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Reetdach: Vor- und Nachteile

Sophie Pussehl Sophie Pussehl
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Wer ein Haus mit einem Reetdach sieht, kommt meistens sofort ins Schwärmen und muss unweigerlich an salzige Meeresluft, feinen Sand zwischen den Zehen und das Rauschen von Wellen denken, wobei man das sogar schon wenige Meter weiter hautnah spüren kann. Denn die charmanten Schilfdächer gehören zur Küste wie die Fische ins Wasser und prägen das norddeutsche Landschaftsbild. 

Mit Reetdach gedeckte Häuser sind in vielen Küstenregionen Deutschlands zu finden und lebende Kulturdenkmäler. Für die Urlaubsorte an der Ostsee sind Reetdächer quasi ein Markenzeichen. Ein mit Reet gedecktes Haus zeugt von einer Jahrhunderte alten Bautradition und damit auch von Stolz. Die Gemeinden und Städte an der Ostsee setzen sich aktiv dafür ein, dass die Reetdächer nicht verschwinden. So stehen viele Höfe mit Reetdach unter Denkmalschutz. Es wäre ja auch zu traurig, wenn die für Touristen attraktiven Fotomotive schwinden würden, ganz zu schweigen von der Behaglichkeit, die Reetdächer ausstrahlen. 

Welche Vorteile ein Reetdach hat, mit welchen Kosten es verbunden ist und welche Punkte es auch zu bedenken gilt, stellen wir euch in diesem Artikel vor.

1. Material

Wenn wir heute etwas bauen wollen und dafür Material benötigen, gehen wir einfach in den Baumarkt, denn hier bekommen wir nahezu alles. Früher war das nicht so. Da haben sich die Menschen an dem bedient, was die Natur ihnen in Abhängigkeit von der Gegend zu Genüge zur Verfügung stellte. Auf das Dach bezogen war es für die einen Ton und damit gebrannte Dachziegel, für die anderen Holz und damit Holzschindeln und für wiederum andere war es Schilf aufgrund der sumpfigen Landschaft. Und da es Sumpflandschaften vor allem im norddeutschen Küstengebiet gibt, lag es nicht fern, dass auf das Schilfrohrgewächs Reet zum Dachdecken zurückgegriffen wurde. 

Schilf ist verwandt mit Hafer, Roggen, Gerste sowie Weizen und gehört zur Familie der Süßgräser. Je nach Region wird Reet auch Rieth oder Rohr genannt. Das Material wird jährlich zur Winterzeit geerntet, nachdem die Pflanze nach dem ersten Frost abgestorben ist. Die Halme verlieren dann nämlich ihre Blätter und werden goldbraun bis gelb – so, wie wir Reetdächer von ihrer äußeren Erscheinung her kennen. Die vollständig abgestorbenen Halme sind nach einem Jahr überaus biegsam, weshalb sich nur diese eignen und nicht etwa älteres Reet. 

2. Ausführung & Deckarten

Wenn es an die Deckung des Daches mit Reet geht, wird dieses von der Traufe bis zum First in glatter Fläche und durchgehend mit einzelnen Lagen des Schilfes ausgelegt. Dabei beträgt die Schicht etwa 35 cm. Zur Bindung der einzelnen Decklagen wird Draht verwendet, wobei die Bindung fest an der Dachlattung liegen muss. Das Reet verläuft in Längsrichtung von der Traufe bis zum First, während die Stoppelenden zur Traufe zeigen. Allerdings müssen die Decklagen, die sich rechts und links an den Abschlüssen befinden, so angelegt werden, dass deren Stoppeln den Überstand bilden.

Neben einer exakten Ausführung gibt es drei verschiedene Arten, wie ein Dach mit Reet gedeckt werden kann. 

1. gebundenes Reetdach: Die Decklagen werden unter Verwendung eines Vorlagedrahtes mit Bindedraht an die Dachlatten gebunden. 

2. genähtes Reetdach: Hier werden die Decklagen mit Draht an die Dachlatten gebunden, allerdings ohne dabei ein Vorlagedraht zu benutzen. 

3. geschraubtes Reetdach: Nachdem ein Vorlagedraht angebracht wurde, werden die Decklagen mit Draht befestigt, der anschließend an den Dachlatten angeschraubt wird.

3. Vorteile

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Reet ist ein nachwachsender und damit ökologischer Baustoff, der sich vor allem durch seine Elastizität, Festigkeit und Tragfähigkeit auszeichnet. Aufgrund dieser Eigenschaften ist es auch so gut für den Dachbau geeignet. Es ist widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse wie Hitze, Kälte, Schnee und Regen. Aufgrund ihres Aufbaus und ihrer Konstruktion sind Reetdächer somit gegen die größten Extreme gewappnet. 

Ein weiterer Vorteil ist, dass das Reet nur langsam verrottet, sodass mit Reet gedeckte Dächer mehrere Jahrzehnte über halten. Hättet ihr das gedacht? Ebenso positiv hervorzuheben ist die besondere Struktur des Reets. Der Aufbau des Halmes als Rohr ermöglicht, dass ein großer Anteil an Luft in diesem eingeschlossen wird. Damit dient es nicht nur als Material zur Dachdeckung, sondern ist gleichzeitig ein überaus guter Dämmstoff. So lässt sich auch das besonders angenehme Wohnklima erklären, dass unter einem Reetdach herrscht. 

