Architektur aus Karton: Shigeru Ban

Claire Dove Claire Dove
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Heute möchten wir euch die bemerkenswerte Arbeit des Architekturbüros des japanischen Architekten Shigeru Ban vorstellen. Ban ist Empfänger des diesjährigen Pritzker-Preises, einer weltweit rennomierten Auszeichnung für Exzellenz in der Architektur, die man mit dem Nobelpreis gleichsetzen kann. Seine Agentur, Shigeru Ban Architects, ist bekannt für ihre innovativen Projekte, technologischen Fortschritte und vor allem für ihr soziales Engagement in der Katastrophenhilfe. 

Shigeru Bans Arbeit ist an dem Einsatz von den für ihn typischen Materialien Karton und Papier zu erkennen, die ja sonst eher untypisch in der Architekturlandschaft sind. Durch speziell konstruierte Pappröhren etwa entsteht eine besondere Struktur, die sehr offen wirkt und somit Innen-und Außenräume verschmelzen lässt.  Er ist außerdem für bedeutende institutionelle Projekte wie das Centre Pompidou-Metz oder den japanischen Pavillon der Expo 2000 in Hannover bekannt. Darüber hinaus erreichte er Bekanntheit durch seine Notunterkünfte, die nach Naturkatastrophen lebensnotwendigen Wohnraum schaffen können. Vor allem für dieses langjährige Engagement im humanitären Bereich wurde ihm der Pritzker-Preis verliehen.  

Heute stellen wir euch zwei weitere Projekte des Architekturbüros vor, die typisch für seinen eigenwilligen, innovativen Stil sind. Zum einen die Cardboard Cathedral in Christchurch, Neuseeland, die zum Andenken an das schwere Erdbeben an der Stelle in 2011 erinnert und zum anderen einen beweglichen Pavillon für den Schuhhersteller Camper.

Cardboard Cathedral: Eine Kirche aus Karton

Diese provisorische Kirche wurde von Shigeru Ban nach dem verheerenden Erdbeben im Februar 2011 in Neuseeland entworfen. Sie steht nun in der Nähe des Areals der alten ChristChurch Cathedral, die durch die Naturkatastrophe irreparabel geschädigt worden war. Das Gebäude ist 24 Meter hoch und besteht aus 96 Kartonageröhren, die der Karton-Kirche ihren Namen verleihen. Natürlich ist nicht die ganze Konstruktion aus dem Material gefertigt: Holzbalken im Inneren tragen die Decke. Der Unterbau der Kathedrale besteht, so wie viele andere behelfsmäßige Notbauten, aus Containern. 

Fast sieht die dreieckige Struktur aus wie ein Kartenhaus, was vielleicht daran erinnern soll, wie fragil Architektur im Angesicht von Naturkatastrophen sein kann.

Der Innenraum der Kirche

Hier sehen wir den Innenraum der Kirche. Hier finden bis zu 700 Personen Platz. Die Struktur wird auch als Versammlungsort und Konzertsaal genutzt. 2013 wurde die Kirche von der örtlichen Diozese eingeweiht.

Im Inneren erkennt man die Kartonageröhren besonders schön. Durch die Zwischenräume flutet Sonnenlicht herein, was der gesamten Kirche ein helles, heiteres Ambiente verleiht. Der Boden besteht aus Betonfertigteilen und beinahe die komplette Einrichtung ist in hellem Braun gehalten. Am Ende des Kirchenschiffs, direkt über dem Altar, prangt ein großes Kreuz, ebenfalls aus Karton.

Detailansicht

Alle Elemente des Interieurs wurden von Shigeru Ban entworfen, seien es die Stühle aus Naturholz, die Wandverkleidung aus Pappröhren, die Kerzenhalter, Spendenbüchsen oder gar der Hauptaltar. Auch im Inneren der Kirche finden sich Container-Elemente, wie auf dem Bild ersichtlich wird. Durch die einheitliche Gestaltung aus einer Hand entsteht ein harmonischer Gesamteindruck, der zu der ruhigen, spirituellen Atmposphäre einer Kirche passt. 

Dabei wurde darauf geachtet, dass zwar alle nötigen Elemente für eine Kirche vorhanden sind, diese jedoch nicht prunkvoll oder überladen wirken. So bleibt der behelfsmäßige Charakter der Kirche absichtlich erhalten, um an das Erdbeben zu erinnern.

Das Kirchenfenster

Das bunte Kirchenfenster ist definitiv das Herzstück der Kirche, deshalb wollen wir unseren Gebäuderundgang damit abschliessen. Von weitem sieht es aus wie ein traditionelles Bleiglasfenster, von nahem erkennt man jedoch auch hier die provisorische Natur der Konstruktion. Statt die einzelnen Bestandteile des Fensters miteinander zu verlöten, wurden die Glasscheiben in eine Holzstruktur eingefügt. Wenn man genau hinsieht, erkennt man auf jeder einzelnen bunten Scheibe eine andere sakrale Glasmalerei. In Kombination mit den lichtdurchlässigen Deckenstreben entsteht ein luftiger, fröhlicher Eindruck.

Die Kirche ist übrigens so konstruiert, dass sie mindestens 50 Jahre überdauern kann.

Mobiler Pavillon für die Firma Camper

Die treibende Kraft bei der Entstehung dieses mobilen Pavillons für die spanische Schuhfirma Camper war der große Wunsch nach Mobilität. Denn eine Struktur, die schnell auf- sowie wieder abbaubar war, musste im Zuge des Volvo Ocean Race, der 2011-2012 stattfand, her. So konnte der Pavillon leicht von Ort zu Ort gebracht werden, als das Rennen von Alicante mit zahlreichen Zwischenstopps bis nach Miami führte.

Auch der Pavillion besteht wieder aus Kartonageröhren in unterschiedlichen Größen, die zu Transportzwecken platzsparend ineinander eingefügt werden können.

In der Gesamtansicht entsteht durch diese Bauweise ein offener, einladender Raum, der schon von außen einen Teil seines Innenlebens preisgibt und zum Hineingehen animiert.

Eingangsbereich des Pavillions

Der sechs Meter hohe Pavillon hat einen eindrucksvollen Eingangsbereich, der das Firmenlogo von Camper geschickt in Szene zu setzen versteht. Die weißen Kartonageröhren tragen einen hellen Baldachin, der durch Stahlkabel gespannt wird.

Da der Pavillon so durchlässig ist, wirkt er trotz seiner imposanten Größe extrem einladend. 

Der Innenraum

Auch im Inneren des Pavillons finden sich viele für Shigeru Ban typische Design-Elemente wie Karton und Papier wieder. Es entsteht ein offener Raum mit fließenden Strukturen, der für die verschiedensten Zwecke genutzt werden kann.

Einladende Sitzgelegenheiten

Zusätzlich zu der Ausstellungsfläche finden sich im Inneren des Pavillons auch viele einladende Sitzgelegenheiten, die – natürlich – ebenfalls aus Kartonröhren sind. Wer dort sitzt, hat zugleich einen Blick in den Innenbereich sowie den Ausblick auf den umgebenden Platz. Sonnenlicht strömt herein. Der Raum erzielt so denselben hellen, freundlichen Charakter wie das Interieur der Kirche aus Karton. 

Übrigens: Wie Shigeru Ban in einem Interview verriet, ist der ungewöhnliche Baustoff erstaunlich belast- und haltbar. So könne eine solche Konstruktion aus Karton beispielsweise besser einem Erdbeben standhalten als jegliche Art von Gebäude aus Beton, so der Architekt.

Was haltet ihr von dem ungewöhnlichen Baustoff? Wir sind gespannt!
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