Holz an und im Haus: Vor- und Nachteile der beliebtesten Formen

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Der Weg zum selbstfinanzierten Eigenheim ist kein einfacher, schon zu Beginn der Planungsphase gibt es viele wegweisende Entscheidungen zu treffen, die später einen erheblichen Einfluss auf so ziemlich jede Komponente des Hauses haben werden: Ob ökologische Faktoren wie die regionale Herkunft der verbauten Werkstoffe, oder wirtschaftliche Einflüsse wie der Verbrauch der Heizenergie oder die laufenden Wartungskosten – alles ist zu einem großen Teil abhängig von den verwendeten Baumaterialien.

Mit den verwendeten Materialien wären wir auch gleich beim richtigen Stichwort, heute beschäftigen wir uns nämlich mit einem der wichtigsten Materialen beim Hausbau, dass sich bis heute ungebrochener Beliebtheit erfreut: Holz. Als natürlicher und ständig nachwachsender Rohstoff mit vielen Verarbeitungs- und somit auch Gestaltungsmöglichkeiten ist es seit Jahrhunderten in Verwendung und erfüllt, an und in einem Haus verbaut, eine Vielzahl verschiedener Funktionen. Eine der herausragendsten Eigenschaften? Die Langlebigkeit! Das beste Beispiel dafür? Fachwerkbauten, die, teilweise vor Hunderten von Jahren erbaut, in fast jeder Stadt anzutreffen sind. 

Damals wurde noch ausschließlich mit massiven Holzbalken gebaut, heute ist auch verleimtes Konstruktionsholz oder sogar von Menschenhand geschaffenes Formholz im Einsatz. Doch was sind deren Vor- und Nachteile? Wir haben uns mal an die Beantwortung dieser Frage gemacht!

Massivholz: Vorteile

Ein großer Vorteil des Werkstoffes Holz ist seine Natürlichkeit, die keinen geringen Einfluss auf das spätere Raumklima hat: Holz schafft im Inneren des Hauses eine für den Menschen optimale Luftfeuchtigkeit und seine Atmosphäre hat eine angenehme, fast schon beruhigende Wirkung auf den Körper. Zudem hält es die Temperatur im Gebäude: Holzfassaden sind – auch wenn sie manchmal sehr dünn wirken – schlechte Wärmeleiter und bieten verbunden mit einer Dämmschicht eine hohe Isolation, sind somit ein optimaler Wärmeschutz, vor allem im Winter: Durch das Holz entweicht kaum Innenwärme, die Temperatur im Gebäude bleibt konstant, Heizkosten werden gespart.

Ein anderer Vorteil: Holz ist wesentlich leichter als Stein und verfügt trotzdem je nach Konstruktion über eine sehr hohe Tragfähigkeit. Deshalb werden bis heute Dachstühle fast ausschließlich aus massiven Holzbohlen erbaut. Reine Holzhäuser sind zudem sehr schnell zu errichten, im Gegensatz zu Mauerwerk benötigt man für den Grundbau keine Trocknungszeiten. Trocken ist auch das Stichwort, denn Holzbohlen wird die Feuchtigkeit entzogen,  mit einer zusätzlichen Lasur versehen benötigen sie im Falle eines Brandes eine lange Zeit, bis die Flammen ihnen etwas anhaben können. Weiter geht es mit dem Rohstoff selbst: Holz ist überall in vielen verschiedenen Arten erhältlich und muss nicht wie andere Werkstoffe weite Wege bis zur Baustelle zurücklegen – ökologisch ein absolutes Plus. Auch für Amateurhandwerker ist der Baustoff Holz interessant, sie können ihr Hobby nämlich sehr einfach ausleben – das leicht zu bearbeitende Material macht´s möglich.

Massivholz: Nachteile

Die ökologische Komponente kann beim Bau mit natürlichem Vollholz jedoch auch zum Nachteil werden! Holz ist ein Material, dass ständig arbeitet und sich bewegt. Wer sehr schreckhaft ist, muss sich auf spontane und durchaus laute Holzbewegungen einstellen. Ebenfalls ist die Infrastruktur durch den lebendigen Werkstoff betroffen: Leitungen und Rohre müssen so verlegt werden, dass sie genug Spielraum haben und mit den Bewegungen des Holzes mitgehen können. Die Dynamik des Materials kann auch statische Probleme hervorrufen – Vollholz ist im Laufe der Jahre anfällig für Rissbildung, was bei Konstruktionen die Tragfähigkeit negativ beeinflussen kann.

Der größte Nachteil ist jedoch mit Sicherheit die Anfälligkeit für witterungsbedingte Einflüsse: Holzfassaden bedürfen einer besonderen Pflege und müssen in regelmäßigen Abständen alle paar Jahre neu lackiert werden, um sie optimal vor Wind und Wetter zu schützen. Das Dach des Hauses sollte sowieso über die Fassade überhängen, um stetigen punktuellen Wasserkontakt mit der Außenhülle zu vermeiden. Auch die Kontaktstelle zwischen Fassade und Erdreich ist zu schützen, ist sie doch besonders anfällig für Feuchtigkeitsschäden. Ein spezieller Blick gilt auch dem Insektenreich: Holz muss vor dem Befall von Pilzen oder Schädlingen wie Holzwürmern und in den seltensten Fällen Termiten durch eine entsprechende Lackierung bewahrt werden.

