Ratgeber Wandabriss: Das solltet ihr wissen!

Isabel Herwig Isabel Herwig
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Wie schwer kann es schon sein, eine Wand einzureißen? Hammer und Brecheisen in die Hand und los geht's?! Wohl kaum! Tatsächlich muss man jede Menge beachten, wenn man seine Räume durch einen Wandabriss vergrößern oder durch eine Zwischenwand neu gestalten möchte. 

Am besten lasst ihr zunächst ein bautechnisches Gutachten vom gesamten Haus erstellen, bevor ihr mit der Brechstange die Wände bearbeitet. Ein Fachmann kann feststellen, ob die Wände aus Stahlbeton oder Ziegeln sind. Er sieht auch, ob die Wand eine tragende Funktion hat oder nur zur Raumtrennung dient. Aber das Wichtigste ist: Durch so ein Gutachten weiß man auch, ob hinter der Wand, die eingerissen werden soll, so manche Überraschungen lauern wie z.B. Wasserrohre oder Stromleitungen.

Steht das Haus unter Denkmalschutz, ist alles noch einmal komplizierter, denn dann braucht man Sondergenehmigungen oder kann einen Wandabriss gleich ganz streichen. Ist Denkmalschutz aber kein Hindernis, kann auch der Laie mit der richtigen Anleitung eine Wand einreißen – nicht jedoch ohne statisches, bautechnisches und architektonisches Wissen. Erfahrt im Folgenden, was ihr alles beachten müsst.

Ihr solltet eine genaue Vorstellung davon haben, was ihr wollt…

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Denn rückgängig machen kann man so einen Wandabriss nur schwer. Man sollte sich also vorher genauestens überlegen, ob man durch die eingerissene Wand seinen Raum vergrößern oder anschließend einen neuen Raum erhalten möchte. Soll die Wand nur zum Teil abgerissen werden oder ganz raus? Soll eine neue Wand an anderer Stelle wieder rein?…  Das sind Fragen die man sich vorher gut überlegen sollte. 

Man sollte aber vor allem sein Haus kennen und wissen, welche Beschaffenheit die Wand hat, die weichen soll, aber vor allem auch, wie wichtig sie für die gesamte Statik des Gebäudes ist. Dann braucht man vor allem eines: Plastikfolie und Klebeband, denn die angrenzenden Möbel sowie der Boden und die Decke sollten geschützt werden. Beim Wandabbruch schwirren so viele feine Partikel durch die Luft, aber auch großere Bruchstücke können die Wohnung beschädigen.

Das könnte der Wandabriss kosten

Wer sichergehen will, dass er nicht aus Versehen die falsche Wand einreißt, sollte ein Gutachten in Auftrag geben. Dieses kostet etwa um die 500 Euro. Das Gute daran ist aber: Ihr seid abgesichert, denn der Gutachter haftet für Falschaussagen. 

Am besten fragt man aber einen Kostenvoranschlag bei mehreren Abbruchfirmen an, der kostet nämlich noch nichts. Lässt man die gewünschte Wand dann auch gleich von einer Firma einreißen und die Abfälle fachgerecht entsorgen, kommen noch einmal etwa 2000 Euro obendrauf. Dafür ist es dann aber auch in maximal zwei Tagen erledigt.  

Wer Herausforderungen liebt, geht das Projekt einfach selber an, sollte sich dann aber zumindest einen Handwerker zur Hilfe holen bzw. sich von ihm coachen lassen.

Tragende Wände und fachmännischer Rat

Ohne die Baupläne des Hauses läuft gar nichts. Die verraten dem Statiker und Gutachter, wo sich tragende Wände befinden und vor allem auch, wo Leitungen für Wasser und Strom entlang laufen. 

Man darf nämlich nicht vergessen, fast in jeder Wand sind irgendwelche Leitungen verlegt, Steckdosen angebracht oder Telefonanschlüsse gelegt. Hat ein Statiker festgestellt, dass die Wand, die abgerissen werden soll, für das Haus verzichtbar ist, kann der Elektriker übernehmen. Er verlegt die Stromleitungen und hält den Stromkreislauf aufrecht. Für Wasser und Heizung in der Wand ist ein Klempner der richtige Ansprechpartner. 

