Wie lerne ich Zeichnen?

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Ein Haus zu errichten oder ein bestehendes Gebäude umzubauen ist keine leichte Aufgabe, vielmehr erfordert solch ein Projekt von der ersten Idee bis zur endgültigen Schlüsselübergabe jede Menge Arbeit. Beim Hausbau ziehen viele Hände an einem Strang: Maurer gießen das Fundament und errichten die Grundmauern, Zimmermänner konstruieren den Dachstuhl, der im Anschluss von Dachdeckern mit Schindeln oder Dachpfannen verkleidet wird – die Grundkonstruktion des Gebäudes steht. Weiter geht es im Inneren, wo sich Elektriker, Installateure, Fliesenleger und andere die Klinke in die Hand geben. Jeder von ihnen hat ein bestimmtes Spezialgebiet, alle sind nur temporär an dem Projekt beteiligt. Alle, bis auf eine bestimmte Person.

Diese Person ist niemand Geringeres als der Architekt, der vom ersten Spatenstich bis zur endgültigen Fertigstellung des Gebäudes die Fäden in der Hand hält. Seine Pläne geben den einzelnen Handwerksbetrieben vor, wie sie zu arbeiten haben, wann ihr Werk verrichtet werden sollte und wie das Ergebnis auszusehen hat. Je nach Größe des Projektes sind deshalb ganze Teams Monate, ja in manchen Fällen sogar Jahre bei der Planung, Ausführung, Betreuung und Kontrolle einzelner Bauvorhaben eingespannt. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die einiges an Können verlangt. 

Das beginnt schon in der Planungsphase: Ob kompletter Neubau oder der Umbau bzw. die Restaurierung eines bestehenden Objektes, ob Fassadengestaltung oder Innendesign, ob am Computer erstellter, millimetergenauer Bauplan oder freigezeichnete Visualisierung eines Raumes: Ein Architekt muss nicht nur Kreativität und Köpfchen beweisen, er muss es zudem auch zeichnerisch umzusetzen wissen. Für jeden, der sich in dieser Königsdisziplin der Architektur selbst einmal probieren möchte, haben wir im Folgenden einige wichtige Tipps und Tricks.

1. Von der groben Skizze zur feinen Zeichnung

Bad-Raum im Schlafzimmer: moderne Schlafzimmer von Raumagentur - ArteFakt
Raumagentur – ArteFakt

Bad-Raum im Schlafzimmer

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Am Anfang jedes Bauvorhabens steht immer eine Idee, ein Entwurf, eine Vorstellung, die der Architekt grob auf einem Blatt Papier skizziert. Architektur ist zwar millimetergenaue Arbeit, in dieser Phase geht es aber rein um die Visualisierung des Projektes, zeichnerische Feinheiten sind in dieser Phase also noch nicht gefragt. Vielmehr geht es um eine grundsätzliche Verdeutlichung, ein früher Entwurf, wie das Gebäude später aussehen könnte, erstellt nach den ersten wagen Vorstellungen des Bauherren. Dementsprechend reicht für die ersten, rein konzeptionellen Zeichnungen ein weiches Arbeitsgerät, beispielsweise ein Farbstift oder auch ein Stück Holzkohle, vollkommen aus. 

Wird das Vorhaben langsam konkreter, ändert sich auch die zeichnerische Herangehensweise – die Skizzen werden nach und nach feiner. Daraus resultierend haben auch grobe Zeichengeräte ausgedient, man greift zu akkurateren Stiften mit einer dünnen Spitze. Das hat natürlich auch den Vorteil, dass sich jetzt auch bestimmte Nuancen wesentlich genauer darstellen lassen – in dieser Phase sind konkrete Baumaße wie Abstände und Weiten noch nicht eingezeichnet, das dargestellte Objekt vermittelt jedoch schon die späteren Größenverhältnisse des Gebäudes oder Raumes annähernd wider.

