homify 360°: Haus des Lichts

Elisabeth Liebing Elisabeth Liebing
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Lange galt Singapur als eine strenge Geschäftsstadt, aber seit dem Bauboom in den 1970er Jahren hat sich diese völlig neu erfunden. Besonders attraktiv wirkt die Stadt auf Touristen wegen seiner Gegensätzlichkeiten: Hier treffen imposante Bauten, traditionelle östliche Kultur und westlicher Chic aufeinander. Ethnische Gruppen wie Chinesen, Maleien, Inder, Europäer und verschiedene Religionen leben in Singapur auf engstem Raum friedlich miteinander und beeinflussen sich in ihrem Handeln, Leben und Wohnen. 

Architektonisch wird das Erscheinungsbild des Inselstaats durch glitzernde Shopping-Malls, Wolkenkratzer und schwebende Palmengärten geprägt. Ein wahres Wetteifern namhafter Architekten findet längst in Singapur statt. Jeder mit Rang und Namen möchte die Stadt mit seiner eigenen gestalterischen Handschrift verschönern. Kurz zur architektonischen Geschichte: Im Jahr 1965 wurde Singapur aus der Föderation mit Malaysia ausgeschlossen und ist nun seit fast 50 Jahren unabhängig. Zu Anfang erging es dem Kleinstaat mehr schlecht als recht, da er lediglich von seinem Hafen am Singapore River profitierte. Dank einer strebsamen und fleißigen Bevölkerung lies der Erfolg nicht lange auf sich warten und es wurden in den Himmel wachsende Hochhäuser zum Symbol für den rasanten Aufstieg errichtet. Inzwischen gehört Singapur zu den dicht besiedelten und wohlhabendsten Staaten im südasiatischen Raum.

Den Auftakt machte 1973 der UIC Tower von Chan Kui Chuan. Zugunsten eines Doppelturmprojekts von Ben van Berkel wurde der mit 152 Metern höchste Wolkenkratzer Südasiens allerdings jüngst abgerissen. Hingegen zählt das im Jahr 1974 von James Ferrie realisierte Axa Building dank seiner filigranen, mit skulpturalen Sonnenblenden ornamentierten Gebäudehülle, bis heute zu einem der schönsten Bürotürme der Stadt. Inzwischen werden immer mehr Wolkenkratzer aus den Böden gestampft und ein strebsames Wetteifern innerhalb der Architektenliga hat längst begonnen wobei sowohl die physikalischen Gesetze als auch die Anziehungskraft der Erde überwunden werden.

Natürlich muss auch gesagt werden, dass der Bauboom zu einer Verdrängung des architektonischen Erbes führt und die Stadt nach und nach ihre Seele zu verlieren droht. Einen unrühmlichen Höhepunkt bildete 1984 die Zerstörung des zwanzig Jahre zuvor im Fort Canning Park eröffneten Nationaltheaters. Alfred Wong hatte dem Theater eine gleichermaßen moderne sowie asiatisch anmutende Eingangsfront aus spitz nach oben zulaufenden orangeroten Rhomben verliehen. Seit einigen Jahren setzt sich der Staat für den Erhalt der traditionellen Baukultur in bestimmten Vierteln ein, die mit ihren kleinen Geschäftshäusern, Tempeln, Kirchen und Moscheen das einstige Stadtbild prägten.

Eine Brücke zwischen traditioneller und moderner Baukultur bietet das Wohnhaus, das wir euch heute vorstellen werden. Das Reihenhaus vereint die Elemente Licht, Luft und Wasser in der konzeptionellen Entwurfsarbeit.

Front

Die Ansicht des Hauses wurde äußerst spielerisch und unstrukturiert gestaltet. Hier wurde experimentell mit der Verwendung der Öffnungen umgegangen, so dass insbesondere für Europäer ein auf den ersten Blick eher chaotisches Bild der Fassade entsteht. Da sich die architektonische Baukunst der Europäer häufig durch symmetrische Gliederung und wiederkehrende Elemente auszeichnet, ist dieser Anblick eher ungewöhnlich. Das Zufahrtstor wurde mit horizontal verlaufenden Teakhölzern verkleidet und verleiht dem Grenzstück eine Portion Tradition, auch im Innenraum taucht das dunkle und edle Holz wieder auf.

Innenhof

Das Reihenhaus wird durch einen großzügigen Lichtschacht, der sich in Gestalt eines offenen Raumes präsentiert, in zwei Blöcke unterteilt. Als Dach für den Lichtschacht dient ein an der Oberseite angebrachtes Spalier aus Holz und Glas, das Schutz vor Regen bietet, aber dennoch das gesamte Haus mit Licht und Frischluft versorgt. Verbunden werden die zwei Blöcke über einen Pool, der mit schwarzen Granitplatten verkleidet worden ist. So wird dem Boden des Schwimmbeckens optische Tiefe verliehen. Weiteres Bindeglied zwischen den Geschossen sind kleine Brücken, die den gesamten Komplex zu einem Ganzen werden lassen. 