Auch auf den Abriss selbst sind einige Firmen spezialisiert. Für Laien ist das schon allein wegen der fehlenden Gerätschaften oft die einzige Lösung. Schon einfache Ziegelwände verlangen besonderes Werkzeug. Besteht die Wand gar aus Stahlbeton muss fast immer eine Firma ran, denn wer hat schon eine Betonsäge mit Diamantschneidetechnik für gerade Schnitte zuhause? Spezialfirmen wissen auch wie man den Müll richtig entsorgt.

Stecken Wasserrohre oder Stromleitungen in der Wand?

Dass in eurer Wand, die eingerissen werden soll, Wasser- und Stromleitungen liegen, merkt ihr zum einen an den Steckdosen in der Wand und zum anderen daran, ob eine Wasserentnahmestelle in der Nähe ist. Ist das der Fall, muss die Wasserleitung in der Wand erst einmal identifiziert werden. 

Dazu gilt bei Neubauten, dass die Wasserleitungen meistens senkrecht über der Wasserentnahmestelle verlaufen. Bei Altbauten hingegen kann man sich auf eine solche Regel nicht verlassen. Ein Metalldetektor hilft beim Suchen, sofern es sich um ältere Leitungen aus Metall handelt. Viele neuere sind schon aus Kunststoff und damit resistent gegen Metalldetektoren. 

Für moderne Elektroinstallationen gilt hingegen: Die Leitungen verlaufen üblicherweise nur senkrecht und waagerecht in einem Bereich von etwa 30 Zentimeter unterhalb der Decke und oberhalb des Fußbodens. Abzweige machen sie senkrecht zu den Steckdosen oder Deckenleuchten. Aber auch hier gilt: Bei Altbauten und selbstverlegten Leitungen kann man für nichts garantieren. Unebenheiten auf der Wand verraten oft nachträglich verlegte Leitungen.

Option finden, die zum Haus passt

Will man durch die abgerissene Wand aus zwei Räumen einen großen machen oder möchte man an anderer Stelle wieder eine einziehen? Oder soll doch nur die Hälfte der Wand raus? Fragen über Fragen, denen man sich stellen muss, bevor man eine Wand abreißt. 

Dabei sollte der Bauherr nie den Blick für das gesamte Haus verlieren. Schließlich soll der neue Raum ja zum Rest passen. Außerdem sollte man eventuelle Familienplanung in die Umgestaltung seines Hauses einplanen. Schließlich muss vielleicht irgendwann ein erstes oder schon ein zweites Kinderzimmer her. Lohnt es sich da überhaupt einen Raum einzubüßen?  

Wohnt man zur Miete ist die ganze Sache so oder so komplizierter. Schließlich muss der Vermieter zustimmen. Hat man das geschafft, sollte man sich seine Zustimmung unbedingt schriftlich geben lassen.  

Stellt in jedem Fall vorher auch einen Finanzplan auf. Seid ihr nicht handwerkliche Alleskönner braucht ihr neben einem Statiker und einem Elektriker auch einen Klempner sowie die Abrissfirma. Da kommt einiges an Kosten zusammen.

Safety first! Diese Sicherheitsstandards solltet ihr beachten

Zu eurer eigenen Sicherheit solltet ihr ehrlich zu euch selbst sein – seid ihr handwerklich begabt oder liegt in dem Bereich eher mäßiges Talent vor? 

Ist ersteres der Fall, könnt ihr euch selbst an den Wandabriss wagen. Allerdings sollten einige Sicherheitsstandards beachtet werden. Beim Abriss selbst kommt schweres Gerät zum Einsatz. Bohrer, Sägen und jede Menge anderes Werkzeug, das fachgerecht verwendet werden sollte. Außerdem sollte man einen Mundschutz beim Abriss tragen, schließlich fliegen viele Staub- und andere Mini-Partikel durch die Luft, die in die Atemwege gelangen können.  

Je nach Größe und Dicke der Wand fallen entsprechende Brocken beim Abriss zu Boden, die man am besten nicht abbekommen möchte. Handelt es sich um eine tragende Wand, ist sie also besonders dick und für die Statik des Hauses wichtig, muss zur Sicherheit die Decke mit Bolzen gestützt werden.

Habt ihr schon einmal eine Wand selbst abgerissen? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?
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