Neue Fenster und Türen: Welches Material sollte ich wählen?

Jonas Sudberg Jonas Sudberg
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Der Wahl der Fenster und Türen kommt bei der Gestaltung eines Hauses eine Schlüsselrolle zu – denn sie gelten vielen Bauherren und Architekten als das Gesicht des Hauses. Doch neben ästhetischen Fragen spielt vermehrt auch der Aspekt der Energieeffizienz eine Rolle: Durch die Wahl des richtigen Materials und der besten Bauweise können mit Fenstern die Heizkosten drastisch gesenkt werden. Damit werden nachhaltige Einsparungen möglich; auch der Einbau neuer Fenster in ein bestehendes Objekt kann sich schon nach wenigen Jahren als lohnende Investition erweisen.

Aktuell werden insbesondere drei Materialien für den Fenster- und Türenbau verwendet: Holz, PVC und Aluminium. Daneben etablieren sich seit einiger Zeit intelligente Materialmixe, die die Vorzüge verschiedener Werkstoffe kombinieren. Dieser Artikel präsentiert einen Überblick über die diversen Varianten, die Bauherren zur Verfügung stehen, und zeigen Vor- und Nachteile der verschiedenen Materialien und Materialkombinationen auf.

Die Kosten im Blick

Ferienhaus mit Holzfassade:  Fenster von Möhring Architekten
Möhring Architekten

Ferienhaus mit Holzfassade

Möhring Architekten

Neue Fenster und Türen bedeuten für Eigentümer in der Regel eine hohe Investition. Denn neben den Kosten für das Rohmaterial müssen sie in der Regel auch den Einbau durch qualifizierte Handwerker bezahlen. Bei einem Einfamilienhaus können die Kosten für neue Fenster und Türen inklusive Montage dadurch schnell im fünfstelligen Bereich liegen – auch bei einfachen Kunststofffenstern. Während diese Kosten bei Neubauprojekten von Beginn an einkalkuliert werden, müssen sich Hausbesitzer, die eine Renovierung planen, genau überlegen, ob sich ein Austausch vorhandener Fenster lohnt.

Andererseits lässt sich mit neuen Fenstern und Türen häufig viel Energie sparen. Denn gerade Fenster sind typischerweise energetische Schwachstellen: Über sie dringt Kälte in Haus und Wohnung, während Wärme entweicht. Experten gehen davon aus, dass 15 Prozent der Energie über die Fenster verloren geht. Die Folge sind in der Regel hohe Heizkosten. Moderne Fenster bieten hingegen oft ein Höchstmaß an Energieeffizienz. Insbesondere eine Mehrfachverglasung hilft dabei, Kosten dauerhaft und nachhaltig zu senken. Der so genannte U-Wert oder Wärmedurchgangskoeffizient gibt Verbrauchern einen Vergleichswert, mit dessen Hilfe sich die Energieeffizienz eines Fensters beurteilen lässt.

Holz: Pro und Kontra

Two Face:  Fenster von Marty Häuser AG

Holz ist bei Hauseigentümern nach wie vor sehr beliebt. Das liegt einerseits an optischen Gründen: Holzfenster gelten nach wie vor als besonders attraktiv und wohnlich. Doch auch technische Aspekte sprechen für den Einbau von Holzfenstern: Denn Holz hat hervorragende Eigenschaften mit Blick auf die Wärmeisolierung. Sind die Fenster fachmännisch hergestellt und montiert, ergeben sich exzellente Werte für die Energieeffizienz. Auch mit Blick auf die Lebensdauer überzeugen Fenster und Türen aus Holz: Mit den entsprechenden Lacken veredelt, trotzen sie Wind und Wetter und können über Jahrzehnte im Einsatz sein. 

Gegen Holz spricht der Preis: Holzfenster und -türen sind meist teurer als ihre Pendants aus Kunststoff. Außerdem müssen sie regelmäßig behandelt werden, damit ihre Langlebigkeit gewährleistet werden kann. Die Intervalle sind allerdings je nach verwendeter Holz- und Veredelungsvariante sehr unterschiedlich: Sie liegen in der Regel zwischen zwei und 15 Jahren. Wer besonderen Wert auf die Ökobilanz legt, sollte außerdem darauf achten, dass die Fenster und Türen mit einem FSC-Siegel für nachhaltige Forstwirtschaft ausgezeichnet sind.

Aluminium: Pro und Kontra

Während Aluminium im gewerblichen Umfeld bereits vielfach verwendet wird, ist es im privaten Bereich noch eine Seltenheit. Dabei gibt es viele gute Gründe für Fenster und Türen aus Aluminium. So sind sie besonders langlebig und robust – auch über viele Jahre zeigen sie sich gegenüber der Witterung als äußerst beständig. Auch in puncto Sicherheit überzeugen sie: Im Vergleich zu Holz- oder Kunststofffenstern und -türen haben es Einbrecher deutlich schwerer, Elemente aus Aluminium aufzuhebeln. Darüber hinaus sind sie besonders pflegeleicht: In der Regel müssen sie nicht nachlackiert werden. Übrigens: Die Gesetze der Statik lassen oft keine Alternative zu Fenstern aus Metall zu: Sehr große Fenster, etwa in modernen Büros, können ausschließlich mit Aluminium- oder Stahlrahmen realisiert werden.