Leimholz: Vorteile

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Im Gegensatz zu Massivholz besteht Leimholz wie der Name schon sagt aus mehreren, miteinander verklebten Lagen, für die in der Regel die selbe Holzart verwendet wird. Das macht das Material nicht weniger interessant, wie Vollholz auch ist Leimholz in vielen verschiedenen Arten, zum Beispiel aus Kiefer oder Fichte, erhältlich. 

Ein weiterer Vorteil: Durch ihre Herstellung sind sie formstabiler als massive Vollholzbalken, was bedeutet, dass sie sich wesentlich weniger verformen und auch weniger Anfällig für Rissbildung sind. In vielen Fällen werden Balken aus Leimholz deshalb vom Architekten an wichtigen statischen Positionen eingesetzt, beispielsweise als Dach- und Deckenbalken oder bei Unterzügen, die auf Grund ihres Gewichtes besonderer Traglast bedürfen. 

Während Vollholz immer auf die Größe des eigentlichen Baumes beschränkt ist, lassen sich in der Herstellung aus Leimholz zudem wesentlich dickere bzw. längere Elemente formen – praktisch, wenn für die geplante Konstruktion lange Balken erforderlich sind. Des Weiteren hat Leimholz durch seine geschlossene Struktur einen guten Dämmwert, hilft also bei der Isolation des Objektes.

Leimholz: Nachteile

Wie bei allen Materialien kommt es auch bei Leimholz auf die Verarbeitung an: Minderwertig verleimte Balken neigen zur Rissbildung. Die Leimnut – eigentlich eine Stärke dieses Bauholzes – kann sich lösen. Deshalb sollte immer auf qualitativ hochwertige Ware Wert gelegt werden, man erkennt sie leicht an den entsprechenden Prüfsiegeln. Qualität kostet natürlich auch Geld – Leimholz ist wegen der aufwendigeren Herstellung in der Regel teurer anzusetzen als normales, unbehandeltes Holz. 

Ein Nachteil ist ebenfalls im Wohnklima zu erwarten – Leimholz ist nicht so diffusionsoffen wie Vollholz und lässt dementsprechend weniger Luft durch. Was in punkto Isolation von Vorteil ist, ist deshalb was das natürliche Raumklima angeht von Nachteil – die natürliche Atmosphäre von Vollholz wird mit geleimten Balken nicht erreicht. Auch in der Optik können Nachteile entstehen: Leimholz besteht aus mehreren miteinander verklebten Teilen, deren Maserung nicht unbedingt ineinander übergeht – wer also dieses Holz nicht entsprechend in einer deckenden Farbe lackiert, wird die Übergänge immer sehen können. 

Formholz: Vorteile

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Jarcke Architekten

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Entgegen der allgemeinen Annahme handelt es sich bei geformtem Holz mitnichten um rein zugeschnittene Bretter, vielmehr wird der Werkstoff tatsächlich durch den maschinellen Einsatz von Druck und Hitze verformt und auf Dauer formverändert – das Holz verbleibt also in der gewünschten Stellung. Sehr verbreitet ist diese Arbeitsweise für die kreative Bearbeitung von Möbelstücken oder sie kommt bei Elementen des Treppengeländers zum Einsatz – doch auch im Innenausbau des Hauses findet sie gelegentlich Verwendung. Durch Formholz können beispielsweise bestehende Gewölbe oder runde Tür- bzw. Fensteröffnungen verkleidet oder – bei Neubauten – den Räumen ein gewölbeähnliches Aussehen verliehen werden. Atmosphärisch sind solche Konstruktionen ein absoluter Hingucker.

Formholz besteht für gewöhnlich aus mehreren Schichten, ist also in seiner grundliegenden Herstellung Leimholz. Der Unterschied besteht in der anschließenden Bearbeitung, wenn das Element unter Druck verformt wird. Herausragende Eigenschaften von Formholz ist sein geringes Gewicht und seine hohe Belastungsfähigkeit. Vor allem bei Möbelstücken zeigt sich zudem eine federnde Wirkung, sehr oft wird es deshalb für Stuhllehnen und Sitzflächen verwendet.

Formholz: Nachteile

Formholz ist für gewöhnlich keine Fabrikware, sondern muss aufwändig produziert werden. Dementsprechend hoch sind je nach Bauweise und Verwendung der geformten Teile auch die Kosten der einzelnen Elemente anzusetzen. Wahrscheinlich liegt darin der Grund, weshalb es im Innenausbau seltener zur Anwendung kommt. Große Balken aus geformtem Holz sind zumindest eher selten anzutreffen.

Formholz an der Fassade ist ebenso kaum vorhanden, es ist eigentlich nur für den Innenausbau geeignet, da es nämlich relativ anfällig für Wettereinflüsse sowie den Befall von Schädlingen ist. Natürlich kann das Holz entsprechend geschützt werden, beispielsweise gibt es im Fachhandel entsprechende Lackierungen. Dies ist jedoch bei einem sowieso nicht günstigen Element weiter kostensteigernd. 

Damit wären wir auch für heute am Ende angelangt. Das waren sie, die kleinen Vor- und Nachteile von Voll-, Leim- sowie Formholz, die alle drei beim Hausbau zum Einsatz kommen. Wie wir gemerkt haben, ist es absolut projektabhängig, welche Verarbeitungsart zum Eisatz kommt. Ein Faktor haben jedoch alle drei Arten gemein: Holz ist und bleibt eines der vielfältigsten Materialien beim Hausbau und schafft gleichzeitig eine Wohnatmosphäre, die seinesgleichen sucht!

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