homify 360°: Umnutzung eines Stalls

Elisabeth Liebing Elisabeth Liebing
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Der größte Wunsch der Bauherren bestand darin, den seit vielen Jahren leerstehenden Stall zu einem Ferienhaus umzunutzen. Die Gebäudehülle sollte unter keinen Umständen von der Modernisierung betroffen sein, deshalb galt ein höchst behutsamer Umgang mit der bestehenden Architektur. Das Büro Jan Rösler Architekten nahm sich diesem Projekt an und glänzte mit dem Ergebnis. 

Fassade

​Die Herausforderung bestand darin, den Umgang mit den gegeben Öffnungen der Fassade zeitgemäß zu interpretieren und lediglich durch minimale Eingriffe der Fassade, die ursprüngliche Erscheinung des Gebäudes zu erhalten. Werden die hölzernen Läden und Tore der ehemaligen Scheune geöffnet, dringt das warme Licht in das Haus. Sind die Läden geschlossen, kehrt der Stall zurück und nichts gibt Aufschluss über die Umnutzung im Inneren.

Ansicht

​Lediglich das Glänzen der Fensterscheiben und die ungewöhnliche Dachluke könnten einem Außenstehenden Aufschluss darüber erteilen, dass das Haus nicht mehr als Stall genutzt wird. Durch die großen Fenstertore sind die Terrassen des Gebäudes zugänglich.

Aufteilung

​Die erhaltene Backsteinfassade wird wie das Kunstwerk eines Museums hinter einer Glasscheibe aufbewahrt. Allerdings gehört sowohl der behutsame Innenausbau sowie die traditionelle Hülle zu einem Prunkstück. Das Erdgeschoss bedient in erster Linie die Bedürfnisse der Tagesnutzung. In die oberen Etage gliedern sich private Räume wie zum Beispiel das Schlafzimmer ein.

Raumgefühl

​Ein imposantes Bild bietet die freiliegendene Fläche der ehemaligen Scheune. Konstruktive Details wurden hervorgehoben und stecken wie präzise Linien den Innenraum ab. Durch die fehlende Geschossdecke ensteht ein freies und großzügiges Raumgefühl. Künstliches Licht wird durch die symmetrische Anordnung der schwarzen Stromkabel erzeugt.

Blickbeziehungen

​Den hallenartigen Raum zu beheizen, nimmt viel Zeit in Anspruch. Um das Warten zu verschönern, sollte man Platz auf dem Barcelona Chair von Ludwig Mies van der Rohe nehmen und in den prasselnden Kamin blicken. Die großformatigen Fenster bieten einen Rahmen für bewegte Bilder, die auf Grunde des benachbarten Hauses einen Ausblick in die Vergangenheit geben. 

Leben

​Der Wohnbereich wird durch die Kochinsel in zwei offene Bereiche zoniert: Die Küche und das Wohnzimmer. Die behutsame Bestimmung der Materialien zeigt sich sehr gut an dem Küchenblock, dessen hölzerne Fronten, sich in den Türen, der Einbauschränke und den Fensterrahmen, wiederfinden. Eine wichtiges Element, ist der Erhalt der Stützen, die wegen der ionischen Zierde ein verspieltes Detail zur sonst bäuerlichen Umgebung bilden. Ebenso erzeugen die Balken, durch die markante schwarze Lasur, einen Gegenpol zu den hellen Natursteinplatten. Die preussische Kappendecke, d.h. nebeneinander gereihte Teilstücke von einer relativ flachen Gewölbeform, konnten erhalten werden und nehmen einen großen gestalterischen Teil des Erdgeschosses ein.

Treppe

​Eingeklammert werden die Holzstufen der Treppe von zwei Wänden zur linken und rechten Seite. Bewusst wurde auf einen Handlauf verzichtet, da die umschließenden Mauern genügend Sicherheit beim Aufstieg geben. Im ersten Geschoss führt eine schwarze Brüstung an der ausgeschnitten Decke entlang. Das Geländer wurde äußerst schlicht gehalten, um sich unaufdringlich in den Raum einzufügen. Zur rechten Seite übernimmt das freigelegte Fachwerk, neben dem gestalterischen Aspekt, auch die funktionale Aufgabe der Absturzsicherung.

Badezimmer

​Zentrum des Badezimmer bildet die Waschstätte: Eine Badewanne, dessen kubische Form die Mitte des Raumes kennzeichnet. Auch hier dominiert die Schlichtheit, kein Schischi, die sanitären Anlagen wurden auf eine Minimum reduziert. Die Dachbalken der Decke wurden ausgetauscht und stechen nun als einziges dekoratives Mittel hervor. Für natürliches Licht sorgt ein bodentiefes Fenster, die hellen und neuwertigen Holzrahmen korrespondieren mit der Farbigkeit der Balken.

Lehmputz

Wie bereits viele Jahrhunderte zuvor wurde der Naturbaustoff Lehm verwendet. Dieser birgt eine Reihe von Vorteilen: Er besitzt die Fähigkeit Ausdünstungen, Rauch und Schadstoffe zu absorbieren und kommt ohne künstliche Zusatzstoffe aus. Bei einer fachgemäßen Verarbeitung ist die Schimmelgefahr sehr gering und explizit für Nassräume empfehlenswert. Toller Nebeneffekt ist, dass der Lehmputz verhindert, dass der Spiegel und die Glasscheiben anlaufen. Eine wirkliche Alternative stellt der natürliche Baustoff für Allergiker dar, weil eine konstante und gesunde Luftfeuchtigkeit der Innenräume gewährleistet wird und das Risiko für Erkältungskrankheiten deutlich reduziert wird.  

Weitere Umnutzungen findet ihr in dem Ideenbuch: Bauerhaus feat. Beton

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