6 Gründe, weshalb man Cortenstahl einfach lieben muss

Catherina Bernaschina Catherina Bernaschina
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Cortenstahl ist in der heutigen Landschaftsarchitektur ein häufig verwendetes und sehr beliebtes Material. Auch in der Innen- und Außenarchitektur wird Corten zunehmend eingesetzt. Die Geschichte des rauen, erdfarbigen Materials geht bis in die 1930er Jahre zurück, als United States Steel den korrosionsbeständigen Stahlwerkstoff unter dem Namen COR-TEN ein erstes Mal vorstellte. Der Name leitet sich aus den Materialeigenschaften ab und setzt sich aus COR für „corrosion resistant“ und TEN zusammen, das für „tensile strength“ steht. Aufgrund seiner Oberflächenbeschaffenheit und der naturnahen Rostfarbe fügt sich das Material gut in jeden Kontext ein. Das lebendige, ästhetische Material findet in Architektur und Kunst vielseitige Verwendung. Seine puristische Schlichtheit macht seinen modernen Reiz aus. Schaut selbst, mit welchen Vorzügen und in welchen
Lebensbereichen sich Cortenstahl überall effektvoll einsetzen lässt.

Wetterbeständig

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Cortenstahl, auch als wetterfester Baustahl bezeichnet, ist ein legierter Stahl, der durch die Zugabe von Kupfer, Chrom und Nickel seine korrosionsbeständigen Eigenschaften erhält. Bei wetterfestem Baustahl entsteht durch den Wechsel von feuchter und trockener Witterung Rost wie bei unlegiertem Stahl, jedoch mit dem Unterschied, dass eine komplexe Verbindung von Eisensulfaten und Phosphoroxiden mit den Legierungselementen eine fest haftende, undurchlässige Sperrschicht bildet. Diese Schicht macht das Material witterungsbeständig und schützt es vor weiterer Korrosion. Man unterscheidet zwischen den Typen Corten A und Corten B. Beim ersteren Werkstoff handelt es sich um wetterfesten phosphorlegierten Baustahl mit einer Dicke bis 100 mm. Corten B hingegen ist nicht phosphorlegiert und besitzt zudem eine gute Schweißeignung sowie Kalt- und Warmumformbarkeit. Aufgrund seiner Eigenschaften kommt Corten B vor allem für geschweißte, geschraubte Konstruktionen zum Einsatz, etwa im Stahlhochbau, im industriellen Anlagebau oder im Brückenbau.

Langlebig und günstig

Rost ist eigentlich der ärgste Feind des Stahls. Auf Cortenstahl trifft dies nicht zu. Im Gegenteil: Die witterungsbeständige Rostschicht verlangsamt den Abrostprozess enorm. Die Ausbildung der typischen schützenden Cortenschicht (Oxid-Patina) durch natürliche Oxidation dauert je nach Witterungsverhältnissen bis zu drei Jahre. Damit im Fassadenbau dieser Prozess möglichst schnell vonstattengeht, kann man diesen nach der Fassadenmontage mit künstlichen Nass-/Trocken-Zyklen beschleunigen. Wer Cortenstahl für die Hausfassade einsetzen will, sollte berücksichtigen, dass die erstgebildete Rostschicht abrostet und daher auf anliegenden Baustoffen Rostflecken zurücklassen kann. Bei der Planung ist besonders darauf zu achten, Kontakt mit anderen unedleren Metallen zu verhindern. Alle mit witterungsfestem Baustahl in Kontakt stehenden Metalle, müssen aus Edelstahl oder pulverbeschichtetem Aluminium bestehen. Zwar sind bei Cortenstahl die Erstellungskosten höher als beim normalen Baustahl. Betrachtet man aber die Gesamtkosten über die Lebensdauer von Corten-Konstruktionen, sind beträchtliche wirtschaftliche Vorteile bei der Verwendung dieses besonders haltbaren Stahltyps zu erkennen.

Ästhetisch

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Neben seiner hohen mechanischen Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit wird Corten für seine ästhetischen Eigenschaften geschätzt. Der natürlich-erdige Rostfarbton lässt sich in die verschiedensten innen- und außenarchitektonischen Kontexte integrieren. Aufgrund seiner Resistenz gegenüber Witterungseinflüssen und wegen seiner charakteristischen Patina wird Cortenstahl vorzugsweise für Akzente in der Architektur eingesetzt, wie etwa für die Fassadenverkleidung, aber auch für Abschlussarbeiten. Die Gestaltungsmöglichkeiten mit Cortenstahl gehen jedoch weit über den Verkleidungsbau hinaus. Längst hat sich das Material auch im Wohnbereich durchgesetzt. Ob als Wandverkleidung, Esstisch oder Badezimmerspüle, Cortenstahl ist ein Werkstoff, der aus der avantgardistischen Wohneinrichtung nicht mehr wegzudenken ist. Das Material ist mit seinem erdtönernen, orangebraunen Grundton genau das Richtige für Leute, die zwar die Eigenschaften von Stahl zu schätzen wissen, jedoch auf eine warme Ausstrahlung Wert legen. Die rostige Sperrschicht von Cortenstahl muss ihre Reife schon erlangt haben, bevor der Werkstoff im Hausinneren eingesetzt werden kann. Corten-Möbel sind für gewöhnlich speziell versiegelt, damit ihre Oberfläche nicht abfärbt und abriebfest bleibt.

