Strandhaus in Japan

Elisabeth Liebing Elisabeth Liebing
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In einer einsam gelegenen Bucht an der Küste Japans wurde das private Ferienhaus von dem japanischen Büro Yamamori Architekten + Partner entworfen und errichtet. Zerklüftete und strenge Formen wurden zusammengesetzt und ergeben ein wunderbares Projekt. Das Volumen und die räumliche Organisation sind eine Reaktion auf die kontrastreichen Elemente von beidem. 

Ansicht des Hauses

Das Strandhaus ist Richtung Süden ausgerichtet und präsentiert sich zur Wasserseite extrovertiert. Hervorgerufen wird diese Erscheinung durch die Glasfronten, die ein transluzentes Gebilde bieten und einen größtmöglichen, natürlichen Lichteinfall kreieren. Begrenzt wird das Grundstück durch den markanten orangefarbenen Cortenstahl. Dieser Cortenstahl besitzt, im Gegensatz zu unlegiertem Stahl, eine erhöhte Widerstandskraft gegen die natürliche Korrosion und eignet sich damit hervorragend für die salzige Luft am Meer. Unter dem Einfluss der Witterung bildet sich eine Deckschicht, die diesen Vorgang verlangsamt. Cortenstahl oder witterungsfester Baustahl, hat einen besonderen puristischen Reiz in einem leicht changierenden Farbton. Zugleich warm und doch rau – in erdigen Tönen zwischen Rot und Braun-Schwarz, besticht das Material in der architektonischen Gestaltung. Im Fassadenbau polarisiert die rostige Oberfläche enorm, da sie von manchen als billig wahrgenommen wird. Das ist allerdings ein Irrtum, denn die bildende Schicht, die Rost enorm gleicht, dient als Schutzmechanismus und als gestalterisches Element zugleich. Ein spannendes Material, das aufgrund der krassen farblichen Entwicklung ein spezieller Eyecatcher ist.

Seitlicher Eingang

Betrachtet man das Wohnhaus von der Seite, wird einem erstmals bewusst wie das Projekt gegliedert ist: Eingefasst ist der Innenraum durch drei massive Betonplatten, der zur linken und rechten Seite des Gebäudes durch zwei Wände eingefasst und abgegrenzt wird. Die horizontalen, wuchtigen Betonteile gliedern sich in die erhöhte Bodenplatte und das Dach – beide Bauteile kragen zur Strandseite aus. Zugang erhält man durch eine Treppe, die zur Bodenplatte führt und dem Bauherren eine etwa einen Meter breite Terrasse bietet, die sich über die gesamte Längsseite der Glasfassade ersteckt. Das Dach, welches über die Glasfassade hinausragt, nimmt die Formensprache der Bodenplatte auf und ist zentrales Gestaltungselement des Hauses. Die rechte Ecke des Gebäudes streckt sich gen Himmel, so ensteht trotz der geradlinigen Flächen eine Dynamik im Gebäude. 

Der Ausblick

Im Inneren des Hauses erfährt man einen wunderbaren Blick auf die umliegende Landschaft. Die künstliche Beleuchtung lässt einen an einen Sonnenuntergang denken und verschmilzt mit der außen liegenden Natur zu einem verfälschten Gesamtbild. Eingerahmt wird der Blick durch die abgesenkte Decke, die aufgrund des breiten oberen Randes an ein analoges Polaroidbild erinnert.

Japanische Pfahlbauten

Das japanische Haus hat sich aus der Tradition der Pfahlbauten entwickelt und erhebt daher den Boden des Hauses aus dem Erdboden. Der Eingangsbereich erhält so einen besonderen Stellenwert und eine Betonung. 