2. Perspektivisch Zeichnen

Das perspektivische Zeichnen eines Gebäudes oder Raumes gehört zu den absoluten Grundlagen in der Architektur und ist entscheidend für den späteren Blickwinkel, in dem wir das Objekt sehen. In der grundliegenden Herangehensweise richtet sich die Perspektive immer am Horizont sowie dem Fluchtpunkt, der auf der Horizontallinie liegt, aus. Die Höhe des Horizontes bestimmt zunächst einmal unsere Sicht, liegt er beispielsweise in der Zeichnung weit oben, wird auch das Objekt eher von oben dargestellt. Eine tiefe Horizontallinie lässt das Ganze wiederum sehr groß erscheinen, wir sehen von einem tiefen Blickpunkt auf das höhere Objekt. Ein mittiger Horizont ist die gängigste Variante, hier wirkt es als würde der Betrachter mit seinen eigenen Augen die Szenerie im Blick haben.

Kommen wir zum Fluchtpunkt, auf den alle vom Betrachter wegführenden Linien ausgerichtet sind: Durch den Fluchtpunkt stellen wir erst die Dreidimensionalität des Objektes entsprechend dar. Natürlich kann es mehrere solcher Punkte innerhalb einer Zeichnung geben, zu Beginn ist jedoch die Einpunkt-Variante die am einfachsten zu erlernende. Ein simples Beispiel: Zeichnet man den Fluchtpunkt in der Mitte des Papiers ein und führt von ihm zwei sich voneinander entfernende Linien in die eigene Richtung, dann erhält man einen Weg, der in der Distanz immer dünner wird und sich dann am Horizont verläuft – schon haben wir eine perspektivische Darstellung gezeichnet! 

Perspektivisches Zeichnen ist per se nicht schwer – man muss sich nur an ein paar simple Grundregeln halten. Leider reicht der Platz an dieser Stelle für eine ausführliche Erläuterung bei weitem nicht aus, doch im Internet finden sich unzählige passende Erklärungen und Beispiele zu dem Thema!

3. Schatten schaffen Atmosphäre

Bei der genaueren Darstellung der Details – egal ob es sich dabei um ein ganzes Haus oder nur einen einzelnen Raum handelt – sind Schatten perfekt, um den Lichteinfall und die spätere Atmosphäre zu vermitteln. In der Natur sind sie Normalität, weshalb also auch nicht in der angefertigten Zeichnung? Den perfekten Schattenfall darzustellen ist kein Hexenwerk, auf die Technik kommt es an. Das passende Arbeitswerkzeug hat eigentlich jeder zu Hause: Bleistifte! Je mehr verschiedene Stärken davon zum Einsatz kommen, desto kontrastreicher wirkt am Ende das Ergebnis. 

Das Werkzeug ist bereit, kommen wir zum Licht: Bei Zeichnungen eines Innenraumes sollten sie einen Punkt definieren, von dem der Lichteinfall ausgehen soll. Je höher dieser Punkt liegt, desto kleiner sind auch später die Schatten. Die Vorgehensweise ähnelt dabei der, die beim Fluchtpunkt angewandt wurde. Im Anschluss betrachten sie die Objekte im Raum – Wie würde in der Realität vom Lichteinfall ausgehend der Schatten des Objektes aussehen? Näher am Lichtpunkt liegende Schatten sollten dunkler dargestellt werden als die, die weiter vom Lichtpunkt entfernt sind. Dann einfach die Schatten einzeichnen und schon merken wir, dass der Raum auf einmal wesentlich plastischer dargestellt ist – er wirkt einfach realistischer!