Kunstvoll

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Aufgrund der ästhetischen Vorzüge und der Umformbarkeit des Materials hat auch die zeitgenössische Kunst Cortenstahl längst für sich entdeckt. Der wetterfeste Baustahl mit seiner ausgeprägten Patina täuscht ein fortgeschrittenes Alter vor, obwohl gerade die Schutzschicht die weitere Korrosion verzögert. Dies ist mitunter ein Grund, weshalb Künstler dieses Material bevorzugt für den Bau ihrer Skulpturen  verwenden, die für den Aussenbereich gedacht sind. Cortenstahl-Kunstwerke sind in ganz Europa in vielen Freiräumen zu bewundern. Im Murtensee in der Schweiz z.B. steht der Corten-Monolith, der die Hauptattraktion der Expo.02 war. Oder kennt ihr das 12 Meter hohe Cortenstahl-Kunstwerk von Richard Serra, das in Bochum aufgestellt ist? Das Werk des amerikanischen Bildhauers mit einem Faible für industrielle Stoffe wurde in der Stadt aufgrund seines Material sogar zum Wahlkampfthema. Ein weiterer bedeutender Künstler, der mit Cortenstahl arbeitet, ist der Spanier Eduardo Chillida, der mit seinen Monumenten nicht nur seine Heimat Spanien, sondern u.a. auch Berlin mit seinen eindrücklichen Cortenstahl-Kunstwerken verschönert hat. Cortenstahlkunstwerke sind aber nicht nur ein Hingucker im Freiraum, sondern werden von Kunstliebhabern auch zunehmend zur Verschönerung ihrer privaten Räume eingesetzt.

Naturnah

Cortenstahl ist beliebig formbar und universell verwendbar. Aufgrund seiner zersetzungsverzögernden, absperrenden Eigenschaften ist er auch ideal für den Gartenbereich, der von einer feuchten Umgebung geprägt ist. Der erdige Farbton des gezielt gerosteten Stahls wirkt warm und natürlich und lässt sich daher sehr gut mit der Pflanzenwelt kombinieren. Ob als Garten-Skulptur, Vase, Sichtschutzmauer, Feuerstelle, oder als Beeteinfassung, mit Corten könnt ihr den Außenbereich von eurem Haus elegant und zugleich naturnah aufwerten und kreativ gestalten. Auch Brunnen aus Cortenstahl sind in Gärten immer häufiger anzutreffen. Die zeitlosen Farben, die sich mit der fortschreitenden Zeit intensivieren, das hochwertige Material und die individuellen Verarbeitungsmöglichkeiten von Corten verbinden Architektur und Natur auf besonders harmonische Art.

Flexibel

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Das eingetragene Markenzeichen Corten ist im Handel in Form von Blechen wie Quartoblech, Bandblech, Spaltband und Coils erhältlich. Das Material hat im Vergleich zu weichen Stählen eine etwas größere Härte. Cortenstahl kann ungeachtet seiner mineralischen Oberfläche gebogen, perforiert oder mit der Blechschere zugeschnitten werden. Es kann auch mit allen handelsüblichen Holzbearbeitungswerkzeugen gebohrt, gefräst und geschliffen werden. Der wetterfeste Blechstahl ist sowohl manuell als auch maschinell bearbeitbar. Mit dem richtigen Schweißwerkzeug und Zusatzwerkstoff könnt ihr Cortenstahl auch schweißen. Das Material Corten ist zudem auch mit herkömmlichem Stahl verschweißbar. Geschweißte Verbindungen besitzen gegenüber geschraubten Verbindungen den Vorteil, dass sich keine Spalten bilden, in die Schäden verursachende Feuchtigkeit gelangen kann. Cortenstahl ist auf den Punkt gebracht ein wahres Zukunftsmaterial: Es ist zum einen äußerst stabil und dauerhaft und somit durchaus wirtschaftlich. Zum anderen besticht das Material durch eine einzigartige, natürlich-zeitlose Ästhetik, mit der es Kunst und Architektur seit fast einem Jahrhundert in seinen Bann zu ziehen vermag.

Was mögt ihr am Cortenstahl? Was macht das Material besonders für euch?
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