Strukturierung durch Material, Licht und Höhe

Um einen besseren Überblick zu erhalten, bietet uns diese Bild eine große Hilfe. Die Architekten arbeiteten mit verschiedenen Ebenen, um eine Strukturierung der einzelnen Bereiche zu erlangen. Ziemlich unkonventionell ist die Tatsache, dass man sich zum Zubereiten von Speisen in die tieferliegende Zone begeben muss. Die Küche erstreckt sich auf der linken Seite und ist wie in einem kleinen, dunklen Graben angeordnet. Neben der Zonierung durch Höhenunterschiede verweist die Verwendung zweier unterschiedlicher Böden zusätzlich auf die Strukturierung der Wohnpartien. Der Eingangsbereich wird von dem gleichen Bodenbelag wie im Außenbereich gesäumt und lässt den Nutzer des Hauses verstehen, dass dieser Bereich Teil der Verkehrsfläche ist. Aufwendig ist die Inszenierung der Lichtinstallation: Zum einen wird die Rückseite von unten mit warmen gelbfarbenen Neonröhren bestrahlt, um dem ansonsten zu kühlen Raumklima entgegenzuwirken. Zum anderen wird durch den rechten Winkel die unterschiedliche Gestaltung der Ebenen betont. 

Wirkung des Raumes

Zentrum des großzügigen Raumes ist der Essbereich. Dieser wurde traditionell japanisch umgesetzt. Stühle sucht man hier vergebens, denn man sitzt auf dem Boden, um den hölzernen Tisch herum. Die Anordnung der Bretter verläuft parallel zur Längsseite des Haues und verstärkt die Dimension des Raumes. Es sind kleine Details, die eine überraschend große Wirkung auf den Raum ausüben. Neben der dominierenden Beleuchtung der unteren Flächen verschafft eine Schiene, die die Decke mittig teilt, punktuelle Lichtakzentuierungen durch Halogenstrahler. Das Raumgefüge wird von den markanten Betonflächen dominiert und ist ein fester Bestandteil des Entwurfs. Aufgelockert wird die raue Fläche durch die Schalungslinien, die der einheitlichen Fläche ein grafisches Dekor verleihen.

Zweite Etage

Über eine kleine Treppe erreicht man die höchst gelegene Fläche des Wohnhauses. Aufgrund dieser Positionierung verströmt der Bereich einen erhabenen Eindruck und schenkt dem Bewohner einen Rückzugsort, von dem man den gesamten Wohnraum in Ruhe beobachten kann. Die Glasfassade wird hier von einer langen Bank gesäumt, die ebenso zum Leuchten gebracht werden kann wie die tieferliegenden Bereiche. Einziges Möbelstück, so wie wir es als Europäer gewohnt sind, ist ein Y-Chair: Entworfen wurde dieser von Hans J. Wegner, der zu einem der Hauptvertreter der dänischen Teakholz-Moderne zählt. Der Y-Chair gehört zu einem seiner bekanntesten und populärsten Entwürfe, nicht zuletzt wegen der prägnanten Rückenlehne mit der namensgebenden Mittelstütze. Wirft man einen Blick aus dem Fenster, kann man auch nicht mit absoluter Bestimmheit sagen, ob man sich in Japan oder doch an einem dänischen Fjord befindet. 

Weitere Anregungen zu wichtigen Stühlen aus der Architektur findet ihr in dem Ideenbuch: Designklassiker – 6 beliebte Sessel

Gliederung der Einheiten

Hier wird Kochen zu einem Vergnügen, denn die Anordnung der Geräte und der Arbeitsfläche ist bewusst zur Fensterfront ausgerichtet. Eine niedrige Glasscheibe grenzt die Küche vom Wohnbereich ab und sorgt zumindest für ein wenig Absturzsicherheit. Die geringe Höhe der Scheibe ermöglicht dem Koch in stetiger Interaktion mit den Gästen zu bleiben und trotz allem der Arbeit in der Küche nachgehen zu können. Durch die erhöhte Positionierung des Wohnzimmers konnte eine Box in den Entwurf integriert werden, der die privaten Räume wie das Schlaf- und das Badezimmer beherbergt. Diese Zimmer gestalten sich völlig isoliert und kontrastreich zu dem sonst völlig einsehbaren Grundriss.

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