Die Reetschicht eines Daches dient neben der Wärmedämmung zudem als Schallschutz – einer weiteren positiven Eigenschaft. Die elastische Dachdeckung nämlich absorbiert die auftreffenden Schallwellen, ohne diese dabei an den Dachstuhl oder in den Wohnraum weiterzuleiten. Nicht umsonst findet dieses Konstruktionsschema als Schallschutz in modernen Bauwerken Anwendung und dient damit als Vorbild.

4. Pflege & Wartung

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Wie so viele Dinge, will auch ein Reetdach gut behandelt und umsorgt werden. Es besteht nämlich aus einem organischen, das heißt natürlichen Werkstoff. Vom Wuchs bis zur Ernte der Pflanze wird diese keinerlei chemischer Behandlung unterzogen. Allein der spezielle Aufbau der Pflanze ist dafür verantwortlich, dass diese als Baustoff geeignet ist. Mit der Zeit haben sich jedoch nicht nur die Lebensgewohnheiten der Menschen, sondern auch die Klima- und Umweltbedingungen verändert. Nicht selten kommt es daher vor, dass Reetdächer heutzutage von Algen, Flechten und Moosen befallen werden. Diese Organismen sind nicht grundsätzlich schädlich, allerdings behindern sie den Luftaustausch und die Austrocknung des Daches, weshalb es zur Ansammlung von Feuchtigkeit kommen kann. Die wiederum beschleunigt den Verrottungsvorgang und kann damit teilweise die Lebensdauer eines Reetdaches deutlich reduzieren. 

Daher unser Tipp: Wenn ihr euch für ein Reetdach entscheidet, so sollte das Dach regelmäßig – etwa jährlich – besichtigt und auch gereinigt werden. Dazu kann ein Wartungsvertrag mit dem Reetdachdeckerfachbetrieb abgeschlossen werden. Dadurch fallen die Kosten auf Dauer geringer aus, als wenn man eine verkürzte Standzeit, den Verfall des Daches und gegebenenfalls eine Neudeckung bewusst in Kauf nimmt. Pflege und Wartung sind hier also das A und O!

5. Lebensdauer & Kosten

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Wie lange genau hält so ein Reetdach? Eine eindeutige Antwort gibt es auf die Frage nicht. Die Lebensdauer ist nämlich von unterschiedlichen Faktoren abhängig wie von planerischen und bautechnischen Details, Form und Konstruktion des Daches, handwerklicher Ausführung, Qualität des Reets, Kombination alter und neuer Materialien und auch von der Belüftung. Je besser und regelmäßiger man sich also um das Reetdach kümmert, desto haltbarer ist es. In der Regel aber lässt sich sagen, dass ein Reetdach im Durchschnitt 30 Jahre alt wird, in Einzelfällen sogar deutlich älter. 

Was die Anschaffungskosten eines Reetdaches betrifft, so fangen diese bei etwa 70 Euro pro Quadratmeter an, der mittlere Preis etwa liegt bei 100 Euro je Quadratmeter. Dabei ist das Reet selbst nicht das teuerste daran. Hinzu kommen Kosten für eine relativ komplizierte, hinterlüftete Kaltdachkonstruktion, um Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden. Natürlich spielt vor allem die Qualität des Reets eine entscheidende Rolle und auch, wie viel Quadratmeter Dachfläche eingedeckt werden sollen. Hat das Dach beispielsweise Gauben, so spiegelt sich das in dem Schwierigkeitsgrad, den die Dachdecker bewältigen müssen, wider und kann dadurch unter Umständen teurer werden. Ihr seht, auch die Kosten hängen von unterschiedlichen Faktoren ab, wobei man für ein durchschnittliches Reetdach zwischen 15.000 bis 40.000 Euro einplanen kann. Nach oben hin ist aber grundsätzlich alles offen.

6. Versicherung & was noch zu bedenken ist

Reet ist ein natürlicher Baustoff, der relativ leicht in Brand gesetzt werden kann. Dieser Nachteil ist eindeutig und nicht von der Hand zu weisen. Wer in Besitz eines Hauses ist, weiß, dass ein Versicherungsschutz unerlässlich ist. Wer in Besitz eines Hauses mit Reetdach ist, weiß auch, dass dieser deutlich teurer ist, aus dem einfachen Grund, da hier das Brandrisiko um einiges höher ist als beispielsweise bei einem Ziegeldach. Hinzu kommt, dass ein Reetdach schnell von Pilz und anderen Organismen befallen werden kann, weshalb es sehr pflege- und wartungsintensiv ist.

All diese Fakten sollte man bedenken, als Nachteil sehen muss man diese aber nicht. Denn wer sich für ein Reetdach entscheidet, weiß auch, warum er dies tut – weil es eines der schönsten Dacheindeckungen ist und die Tradition bewahrt. Wenn man sich also für ein Reetdach entschließt, sollte man wissen, welch Mehraufwand auf einen zukommt. In Anbetracht der schönen Optik nimmt man diesen aber in Kauf. 

Ein gemütliches Reetdachhaus auf Sylt stellen wir euch hier vor!

Wie ansprechend findet ihr Reetdächer? Verratet es uns gerne in einem Kommentar!
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