homify 360°: Traditionelles Wohnhaus

Elisabeth Liebing Elisabeth Liebing
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Heute entführen wir euch ins ferne Japan und zeigen euch ein Wohnhaus, das sich stark an der traditionellen Bauweise orientiert. Neben Häusern entwirft das Architekturbüro Fumihito Ohashi auch Möbel und wird ebenso von der Formensprache des althergebrachten Designs geprägt.

Kräftige Ansicht

Von der Ferne betrachtet, gliedert sich die moderne und gleichzeitig traditionelle Architektur formschön in die Umgebung ein. Die Kontur wurde einem minimalistischen Kubus nachempfunden, verstreute kleine Fenster öffnen die Fassade. Die Farben der Natur zeigen sich in diesem Arrangement von ihrer schönsten Seite und bieten eine phänomenale Bühne für das Wohnhaus. 

Portal

Der Eingangsbereich ist über quadratische Steine erreichbar, die in einem gewissen Abstand hintereinander angeordnet wurden. Die Verwendung von Steinen hat in der japanischen Architektur und im Gartenbau einen besonders hohen Stellenwert. Denn nach Kriegen war zur Errichtung neuer Gärten kein Geld vorhanden und so mussten die ehemals üppig bepflanzten Tempelgärten ohne frisches Grün auskommen. Die Japaner machten aus der Not eine Tugend – so entstanden bereits Anfang des 16. Jahrhunderts sogenannte Trockengärten aus Steinen und Sand. Die berühmten Zengärten werden oftmals für meditative Zwecke genutzt, weil die Abstraktion die Konzentration steigert und keine Zierde von der Andacht ablenkt. Die hölzerne Türe stellt ebenso ein wichtiges Symbol dar, denn sie dient als Bindeglied zwischen der Außenwelt und dem Innenraum.

Kleines Foyer

Betritt man das Entrance wird man empfangen von dem vorherrschenden warmen Ton des Holzes, welches sich im ganzen Haus fortführt. Der natürliche Werkstoff bestimmt auf eine legere Art und Weise das Interieur. Ein linear angeordneter Sichtschutz aus vertikalen Holzleisten verhindert einen freien Blick auf den großzügigen Wohnraum. Privatsphäre schafft das schmale Fenster, das einem stehenden Erwachsenen bequem die Sicht nach außen freigibt.

Weitere Anregungen für den Flur findet ihr in dem Ideenbuch: Wie gestalte ich den Flur?

Wohnen und Leben

Der Wohnbereich ist absolut offen und luftig gestaltet. Verhältnismäßig unüblich ist, dass in dem Haus gänzlich auf Stützen verzichtet wurde, da diese in der japanischen Architektur eine besonders wichtige Rolle spielen. Äußerst traditionell ist in Japan die Verwendung einer Tatami Matte, die wir im hinteren rechten Zimmer sehen. Diese besteht aus einer etwa fünf Zentimeter dicken Schicht aus gepresstem Reisstroh und ist mit dünnem Ried überzogen. Tatami Matten sind ca. 90 Zentimeter breit und 180 Zentimeter lang und somit der durchschnittlichen Körpergröße eines Menschen abgepasst. Bis heute sind sie sehr stark mit der japanischen Kultur verbunden wird, denn sie wurden entwickelt, um das Sitzen auf dem Holzboden angenehmer zu gestalten. Zunächst wurde die Tatami Matte als Möbelstück genutzt, bevor sie dann im 15. Jahrhundert auch als Fußbodenbelag in den Häusern der Samurai eingesetzt wurde. Sie gilt heute noch als Modul für die Größe eines Raumes. Wenn ein Raum mit Tatami Matten ausgelegt wird, muss dieser frei von Möbeln gehalten werden, weil die Matten sehr druckempfindlich sind. Selbst ein Tisch wird nach dem Gebrauch wieder an einen sicheren Ort gestellt, um den Boden möglichst frei und sauber zu halten. 

Badezimmer

Auch die Möblierung des Badezimmers bleibt dem restlichen Teil des Hauses treu. Es werden keine materiellen Experimente gewagt –  Holz und Keramik bestimmen die Einrichtung, die durch eine schlichte rechtwinklige Silhouette betont wird. Ein winziges gestalterisches Detail schmückt dennoch den Nassraum: Ein quadratischer Wandausschnitt an der Bodenkante lässt durch einen kleinen Spalt natürliches Licht einfallen. 

Galerie

Neben den zwei Hauptgeschossen wurden spielerisch weitere kleine Plattformen in das Gebäudevolumen integriert, um kleine Inseln der Ruhe und Absonderung zu schaffen. Die Decke des Wohnhauses ist aufgrund der Holzfarbe und der prägnanten linearen Anordnung der Holzsparren ein markantes Detail, das sich in der Materialität immer wieder findet. Die Geschossdecke der ersten Etage umschließt nicht die gesamte untere Ebene, sondern öffnet sich über dem Wohnbereich: Es entsteht eine Galerie, die das offene Wohnkonzept akzentuiert und die Räume zusätzlich erhellt. Ausgeklügelt ist auch die Installation des künstlichen Lichtes – im gesamten Haus hängen schlichte schwarze Netzkabel mit handelsüblichen Glühbirnen von der Decke, die in den Abendstunden für ein punktuelle Ausleuchtung sorgen.

Wege

Auch hier wird der Einfluss japanischer Gärten erneut kenntlich gemacht: Der Boden ist nämlich keine zusammenhängende Fläche, sondern erhält durch den Abstand zu den benachbarten Hölzern die Anmutung eines Steges oder einer Brücke. Eine Brücke bietet Übergang und verbindet zwei Ufer miteinander und kann symbolisch für die Verbindung zweier Welten gesehen werden, z.B. die der Götter und die der Menschen. Hier fungiert die Brücke, also der Boden, als Teil des Treppenhauses und verbindet die beiden Etagen. Der Treppenbereich wird durch ein großzügiges Fenster, welches einen großen Teil der Fassade einnimmt, mit natürlichem Licht versorgt. 

Wand

Shoji stellt in der japanischen Architektur ein Holzskelett mit verschiedenen oder gleichen rechtwinkligen Unterteilungen dar, das von einer Seite mit transparentem Papier (Washi) bespannt ist. Heutzutage wird anstatt des Papiers meist Milchglas, das wesentlich langlebiger ist, in die Rahmen eingesetzt. Der Shoji wird als Schiebetür und -fenster eingesetzt. Erfunden haben es die Chinesen – bei ihnen wurde der Shoji allerdings nur als Raumtrenner genutzt. Die Japaner dagegen verwendeten ihn, um ein Haus möglichst flexibel zu unterteilen und dennoch die Helligkeit in den Innenräumen zu kontrollieren. Außerdem diente Shoji auch als Sichtschutz. Eine andere Variante ist der Fusuma, ein Holzskelett, das von beiden Seiten mit undurchsichtigem Papier beklebt wurde und weniger Licht durchscheinen lässt.

photo : Ippei Shinzawa

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