Überraschende Fakten: Wie Architektur unser Unterbewusstsein beeinflusst

Thomas Hauser | Copywriter | Editor Thomas Hauser | Copywriter | Editor
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Ein Gebäude definiert sich zuallererst einmal durch seine Formgebung, dem wesentlichsten Element seiner Gestaltung. Der Körper dehnt sich dabei in drei verschiedene Richtungen aus: seine Höhe, seine Breite und seine Tiefe definieren die Grenzen seiner Form und die Art und Weise, wie wir ihn wahrnehmen. Wiederholen sich bei der Formgebung die Grenzen des Körpers regelmäßig in Struktur und Länge anhand eines Mittelpunktes, sprechen wir im Volksmund von einer bestehenden Symmetrieachse, das Gebäude steht für das menschliche Auge im Gleichgewicht und suggeriert Ausgeglichenheit und vermittelt Stabilität.

Suggestion ist sowieso ein wichtiger Faktor für den menschlichen Körper: Genau wie Farbgebungen haben auch Formen unmittelbar einen großen, subjektiven Einfluss auf die Wahrnehmung und Gefühlswelt jedes Menschen, bestimmen dessen Handeln, vermitteln positive und natürlich auch negative Emotionen oder verstärken dessen Haltungen. Natürlich geschieht dieser Vorgang meist unbewusst und wird vom Individuum nicht unmittelbar registriert, bleibt sogar oft im Verborgenen. Stellt sich die Frage, welchen Mustern diese Beeinflussungen folgen. Oder anders gesagt: Welche Formgebung hat welchen Einfluss auf unser Befinden? Dieser Frage sind wir einmal nachgegangen und versuchen sie im Folgenden zu beantworten. 

Eine runde Sache

Beim Bau des Eigenheimes wird eigentlich immer eine eckige Form bevorzugt. Vielleicht liegt es an der Gewohnheit, Häuser auf diese Weise zu errichten, schließlich definiert sich das klassische Gebäude nunmal seit Jahrhunderten durch seine viereckiges Äußeres. Auch die Finanzierung können ein Faktor sein, denn ein runder Wohnkörper ist in der Konstruktion aufwendiger als der alltägliche und überall gegenwärtige eckige Bau, erfordert spezielle Materialien, die extra hergestellt werden müssen und ist dadurch auch einfach kostenintensiver. Ein eckiger Raum dagegen erfordert keine außergewöhnlichen Vorkenntnisse, er lässt sich schnell und einfach aus standardisierten Materialien errichten.     

Erstaunlich, diese Fixierung auf eckige Gebäude, besonders wenn man bedenkt, dass runde Formen nachweislich vom Menschen bevorzugt werden. Wir empfinden sie als angenehm, ja sogar friedlich und greifen – wie psychologische Tests ergeben haben – bei Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs viel eher auf Dinge in runden Formen als mit einem eckigen Design zurück. Experten erklären dieses Gefühl zum einen nach der menschlich gegebenen Angst, sich an scharfen Kanten zu verletzen, zum anderen am eigenen Harmoniebedürfnis: Ein runder Raum vermittelt von seiner Ästhetik dem Menschen ein Gefühl der Sicherheit, der inneren Geschlossenheit, des Wohlbefindens.

Gelebte Stabilität

Musterhaus Mannheim 159: moderne Häuser von Licht-Design Skapetze GmbH & Co. KG

Selbstverständlich bedeutet das nicht, dass rechteckige oder kubische Räumlichkeiten per se negativ behaftet sind. Vielmehr vermitteln sie uns durch ihre gerade, einheitliche Struktur ein Gefühl der Balance, der Ausgeglichenheit und der Stabilität, sie steigern also unsere innere Ausgewogenheit, was gerade in stressigen Situationen durchaus seinen Nutzen hat. Eine klar proportionierte Formgebung, verbunden mit gleichmäßiger Anordnung von Fenster und Türen, verstärken diese Gefühlsregungen zusätzlich.

Gleichzeitig stehen rechteckige Gebilde wie ein zuverlässiger Fels in der Brandung, halten den unruhigen Wetterverhältnissen locker stand, sind stark und unbezwingbar. Schon im alten Griechenland verband man mit der Form des Würfels die Figur des Mannes. Männlichkeit und Härte gelten als herausragende Eigenschaften eines Kubus, jedoch ohne den Rückschluss des affektiven Handelns, sondern auf vernunftgewirkter Basis.

Vertikale Stärke

Innen-Und Aussenaufnahmen einer Villa im Privatgebrauch: moderne Häuser von SONJA SPECK FOTOGRAFIE
SONJA SPECK FOTOGRAFIE

Innen-Und Aussenaufnahmen einer Villa im Privatgebrauch

SONJA SPECK FOTOGRAFIE

Ein klar definierter Aufbau des Gebäudes vermittelt ein Gefühl der Stabilität – so weit wäre das schon geklärt. Jetzt kommt natürlich die Frage auf, inwiefern die Ausrichtung der Linienführung darauf einen Einfluss hat – keinen geringen, soviel lässt sich sagen. Ein Gebäude mit vertikalen Grundstrukturen zum Beispiel vermittelt zusätzlich einen festen Stand und ist dynamischer als die waagerechte Ausrichtung, da sie nach oben strebt. 