4. Fenster und Türöffnungen unauffällig schattieren

Bei der Visualisierung des Raumgefüges sollten natürlich auch die Wandöffnungen, also Fenster und Türen, mit eingezeichnet werden. Im Gegensatz zum Rest des Raumes sollten diese – von ihren Rahmen mal abgesehen – jedoch unauffällig schraffiert werden. Weshalb das so ist, ist schnell erklärt: Der Fokus der Zeichnung liegt auf der Darstellung des Innenraumes und sollte sich deshalb auch auf diesen Bereich beschränken. Dinge außerhalb dieses Strukturgefüges sollten also nicht weiter betont werden – sie lenken vom eigentlichen Handlungsbereich ab. Dunkel schattierte Fenster schaffen zudem bei Betrachtung des Bildes ein Gefühl der Raumtiefe – die Zeichnung wirkt so wesentlich realistischer in ihrer Darstellung. Wie bei Schattierungen auch bietet sich als Arbeitswerkzeug ein simpler Bleistift an, mit dem man die leeren Flächen füllt.

An dieser Stelle ein kleiner Tipp: In der Übungsphase braucht man nicht unbedingt professionelle Materialien, am Anfang reichen die zu Hause vorhandenen Stifte vollkommen aus. Sollte man wirklich tiefer in die Materie eintauchen, ist der Besuch eines Fachgeschäftes für Künstlerbedarf sinnvoll – hier kann man für gewöhnlich jede Art an Stiften vor Ort ausprobieren. Grundsätzlich ist es auch egal, ob man als Zeichenmaterial ein Skizzenbuch oder einen Block nimmt, nur ausreichend dick sollte das Papier sein, damit die Zeichnung nicht durchdrückt. Bücher sind meistens praktischen in Handhabung und Transport, zudem kann man seine Gedankengänge leichter nachvollziehen – einfach zurückblättern und schon hat man sich schnell einen Überblick verschafft.

5. Darstellung der verschiedenen Materialien

Süd Skizze:   von Bauten die
Bauten die

Süd Skizze

Bauten die

Wie in der Realität geplant, sollte ebenfalls in der Zeichnung die Strukturen der verschiedenen zur Anwendung kommenden Materialen, beispielsweise bei der Fassadengestaltung, naturgetreu dargestellt werden. Nicht nur, dass man selbst sich das Projekt viel genauer vorstellen kann, auch für Außenstehende ist das geplante Vorhaben deutlich besser nachzuvollziehen, das räumliche Vorstellungsvermögen wird durch den Einsatz der verschiedenen Strukturen erhöht.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man die Wechselwirkungen zwischen den Materialien sieht: Passt der Sockel mit den hohen Steinen im Größenverhältnis zur geplanten Holzfassade des Objektes? Solche Fragen können wir direkt beantworten und gegebenenfalls – in unserem Fall vielleicht durch die Verwendung von kleineren Steinen – Missverhältnisse korrigieren. 

6. Einfach halten

Detailgetreues und vor allem atmosphärisches Wiedergeben einer Gebäude- oder Raumstruktur will gelernt sein. Vor allem wenn man mit dem Zeichnen beginnt und noch wenig Erfahrung vorweisen kann, hält man sich oft an Nebensächlichkeiten auf, verkünstelt sich an unwichtigen Details, verliert die Sicht auf das Wesentliche. Als Neueinsteiger in das Thema sollte man dementsprechend seine Zeichnungen eher einfach halten. Es macht wenig Sinn, gleich am Anfang die am schwersten darzustellenden Elemente auf Papier zu bringen, lieber fängt man mit einfachen Strukturen an und übt schwerere Aufgaben zunächst auf einem anderen Blatt, bevor man an ihrer Darstellung verzweifelt. 

Natürlich ist auch hier das Internet eine willkommene Hilfe und Orientierung: Viele erfahrene Zeichner stellen ihre Werke zur freien Ansicht online, eine tolle Inspiration, wenn man die perfekte Darstellungsform eines Gegenstandes noch nicht gefunden hat! 

Das waren sie, die kleinen Tipps und Tricks des architektonischen Zeichnens! Wir wünschen viel Spaß beim Nachmachen!

Wie ist eure Erfahrung mit dem räumlichen Zeichnen? Hinterlasst uns gerne einen Kommentar!
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