Gegen Fenster und Türen aus Aluminium spricht insbesondere ihre schlechte Öko-Bilanz: Zwar gelten sie mit Blick auf die Wärmedämmung als vorbildlich, doch ist der Energieaufwand für ihre Herstellung enorm. Das schlägt sich auch im Preis nieder: Aluminiumfenster sind deutlich teurer als Fenster aus Kunststoff.

PVC: Pro und Kontra

Gerokstraße:  Fenster von MuG Architekten
MuG Architekten

Gerokstraße

MuG Architekten

Kunststofffenster und -türen gelten Bauherren und Eigentümern oft als eine Kompromisslösung: Sie werden in der Regel aufgrund ihres attraktiven Preises, nicht jedoch wegen eigener Vorzüge eingesetzt. Doch auch dieses Material bietet diverse Vorteile. So sind Fenster und Türen aus PVC insbesondere im Vergleich zu Holzelementen besonders wartungsfreundlich: Sie müssen nicht regelmäßig gestrichen werden, um der Witterung zu trotzen. Außerdem lassen sich mit PVC auch recht einfach Sonderformen (etwa verschiedene Rundbogenfenster) realisieren. Ebenso sind diverse Farben und Dekore möglich. Moderne Kunststofffenster bieten außerdem sehr gute Eigenschaften mit Blick auf die Energieeffizienz; auch halten sie in der Regel eigene Vorrichtungen bereit, die das Regenwasser automatisch ableiten.

Nachteilig wirken einerseits verschiedene Alterserscheinungen, die sich nach einer gewissen Zeit einstellen: In die Jahre gekommen, sehen Kunststofffenster und -türen häufig vergilbt oder ausgeblichen aus. Außerdem wirkt PVC manchmal deplatziert: zum Beispiel an klassischen Altbauten. Auch mit Blick auf die Ökobilanz gerät PVC gegenüber Holz ins Hintertreffen: Die Entsorgung gestaltet sich als vergleichsweise aufwändig.

Materialmixe: Pro und Kontra

Da alle Materialien ihre eigenen Vor- und Nachteile haben, stellen immer mehr Anbieter Fenster und Türen bereit, die verschiedene Materialien kombinieren. Auf diese Weise sollen Hauseigentümer eine Lösung realisieren können, die möglichst viele Vorteile in sich vereint. Zu den gängigen Materialmixen zählen unter anderem Holz-Aluminium- und Aluminium-Kunststoff-Fenster und -Türen.

Holz-Aluminium-Fenster und -Türen gelten als eine der kostspieligsten Varianten: Innen kommen Bewohner in den Genuss einer natürlichen Holzoptik, die ein angenehmes Raumklima schafft, während eine Aluminiumschicht das Fenster bzw. die Tür von außen gegen Wind und Wetter schützt. Für Holz-Aluminium-Fenster und -Türen sprechen exzellente Werte bei der Energieeffizienz sowie eine lange Lebensdauer – bei geringem Pflegeaufwand.

Aluminium-Kunststoff-Fenster und -Türen bestehen in der Regel aus einem stabilen Kunststoffrahmen, der mit einer eleganten Aluminiumschale verkleidet ist. Als Vorteile gelten die Langlebigkeit dieser Konstruktion, der geringe Aufwand bei der Pflege und eine hohe Energieeffizienz. 

Nachteilig kann sich sowohl bei Holz-Aluminium- als auch bei Aluminium-Kunststoff-Fenstern bzw. -Türen die Optik auswirken: Denn eine Aluminiumverkleidung wirkt bei alten Gebäuden häufig fehl am Platz.

Einsparpotentiale und Pflege

Stadthaus Englischviertelstrasse:  Fenster von Bob Gysin + Partner BGP
Bob Gysin + Partner BGP

Stadthaus Englischviertelstrasse

Bob Gysin + Partner BGP

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass fast alle modernen Fenster und Türen erhebliche Einsparpotentiale bieten. Neu gefertigte Elemente aus Holz, PVC oder Aluminium tragen dem aktuellen Ökobewusstsein Rechnung und können dabei helfen, die Heizkosten deutlich zu reduzieren. Neben dem Material kommt es hier allerdings auch auf die Art der Verglasung an: Wer neue Fenster bzw. Türen kauft, sollte sich mindestens für eine Zweifach-, wenn nicht sogar für eine Dreifachverglasung entscheiden. Grundsätzlich empfiehlt es sich, Rat bei einer Fachfirma einzuholen, die mit einem individuellen Angebot den jeweiligen Ansprüchen des Wohnobjekts Rechnung trägt.

Mit Blick auf die Pflege punkten Kunststoff- und Aluminiumelemente sowie Holz-Aluminium- und Aluminium-Kunststoff-Fenster und -Türen im Vergleich zu den klassischen Holzmodellen. Während bei letzteren in regelmäßigen Abständen eine Wartung durchgeführt werden muss, kommen Holz-Aluminium- und Aluminium-Kunststoff-Fenster und -Türen fast ohne regelmäßige Pflege aus.

Der Preis für diesen Komfort ist allerdings eine Optik, die manchen Menschen nach wie vor als unnatürlich erscheint. In Altbauten werden deshalb in der Regel nach wie vor Holzfenster und -türen eingebaut.

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