Gleichzeitig steigt bei einer großen Diskrepanz zwischen Höhe und Breite allerdings auch das subjektive Kältegefühl. Gut zu beobachten ist dies bei hohen Wolkenkratzern, die zudem zumeist aus kalt anmutenden Materialien wie Metall oder Glas hergestellt sind: Wohl kaum jemand wird deren Fassade als warm und gemütlich beschreiben. Eher steht bei solchen Objekten die Sachlichkeit im Vordergrund. 

Horizontale Beruhigung

Kommen wir zur gegenteiligen Linienführung: der wagerechten Variante. Mit dem Horizont in der Waagerechten liegende Formen werden oft als hell und klar umrissen definiert. Im Gegensatz zu abgeschrägten Wänden wirken sie besonders harmonisch, vermitteln Ruhe und Geborgenheit. 

Waagerechte Strukturen verbleiben auf ihrem Level, sind sanft und trotzdem standhaft. Damit stehen sie im Gegensatz zu vertikalen Bauten. Die Betonung auf der waagerechten Struktur (die Breite des Gebäudes ist zumeist größer als die Höhe) vermittelt einen liegenden Eindruck, ohne jedoch ein Gefühl von Trägheit beim Beobachter zu verursachen. Architekten benutzen diese Art des Körpers gerne bei Gebäuden, die in der freien Natur stehen, schmiegt sich das Bauwerk doch so perfekt in die bestehende Landschaft ein. Naturverbundenheit und Robustheit zeichnet diesen Gebäudetyp aus.

Sanfte Kurven

Familie R., Mittelrheintal:  Häuser von Optigrün international AG
Optigrün international AG

Familie R., Mittelrheintal

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Wie wir bereits wissen, rufen Formen im menschlichen Organismus – bewusst oder unbewusst – gewisse Gefühle und Stimmungen hervor beziehungsweise verstärken diese. Der Mensch handelt auf dieser Grundlage also affektiv, gefühlsbetont. Besonders ist das bei einer Gebäudearchitektur zu beobachten, die sich durch sanfte Schrägen und Kurven definiert. Runde Gebäude werden – wir erinnern uns an die Kreisform – immer als sanft empfunden, sie stehen seit Jahrhunderten für eine feminine Art des Ausdrucks. Eine Rundung ist immer eingefasst, gibt einen sicheren Rückhalt, ein Weg zur perfekten Symmetrie. 

Dabei verlieren sie allerdings nichts von ihrer Stabilität: Auch runde Körper sind beim Häuserbau an waagerechte oder senkrechte Verhaltensmuster gebunden. In diesem Fall wölbt sich die Fassade sogar herausfordernd und trotzig der unberechenbaren Umwelt entgegen. Wärme und Geborgenheit im Inneren, Schutz vor dem Äußeren, diese Verhaltensmuster strahlt so ein Gebäudekörper perfekt aus.

Dynamische Ecken

Dynamische Linien vermitteln dem Beobachter immer ein Gefühl von Bewegung. Dabei geht man von 2 richtungsweisenden Gefühlsübertragungen aus: Von links nach rechts aufsteigende Wände gehen für den Beobachter immer nach oben, von links nach rechts abfallende Schrägen immer nach unten. Dabei durchbricht die Formgebung mit einfachsten Mitteln die menschliche Wahrnehmung, sieht doch eine Person immer zuerst die Zusammenhänge, das große Ganze. Durch ein uncharakteristisch schiefer Winkel, eine ungerade Wand, ein asymmetrisches Gebilde fixieren wir uns gleich auf einzelne Teilbereiche der Konstruktion. Ein Stilmittel, dass besonders in den letzten Jahren in der Architektur immer beliebter wurde.

Zum Schluss darf ein wichtiger Faktor nicht vergessen werden: die passende Beleuchtung! Ansprechendes und die Grenzen des Körpers einfangendes Licht betonen dessen emotionale Stimulierung zusätzlich. Passende Lichtverhältnisse geben dem Wohnkörper erst die Ausstrahlung, für die er stehen soll, sich auszeichnet, sich definiert. Warmes, indirektes Licht beispielsweise vermittelt beziehungsweise verstärkt beim Betrachter das Gefühl von Ruhe und Gelassenheit, bringt das innere Ungleichgewicht in die Waagerechte und betont die Form des Körpers – ein Zustand, der uns allen als Wohlfühlatmosphäre nicht unbekannt ist. 

Ganz zum Schluss noch mal eine kleine Erinnerung: Designer sind keine ausgebildeten Psychologen! Sie nutzen Formgebungen mehr aus ihrem ästhetischen Charakter, denn ihrer emotionalen Wirkung. Zwar kennen auch sie den psychologischen Nutzen bestimmter Farb- oder Formgebungen, wer jedoch tiefer zur Basis vordringen will, sollte auf einen in dieser Thematik spezialisierten Fachmann zurückgreifen.

Wie steht ihr zu dem Thema? Lasst es uns wissen und hinterlasst einen Kommentar!
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