch wirkt. So sollten die unterschiedlichen Muster unbedingt aus der gleichen Farbfamilie stammen und auch die restlichen Möbel und Accessoires im Raum diese Farben aufgreifen. Generell vertragen sich auffällige Muster am besten mit klaren und reduzierten Formen und Silhouetten. Streifen sind übrigens der beliebteste und bewährteste Print-Partner, denn sie schaffen mit ihrer ruhigen Gleichmäßigkeit einen unaufgeregten Gegenpart zu auffälligeren Mustern.

3. Kunstwerke immer auf Augenhöhe

The Roof of Paris Poster: landhausstil Arbeitszimmer von JUNIQE
JUNIQE

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In der Regel wirken Kunstwerke und Bilder an der Wand am besten, wenn sie auf Augenhöhe, also in etwa auf 1,60 m Höhe, hängen und so den Betrachter direkt ansprechen. Wir wissen: Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Deshalb pfeifen wir auf diese spießige Vorgabe und hängen unsere Bilder so auf, wie es uns gefällt. Gegenüber vom Sofa zum Beispiel wirken Kunstwerke viel besser, wenn sie ein wenig tiefer angebracht werden, da man sie von dort aus meistens im Sitzen betrachtet. Am eindrucksvollsten wirken Bilder aber sowieso in Gruppen, wobei es mehrere Möglichkeiten gibt, sie in Szene zu setzen. Ob ordentlich und harmonisch bestimmten Kanten und Linien folgend oder scheinbar willkürlich gemischt, bleibt ganz eurem persönlichen Geschmack überlassen. Aber auch einzelne Bilder müssen nicht unbedingt auf Augenhöhe aufgehängt werden. Je nachdem, welche Möbel und Wohnaccessoires dazukommen, kann ein Kunstwerk auch ein wenig höher oder niedriger sehr interessant wirken.

4. Silber und Gold niemals mixen

Fototapete Meander:  Wände & Boden von fototapete.de
fototapete.de

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In der Mode wie im Interior Design hielt sich lange der Mythos, man dürfe Edelmetalle nicht miteinander kombinieren. Gold und Silber zusammen tragen oder dekorieren? Bloß nicht! Zum Glück gehört auch dieser Dekorationsmythos der Vergangenheit an, denn Gold und Silber oder auch eines der beiden Metalle in Verbindung mit Kupfer oder Bronze macht optisch ganz schön was her und verleiht jedem Outfit genauso wie jeder Einrichtung das gewisse Etwas. Der Kontrast zwischen Gold und Silber schafft nämlich durch seine Kombination aus warm und kalt einen sehr frischen, modernen Look. Damit der muntere Mix der edlen Metalle nicht zu dekadent wirkt, empfehlen Experten, auf verschiedene Texturen und klare, schnörkellose Formen zu setzen. Das Spiel aus matt und glänzend wirkt sehr stylish und reduzierte Silhouetten nehmen den Edelmetallen ihre Opulenz und verleihen ihnen stattdessen eine moderne, unaufgeregte Eleganz.

5. Künstliche Blumen und Pflanzen sehen billig aus

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fleur ami GmbH

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Grünpflanzen und schöne Blumenarrangements gehören für die meisten von uns zur perfekt dekorierten Wohnung unbedingt dazu. Leider verfügt aber nicht jeder über den berühmten grünen Daumen beziehungsweise über ausreichend Zeit und Muße, die floralen Mitbewohner angemessen zu hegen und zu pflegen. Deshalb stellen künstliche Pflanzen eine beliebte Alternative dar, der Deko-Fans allerdings häufig mit hochgezogener Augenbraue und gerunzelter Stirn entgegentreten. Lange Zeit galten Kunstblumen und -pflanzen nämlich als billig und unattraktiv – einer der veralteten Dekorationsmythen, die so nicht mehr stimmen. Heute gibt es täuschend echt aussehende Modelle aus den unterschiedlichsten Materialien, die man selbst bei ganz genauem Hinsehen nicht als künstliche Kopie identifizieren kann. Wer sich also das Gießen, Düngen und Kümmern sparen will, greift zu unechten Alternativen und freut sich trotzdem über eine grüne Oase in den eigenen vier Wänden.

6. Möbel müssen an die Wand

moderne Wohnzimmer von lluiscorbellajordi
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‘Rehbailitacion edificio en Gracia’

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Häufig redet man sich ein, dass Möbelstücke möglichst an der Wand stehen müssen, damit ein großzügiges Raumgefühl entsteht. Gerade Sofas und Betten werden liebend gerne an Wände gerückt, weil man das Gefühl hat, man müsse etwas Starkes, Schützendes hinter sich haben. Experten empfehlen, mit solchen Einrichtungsmythen ruhig mal zu brechen und stattdessen die Möbel mal ganz anders anzuordnen. Moderne Sofalandschaften sind zum Beispiel sehr flexibel und müssen nicht unbedingt in spießiger Eintracht gemeinsam an einer Wand stehen, genauso wie Regalwände. Rückt doch einfach mal eure Couch so weit von der Wand weg, dass ihr dahinter bequem vorbeilaufen könnt – und schon entstehen ganz neue Blickwinkel, Perspektiven und Möglichkeiten.

Welchen Dekorationsmythos haltet ihr für absolut falsch? Wir freuen uns auf eure Kommentare.
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