Brücke

Das Wohnzimmer, das Esszimmer und die Küche wurden in dem vorderen Teil des Blocks untergebracht. Hier sieht man den Übergang in den hinteren Abschnitt des Hauses. Dieser Bereich strahlt aufgrund der signifikanten Anwendung von Beton Urbanität aus. Beim Betreten des Lichtschachtes ist man sich unsicher, ob es sich um einen Raum handelt, der im Inneren oder Äußeren des Hauses liegt – dieser Effekt wurde bewusst durch die Planung der Architekten erzielt: Wir finden, eine innovative Lösung für ein Stadthaus.

Lichtung

Starke Präsenz zeigt im Badezimmer das Element Licht. Über eine lose abgehängte Decke, hier sichtbar durch die gebogene, dunkle Lamellenstruktur, entstehen über der Badewanne wunderbare Licht- und Schattenspiele, die sich zusätzlich durch den kleineren Maßstab stimmig in die Größe des Master-Badezimmers eingliedern. Ein einheitliches und natürliches Bild erzielen die sandfarbenen Natursteinplatten, die den Boden und die Wände schmücken. 

Wald mit Lichtung

Hier ist die gegenüberliegende Seite des Badezimmers abgebildet, die sicher ganz anders als die eben beschrieben Seite präsentiert. Ähnlich wie ein Wald, hier durch die Verwendung des Holzes umgesetzt, wird die Lichtung umschlossen. Die Holzschränke ermöglichen den Eigentümern des Hauses genügend Stauraum für die Dinge des Alltags. Generell wurde der Raum durch die verwendeten Materialien und den Einsatz von Licht sehr naturnah umgesetzt und lässt eher unauffällige Details, wie den silbernen Wasserhahn an einen abgebrochenen Ast erinnern. Abgetrennt werden die beiden Bereiche durch eine Glastür, so entstehen zur rechten Seite des Raumes Wasser und Licht – und links Trockenheit und Dunkelheit. 

Tropendusche

Duschen wie im Freien wird hier ermöglicht, denn es gibt keine Fenster, die eine klare Grenze zwischen dem Innen- und Außenraum setzen. Verstärkt wird der Eindruck durch die direkte Begrünung, die einem das Gefühl vermittelt man würde in einem Tropenwald unter einem Wasserfall stehen. Abgetrennt wird der Nassbereich ebenso wie im anderen Badezimmer des Hauses durch eine Glastür. Schönes Detail ist das Waschbecken, das wie ein handelsüblicher Blumentopf aussieht. 

Weiter Anregungen findet ihr in dem Ideenbuch: Badezimmer Ideen

Licht und Schatten

Das Spiel mit Licht und Schatten wird auf diesem Bild sehr gut sichtbar. Die Schattenfiguren entstehen durch die rolloähnlichen Vorhänge, die horizontal unter der Glasdecke angebracht worden sind. Obwohl man sich in einem modernen Haus befindet, fühlt man sich der Natur ganz nahe. Prägnant ist die Verwendung des Sichtbetons zur Gestaltung der Fassade. Lediglich kleine Kreise unterbrechen die ansonsten einheitliche Fläche.

Auf der obersten Etage befindet sich eine halb offene und halb überdachte Terrasse, die einen urbanen Ausblick über die umliegenden Häuserdächer freigibt. Deutlich wird auf diesem Bild die offene Gestaltung des Hauses, denn das Obergeschoss ist das gesamte Jahr geöffnet und es führt zu einem stetigen Luftaustausch. Der Holzboden bildet einen warmen Kontrast zu den Betonwänden und ist ein traditioneller, östlicher Baustoff für Fußböden, da er sich auf nackten Füssen warm und geschmeidig anfühlt. 

Die Treppe

Um die drei Etagen miteinander zu verbinden, wurde an der Längsseite des Reihenhauses eine Holztreppe angebracht. Der Verzicht der Setzstufe ermöglicht es, durch die Zwischenräume der einzelnen Stufen zu blicken und den Lichtschacht jederzeit zu sehen. Hätte man die Setzstufe eingesetzt, wäre ein zu beengter Raum entstanden, der aufgrund der enormen Deckenhöhe eine sakrale Anmutung angenommen hätte. Roter Faden ist auch hier wieder das Holzspalier der Decke, das an Stahlseilen befestigt ist und dem Raum durch seine sanfte Wölbung ein organisches Dekor verleiht.

Könnt ihr euch vorstellen, in Singapur zu leben? Hinterlasst uns einen Kommentar!
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